«Reisende hatten damals ihr eigenes Essbesteck dabei», erzählt Walter Truniger. Er fand ein einklappbares Messer mit einem integrierten Esspfrim. «Das Fundgebiet liegt in der Nähe eines Pilgerwegs von Fischingen nach Tobel», berichtet der Wiler im AHV-Alter. «Es war ein Zufallsfund».

Bewegte Geschichte

Zusammen mit einer historisch Interessierten ist Truniger öfters im Hinterthurgau auf der Suche nach Überbleibseln aus der Vergangenheit unterwegs. 

Historischen Aufzeichnungen deuten auf Burgen hin, die ehemals im Gebiet Hinterthurgau und unteres Toggenburg standen. Insgesamt ist die Geschichte der Region sehr wechselvoll und ereignisreich, entsprechend sind Fundobjekte zu erwarten.

Suche mit System

Vor wenigen Wochen fand der Geschichtsforscher einen Reitersporn sowie einen sogenannten Schweizer Dolch, eine Kriegswaffe aus dem Mittelalter. Als erfahrender Suchender geht er mit System vor. Als erstes konsultierte er historische Landkarten. «Diese zeigen in sehr präzis, wo heute nicht mehr existierende Strasse und Wege verliefen.» Im nächsten Schritt setzt er eine spezielle Software ein. Sie rechnet alle Gebäude, Wälder und künstlichen Erhebungen weg und zeigt die reine Bodenoberfläche im aktuellen Zustand.

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Walter Truniger aus Wil ist ein passionierter Suchender nach Artefakten aus der Vergangenheit. 

Anschliessend wird die alte Landkarte mit dem Softwarebild verglichen. Dabei fallen etwa kaum merkliche Vertiefungen auf, wie Truniger erzählt.

Bewilligungen erforderlich

Unterstützt wird die Suche vom Geo Traker. «Dieses GPS unterstütze Programm zeigt mir auf dem Handy an, welches Areal ich absuchen will, wo ich mich genau befinde und welche Strecke ich bereits gegangen bin», erzählt Walter Truniger. 

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Diesen Radsporn fand Walter Truniger unweit des Schweizer Dolches. 

Eine wichtige Voraussetzung für die Bodenerkundung ist das Einverständnis des Landeigentümers; dies gehört zum Ehrenkodex. Und auch eine Lizenz des Amts für Archäologie des Kantons ist erforderlich. Rund 100 Freiwillige haben im Thurgau eine entsprechende Bewilligung und verpflichten sich zur Einhaltung bestimmter Verhaltensregeln.

Deutliches Eisensignal

Truniger machte sich mit seinem Metalldetekor auf die Suche, nachdem er zuvor mit der historischen Landkarte und der Software eine Stelle entdeckte, die erfolgsversprechend aussah. 

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Walter Truniger entdeckte unter einer Wurzel einen sogenannten Schweizer Dolch aus dem Mittelalter.  

Schliesslich stiess er in rund 20 cm Tiefe auf den historischen Radsporn eines Reiters. Etwas später gab sein Detektor ein Eisensignal unter einer Wurzel an. Nach einer halben Stunde war der Schweizer Dolch geborgen. «Sofort wurden vom Objekt und der Fundsituation Fotos erstellt und ans Archäologische Amt in Frauenfeld geschickt.» Kurz darauf lieferte er die Fundstück dort ab.