Der Mittelpunkt nach der Uzwiler Bürgerversammlung hat bereits Tradition. Nach der Rechnungsabnahme werden Persönlichkeiten mit besonderem Leistungsausweis vorgestellt und mit einer über sie gefertigten Karikatur beschenkt. Diesmal waren es Klaus Sohmer, der Archivar der Vereinigung für Kulturgut, und Marco Bruggmann, ein ETH-Student, der mit Kolleginnen und Kollegen ein Zukunftsprojekt für Uzwil ausgearbeitet hat. Die Rechnungen wurden wortlos und ohne Gegenstimmen verabschiedet. In der allgemeinen Umfrage kam ein bunter Strauss von Bürgeranliegen zur Sprache.2,2 Millionen Franken Ertragsüberschuss statt eines prognostizierten Fehlbetrages von einer Viertelmillion Franken und ein um gut fünf Millionen Franken geringerer Finanzierungsfehlbetrag bei einer Bilanzsumme von 63 Millionen Franken. Die Behörde bezeichnete den Abschluss als erfreulich und hatte damit die 226 stimmberechtigten Versammlungsteilnehmer hinter sich. Der Abschluss wie auch die Verwendung des Überschusses (1,5 Millionen zur Vorfinanzierung der Strassenraum- und Zentrumsgestaltung und 730'000 Franken als Einlage ins Eigenkapital) wurden ohne Wortmeldungen und Gegenstimmen gutgeheissen.

«Uzwil geht es gut»
Vor der Verabschiedung der Rechnung streifte Gemeindepräsident Lucas Keel etliche Positionen aus dem Amtsbericht und wies auf Eckpunkte des abgelaufenen Jahres hin. Sein Fazit: «Uzwil geht es gut. Im Vergleich mit anderen Gemeinden nimmt es aber keine Spitzenposition ein». Ausser den eingangs bereits erwähnten Zahlen aus dem Finanzhaushalt erwähnte er den beachtlichen Investitionsbetrag von 12 Millionen Franken. Zu einem grossen Teil ist er für den Neubau des Gemeindehauses aufgewendet worden.

«Uzwil ist sicher»
Mit 22 Gesetzesverstössen auf 1000 Einwohner liege Uzwil weit unter dem kantonalen Mittel. Dass Uzwil der Sicherheit der Einwohner grosses Gewicht beimesse, unterstrich auch Ruedi Müller. Er betreut im Gemeinderat dieses Ressort. Am Beispiel einer Feuerwehrübung in einem dreizehnstöckigen Hochhaus schilderte er, was alles unternommen wird, damit bei einem Brandfall rasch wirksame Hilfe zur Stelle ist. Zu Wohnungsbränden habe die Feuerwehr in den letzten Jahren immer wieder ausrücken müssen. Für die gute dabei geleistete Arbeit erntete sie von den Versammlungsbesuchern Applaus.

Zahlen und Fakten
In seinem Tour d’horizon erwähnte der Gemeindepräsident unter anderem, dass Uzwil am Jahresende einen Einwohner weniger als im Vorjahr gehabt habe. Er hofft aber, dass sich dank der regen Bautätigkeit wieder ein moderater Zuwachs ergibt.

Die Zahl der Schulkinder (gut 1500) wird in den kommenden Jahren so stark zunehmen, dass den Stimmbürgern noch in diesem Jahr die Errichtung von zusätzlichen Schulräumen vorgeschlagen werden wird.

Im vergangenen Jahr waren in Uzwil 184 Trauungen zu verzeichnen. Ihnen standen 147 Scheidungen gegenüber.

Es wurden 371 Baubewilligungen erteilt, 16 davon für Mehrfamilienhäuser. Die ausbezahlten AHV-Renten beliefen sich auf 22,5 Millionen Franken. Die Ergänzungsleistungen erreichten mit 8 Millionen Franken einen neuen Höchststand.

Mit 7 Millionen Fahrzeugen verzeichnete auch die Augarten-Kreuzung einen neuen Höchstwert. Vom Kanton wird demnächst ein Sanierungsprojekt erwartet. Von der SBB erwartet die Gemeindebehörde die Wiedereröffnung des Bahnhofs Algetshausen im Jahr 2020.

Die Projektierung des Benninger-Areals als wichtiger Teil der Zentrumsplanung ist noch nicht spruchreif. Zwei Projekte seien zur Weiterbearbeitung an die Verfasser zurückgeschickt worden, war von Lucas Keel zu erfahren.

Jugend-Gemeinderat wird geprüft
In der allgemeinen Umfrage regte Remo Wirth die Schaffung eines Jugend-Gemeinderates an. Sein Antrag, der Gemeinderat solle bis zur nächsten Bürgerversammlung zum Anliegen Stellung nehmen, fand in der Versammlung eine Mehrheit. Damit wird sich die Behörde überlegen müssen, ob und wie mit einem eigenen Gremium das politische Interesse der jungen Menschen geweckt und gefördert werden könnte.

Lebendig Demokratie
Die rege benützte allgemeine Umfrage war einmal mehr ein Beispiel gelebter direkter Demokratie. Beantragt wurde unter anderem eine Senkung des Wassertarifs. Dies liege in der Kompetenz des Gemeinderates, erhielt der Antragsteller zur Antwort.

Dem Wunsch, der Radweg von Henau nach Niederstetten möge bis 2020 bis zur Gemeindegrenze von Schwarzenbach verlängert werden, entgegnete Lucas Keel, es sei vordringlicher, das Verkehrsproblem innerhalb des Dorfes Niederstetten zu lösen.

Die Wiederbesetzung der Stelle des Geschäftsleiters der Technischen Betriebe erfordere Zeit. Bei den Technischen Betrieben sei ein Strategieprozess angestossen worden. Der Stelleninhaber müsse die neuen Anforderungen erfüllen.

Vom Schattenwurf wuchtiger Gebäude bei verdichtetem Bauen (Casa Solaris) über den Lärm der Traktoren, die nachts durch die Marktstrasse zur Grastrocknungsanlage fahren, über falsch eingestellte Lichtsignalanlagen, über ungepflegte Gräber auf dem Friedhof, über den Ärger über Pferdeäpfel auf Trottoirs und Radwegen bis zur Freude über die gute Qualität des Trinkwassers und des Uzwiler Blatts kam alles zur Sprache, was Bürgerinnen und Bürgern gerade unter den Nägeln brannte.

Vergangenheit und Zukunft
Klaus Sohmer war bei der Firma Bühler tätig. Geschichtlich interessiert war er zeitlebens. So übernahm er nach seiner Pensionierung die Aufgabe des Archivars beim Verein für Kulturgut Uzwil. 16 Jahre übt er dieses Amt nun mit grosser Freude und aussergewöhnlichem Engagement aus. Inzwischen hat er durch intensives Studium und Bearbeiten von historischen Dokumenten umfassende Kenntnisse der Geschichte Uzwils erworben. Er arbeitet aber nicht nur akribisch im Archiv, er lässt an seinem Wissen bei Führungen und Veranstaltungen auch die Öffentlichkeit teilhaben.

Marco Bruggmann hat sich als ETH-Student zum Ziel gesetzt, ein visionäres Projekt für Uzwil zu planen. Realisiert hat er die Idee mit einigen Mitstudenten. Begleitet hat das Projekt der in Uzwil wohnhafte ehemalige Stadtplaner von St. Gallen, Mark Besselaar. Ein Fussgängerweg führt vom Bahnhof Uzwil bis zum Seniorenzentrum Sonnmatt. Er bezieht die Schulen mit ein und verbindet so die Generationen. Besonderheiten sind eine Passerelle über die Bahnhofstrasse, ein Aussichtsturm und ein Weiher.