Damit die nächste Vogelgeneration nach dem Winter gut gedeihen kann, muss ihre Kinderstube rechtzeitig bereit sein. Die Schweizer Vogelwarte in Sempach empfiehlt auf ihrer Website, Nistkästen ab September, spätestens vor Ende Februar zu kontrollieren und zu reinigen. 

Je früher desto besser, in leeren Nistkästen finden Vögel und Kleintiere ein geschütztes Winterquartier, und sei es auch nur für eine bitterkalte Nacht. Zudem inspizieren manche Vogeleltern ihre möglichen Brutplätze schon sehr früh.

Anklopfen warnt die Bewohner

Für das effiziente Reinigen wird vorgängig das Material bereitgestellt, griffbereite Werkzeuge erleichtern die Arbeit: Gummi- oder Gartenhandschuhe, eine Bürste, ein Spachtel sowie ein Kübel mit Leitungswasser.

Anschliessend wird der Nistkasten von seinem Platz geholt. Zum Abhängen braucht es eventuell eine Leiter oder ein Gartenwerkzeug mit einem langen Stiel. Vor dem Herunterholen ist mehrmaliges Anklopfen ratsam. Nicht immer sind jene Bewohner eingezogen, für die die Behausung gedacht ist. Auch Siebenschläfer, Fledermäuse sowie Wespenvölker und Nachtfalter wissen sie zu schätzen. Und Spinnen als geschickte Kletterer richten ihr Jagdrevier gerne in leeren Nistkästen ein. Durch das Klopfen sind die «Hausbesetzer» gewarnt und können sich gefahrlos davonmachen.

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Nistkästen sind starken Witterungseinflüssen ausgesetzt, deshalb müssen sie regelmässig auf schadhafte Stellen kontrolliert werden. (Foto: pixabay)


Nährboden für Parasiten beseitigen

Auch Flöhe, Milben und Zecken haben sich möglicherweise häuslich niedergelassen. Sie sind unter Umständen als Eier oder als Larven mit dem Nistmaterial in den Brutkasten transportiert worden. Wenn Parasiten überhand nehmen, können sie die Entwicklung der Jungvögel beeinträchtigen.

Nach dem Öffnen wird das leere Nest vorsichtig entfernt. Gelegentlich findet man ein verlassenes Gelege vor. Dies ist ein Hinweis dafür, dass die Eltern durch einen äusseren Einfluss beim Brüten nachhaltig gestört wurden.

Am Boden und an den Wänden der Nistkästen klebt meistens eingetrockneter Kot. Er ist ein Nährboden für unerwünschte Mikroben, für Schimmel sowie für Parasiten, er muss mit dem Spachtel herausgekratzt werden. Feinere Partikel werden mit der Bürste weggefegt.

Schwalbennester nicht entfernen 

Vogelnester bestehen in der Regel aus Moos, Blättern, Halmen, Rindenstücken und Haaren. Als organische Materialien können sie im Kompost entsorgt werden.

Eine Ausnahme bilden die Nester von Schwalben und von Mauerseglern. Diese Vögel brüten stets am selben Ort. Für ihr nächstes Gelege renovieren sie ihr bestehendes Nest. 

Wenn es durch Menschenhand verändert oder gar beseitigt wurde, wird der Bruterfolg fraglich. Bei allen weiteren Vögeln ist das Entfernen des verlassenen Nestes wichtig; Vogeleltern benutzen normalerweise kein bereits benutztes Nest, sie errichten das neue darüber. Damit sind das Gelege bzw. die Jungvögel näher beim Einflugloch, Marder, Mäuse, Katzen und andere Räuber haben damit leichtes Spiel.

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Bei der Befestigung muss darauf geachtet werden, dass die Baumrinde nicht verletzt wird, andernfalls drohen Baumkrankheiten. (Foto: pixabay) 


Keine Chemie

Als vorletzter Schritt kann der Nistkasten mit einem Schwamm ausgewaschen werden. Wenn er erheblich verschmutz ist, hilft Seifenlauge. 

Alle weiteren Reinigungsmittel sind tabu. Sie können brutwillige Paare fernhalten oder durch ihre chemischen Rückstände die empfindlichen Jungvögel in ihrer Entwicklung stören. Dasselbe gilt auch für Desinfektions- oder Schädlingsbekämpfungsmittel. Behausungen für Wildtiere sollen sauber sein, sie müssen jedoch nicht den Hygienestandards von Menschen entsprechen.

Gehäuse kontrollieren

Um Parasiten zu vertreiben, genügt es, den gereinigten Nistkasten für einige Tage geöffnet an die frische Luft zu stellen. Parasiten behagt ein feucht-warmes und dämmriges Milieu, bei viel Tageslicht und frischer Luft nehmen sie Reissaus. Wenn es schnell gehen muss, kann der Innenraum mit einer glimmenden Zeitung ausgeräuchert werden.

Vor dem erneuten Aufhängen wird das Gehäuse kontrolliert. Eventuell muss eine lose Schraube angezogen oder die Dachpappe neu befestigt werden. Nistkästen sind Jahr für Jahr winterlicher Kälte und sommerlicher Hitze sowie heftigen Windstössen und Regenwasser ausgesetzt, dies setzt dem Material auf Dauer zu. Gelegentlich machen sich auch Nesträuber an der Verkleidung zu schaffen.

Rinde nicht verletzen

Zum Befestigen eignen sich Drahtbügel sowie Plastikkordeln. Nägel, Schrauben und dünne Drähte verletzen die Rinde als natürliche Schutzhülle des Baumes, dadurch können Pilzsporen und Schädlinge eindringen und ihn im Extremfall zum Absterben bringen.

Den gereinigten Nistkasten hängt man ihn am besten an einen Aststummel oder an einen Seitenast. Damit sind sie für Katzen nur schwer erreichbar. Dachbalken und Vorderdächer sind witterungsgeschützte Orte, die sich ebenfalls eignen. 

Der Nistplatz muss in einigen Meter Abstand zu Mensch und Tier platziert werden, damit die Vögel beim Brüten und beim späteren Füttern ihre Ruhe haben. Balkone sind daher weniger zweckmässig.

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Freiwillige der Naturgruppe Salix reinigen und kontrollieren jeden Herbst die Nistkästen im Nieselbergerwald in Wil. (Archivfoto: Adrian Zeller) 


Schmale Futternische schützt vor Krankheiten

Neben einem temporären Unterschlupf, wissen Vögel im Winter auch menschliche Nahrungsunterstützung schätzen. Das vielfältige Kommen und Gehen am Futterhäuschen bietet zudem für Kinder ein faszinierendes Erlebnis. Durch das Beobachten des Treibens werden sie für die Vorgänge in der Natur sensibilisiert.

In Hobby- und Heimwerkermärkten ist die Auswahl an Farben und Formen von Futterstationen riesig. Auch einige sozialtherapeutische Einrichtungen bieten selbstgefertigte Produkte an; Nistkästen sind bei ihnen ebenfalls erhältlich. 

Beim Kauf einer Futterstation sollte auf einen schmalen Bereich für die Futteraufnahme geachtet werden, sodass sich die Vögel nicht hineinsetzen können. Andernfalls gelangt Kot in die Körner, dadurch können Krankheiten übertragen werden.

Die Futterstelle muss für Katzen unerreichbar sein. Zudem muss sie Büsche oder Bäume in der Nähe aufweisen. So können sich die Tiere beim Auftauchen eines Raubvogels rasch zurückziehen.