«Durch Zufall lernte ich eine alte Bäuerin kennen», erzählt Walter Truniger. Sie lebt ziemlich abgelegen im Hinterthurgau, in der Region Allenwinden, nahe an der Grenze zum Kanton Zürich.

Sie berichtete ihm von einem Vorfahren, der einst in der Region eine Siedlung mit vier Gebäuden errichtet hatte. Diese sei vor längerer Zeit abgebrannt. «Durch die sogenannte <Sulzberg Karte> wurde bestätigt, dass die Siedlung zwischen den Jahren 1880 bis 1885 abgegangen war», erzählt Walter Truniger. Die Karte geht auf einen Ingenieur zurück, der die Schweiz ab 1835 vermessen und Änderungen vermerkt hat.

Elf Fundstücke

Mit Bewilligung der Bäuerin begann er das bezeichnete Gelände mit einem Metalldetektor abzusuchen. Schon nach kurzer Zeit konnte in einer Tiefe von rund 10 cm eine Münze von Napoleon III von 1856 geborgen werden. «Dann ging alles relativ schnell und innerhalb von zwei Wochen konnten insgesamt elf Funde zu Tage gefördert werden», freut sich Geschichtsforschende.


Es drohen Bussen

Über die genauen Fundorte spricht er ungern, er will keine Schatzsucher anlocken. Im Gegensatz zu ihnen besitzt Truniger eine Suchlizenz des Amtes für Archäologie. Illegal Grabende müssen mit einer Busse rechnen. Rund 120 Freiwillige haben im Thurgau eine entsprechende Bewilligung und verpflichten sich zur Einhaltung bestimmter Verhaltensregeln.

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Die Grabstätte der heiligen Idda lockt seit Jahrhunderten Pilger nach Fischingen. (Foto: Adrian Zeller) 


Alte Handelsroute

Wieso lagen sozusagen «am Ende der Welt» Objekte aus unterschiedlichen Epoche in der Erde, fragt Truniger rhetorisch. Die Antwort gibt er gleich selber: «Die Lösung hierfür dürfte in einem alten Handelsweg vom Tösstal, über die Anhöhe, an der Siedlung vorbei und hinunter nach Fischingen und weiter ins Toggenburg, liegen.» Dieser Weg wurde auch von Pilgern benutzt, die das Grab der hl. Jdda in Fischingen aufsuchten, was der Nonnenring und Heiligenanhänger belegen. Im Weiteren vergruben frühere Generationen von Landwirten Münzen sowie Medaillons, sie sollten für eine gute Ernte sorgen.

Die Funde wurden gemäss Truniger dem Amt für Archäologie übergeben, bis auf den Schmuck. «Nach Rücksprache mit dem Amt, durfte ich ihn der alten Bäuerin schenken, schliesslich könnte er einer ihrer Vorfahren gehört haben.»