Uzwil weist mit Stolz auf seine Industriegeschichte hin. Auf die Blütezeit und den Niedergang der Textilindustrie folgte die Maschinenindustrie, die mit der Firma Bühler den Namen Uzwil in die ganze Welt hinausträgt. Schreibgeräte wurden in der ganzen geschichtlichen Entwicklung wohl nie als besonders wichtig angesehen. Trotzdem waren sie unerlässlich. Kein Konstruktions- oder Verwaltungsbüro wäre ohne sie funktionsfähig gewesen.

Sammler mit Leidenschaft

Hanspeter Schaffner befasste sich jahrzehntelang beruflich mit Schreibgeräten und Bürobedarf. Er führte die Papeterie Schaffner an der Bahnhofstrasse in Uzwil bis zur Geschäftsaufgabe. Er verkaufte nicht nur Schreibgeräte, sondern sammelte auch historische Exemplare mit Leidenschaft. Dazu pflegte er persönlichen und brieflichen Kontakt mit vielen Herstellerfirmen. Im Lauf der Zeit legte er so in seiner Wohnung ein eigentliches Museum an. Das war möglich, weil es sich um Exponate handelt, die meist wenig Raum in Anspruch nehmen.

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Gemeindepräsident Lucas Keel und Verwaltungsleiter Thomas Stricker lassen sich von Hanspeter Schaffner einen Demonstrations-Schreibstift erklären.


30 Umzugsschachteln im Archiv

Nach der Geschäftsaufgabe stellte sich für Hanspeter Schaffner die Frage, was mit seiner Sammlung geschehen solle. Er hätte sie veräussern können, stellte er fest, für Spezialitäten wären sehr gute Preise zu erzielen gewesen. Ihm sei es aber ein Anliegen, dass die Sammlung als Ganzes beisammenbleibe und dass er sie auch künftig besuchen könne. Mit der Gemeinde Uzwil kam er überein, ihr die Sammlung zu überlassen. In 30 Bananenschachteln verpackt, befindet sich die Sammlung nun in den Archivräumen des neuen Gemeindehauses. Die Gemeinde hat sich verpflichtet, die Gegenstände nicht zu veräussern.

Öffentlich zugänglich machen

Die Gemeinde will ausserdem die Öffentlichkeit an der Sammlung teilhaben lassen. Dies soll im Rahmen von Wechselausstellungen in den Räumen der Gemeindebibliothek im Uzwiler Zentrum geschehen. Die Räume sollen ihrerseits auch neugestaltet werden. Gemeindepräsident Lucas Keel und Verwaltungsleiter Thomas Stricker betonten beim offiziellen Übergabeakt, dass hinter jedem Exponat eine Geschichte stehe. Diese zu ergründen und bei einer Ausstellung zu erzählen, beziehungsweise zu erklären, soll in Zusammenarbeit mit Hanspeter Schaffner erfolgen.


Tempi passati – vergangene Zeiten

Der neuen Sammlung im Besitz der Gemeinde Uzwil kommt im doppelten Sinn historische Bedeutung zu. Zum einen sind die Schreib- und Bürogeräte eigentliche historische Zeitzeugen. Bleistifte und Federn, die längst nicht mehr im Gebrauch und im Handel auch nicht mehr erhältlich sind. Ausserdem stehen wir bezüglich des Schreibens sozusagen an einer Zeitenwende. Von Hand zu schreiben wird fast vollständig vom Schreiben am Computer abgelöst. Auch in der Schule ist Schönschreiben ein Relikt aus vergangenen Zeiten. So gesehen dokumentiert die Sammlung im Uzwiler Gemeindearchiv auch eine zu Ende gehende Epoche der Kulturgeschichte.


Den Lebensraum dokumentieren

Verwaltungsleiter Thomas Stricker beschreibt die Aufgabe des Gemeindearchivs so: «Das Uzwiler Gemeindearchiv versteht sich als Ort, der nicht nur Akten aufstapelt. Es will wichtige Aspekte zum Lebensraum und seinen Menschen der Nachwelt erhalten. So befinden sich im Archiv beispielsweise der fotografische Nachlass von Jack Tanner, Teile des literarischen Nachlasses von Kanonikus Martin Müller, welcher 1954 die Gemeindegeschichte schrieb, und der künstlerische Nachlass von Leo Rimensberger. Die Gemeinde stellt sich dieser Aufgabe gerne und verantwortungsvoll und schätzt das Vertrauen, welches ihr damit entgegengebracht wird.»