«Es ist eine Ehre, dass ich das machen darf», betont Silvie Hofmann im Gespräch mit hallowil.ch. Sie meint damit ihre Wahl in den Stiftungsrat der Heimstätten Wil und die Möglichkeit, ihre ganz persönlichen Erfahrungen dabei einbringen zu können. Und das ist in ihrem Fall besonders wertvoll, denn Silvie Hofmann leidet selbst an psychischen Erkrankungen, so verfolgen sie etwa Depressionen. Sie hat denn auch Erfahrungen gesammelt und eine andere Sicht als etwa Ärzte oder andere Betreuungspersonen. «Es ist wie bei allem im Leben: Wenn du es nicht selbst erlebt hast, dann kannst du nicht mitreden», sagt sie.

Darauf baue denn auch der «Peer-Ansatz» auf: «Peer» ist englisch und bedeutet soviel wie Bezugsgruppe, Gleichgesinnte, Seinesgleichen. Der Ansatz fokussiert auf die Erfahrung der Einzelnen, die in der Regel authentischer sei als beispielsweise Wissen aus Lehrbüchern. Obwohl: «Natürlich sind auch die studierten Fachkräfte gut und wichtig, die Peers sind einfach näher dran, besonders bei gleichen Krankheiten.» Die Organisation «Pro Mente Sana» zum Beispiel bietet Peer-Weiterbildungen an und schreibt dazu: «Peer-Arbeit zeigt Wege auf, wie es gelingen kann, wieder Vertrauen in die eigene Lebendigkeit zu gewinnen.» Silvie Hofmann hat ihre Weiterbildung bei Pro Mente Sana absolviert und erklärt, dass verschiedenes erfüllt sein muss: So brauche es eine entsprechende Diagnose und man in müsse in Behandlung sein, so dass man aufgefangen werden könne. Sie selbst sei stabil und voller Motivation. Auf die Frage, ob sie vom Ansatz gerade für ihr Mandat im Stiftungsrat überzeugt ist, antwortet sei denn auch mit fester, klarer Stimme und einem einzigen Wort: «Ja!» (jme)

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Heimstätten Wil: Neues Mitglied mit IV-Rente im Stiftungsrat (10.12.)

Die Stiftung Heimstätten Wil habe einen weiteren Meilenstein auf ihrem Weg zur Teilhabe von Menschen mit einer Beeinträchtigung erreicht, heisst es in einer Mitteilung seitens der Stiftung. Denn der Stiftungsrat hat ein neues Mitglied gewählt: Silvie Hofmann ist Peer-Beraterin und bezieht eine 50% IV-Rente.

Der Regionalverband SG/AI vom nationalen Branchenverband der Institutionen für Menschen mit einer Behinderung INSOS entwickelte 2019 einen Aktionsplan mit Empfehlungen für ihre Mitgliederorganisationen. Dieser Aktionsplan stütze sich auf die UN-Behindertenrechtskonvention und ziele darauf ab, die Wahlfreiheit, die Mitwirkung und die Selbstbestimmung von Menschen mit Beeinträchtigungen in Institutionen zu erhöhen. Und ihnen eine vermehrte Teilhabe am Leben ausserhalb der Institutionen zu ermöglichen.

In den Empfehlungen des Regionalverbandes heisst es denn auch: «In den Trägerschaften werden die Klientinnen und Klienten in geeignetem Masse einbezogen und können bei relevanten Themen mitwirken.» Eine Empfehlung, die Paul Schmid, der CEO der Stiftung Heimstätten Wil, rasch umsetzen wollte. Allerdings musste das neue Mitglied des Stiftungsrates eine Person sein, die ausserhalb der Heimstätten Wil tätig ist. Nachdem Mitte des Jahres ein Wunschprofil erstellt und eine geeignete Kandidatin gefunden war, wurde Silvie Hofmann am 13. November 2019 vom Stiftungsrat gewählt.

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Das neue Mitglied des Stiftungsrates der Heimstätten Wil: Silvie Hofmann.

Silvie Hofmann arbeitet seit rund zwei Jahren als Sachbearbeiterin beim Sozialamt des Kantons Thurgau. Sie ist ausserdem als Peer-Beraterin tätig, verfügt über reichhaltige Erfahrungen mit Menschen mit einer psychischen Beeinträchtigung und bezieht eine 50% IV-Rente. Ihr Amt als Mitglied des Stiftungsrates der Heimstätten Wil tritt Silvie Hofmann per 1.1.2020 an.

Was regelt die UN-Behindertenrechtskonvention?

Die Konvention wurde von der Schweiz am 15. April 2014 ratifiziert und ist am 15. Mai 2014 in Kraft getreten. Mit ihrem Beitritt zum Übereinkommen verpflichtet sich die Schweiz, Hindernisse zu beheben, mit denen Menschen mit Beeinträchtigungen konfrontiert sind, sie gegen Diskriminierungen zu schützen sowie ihre Inklusion und ihre Gleichstellung in der Gesellschaft zu fördern.

(pd)