Entgegen seiner Ankündigung nahm auch der in Zuckenriet ansässige Unternehmensberater Willy Bläuer an der Veranstaltung teil. Er habe sich überzeugen lassen, dass die Diskussionsleitung entgegen seiner anfänglichen Befürchtung eine neutrale Abwicklung der Veranstaltung erwarten lasse. So haben sich denn Peter Zuberbühler, Geschäftsführer und nebenamtlicher Gemeindepräsident im zürcherischen Wasterkingen, von der Findungskommission portiert, Damian Gahlinger, Inhaber einer Baufirma in Niederhelfenschwil, und Willy Bläuer von Hans Suter, dem stellvertretenden Redaktionsleiter der Wiler Zeitung, auf den Zahn fühlen lassen. Die beiden einheimischen Bewerber waren von der Findungskommission abgelehnt worden und kandidieren trotzdem.

Vor einer mit interessierten Personen vollen Aula im Oberstufenzentrum Sproochbrugg beschrieb sich Peter Zuberbühler als zugänglich, geerdet und offen. Er könne gut zuhören und auf Menschen zugehen. Er sei an seinem Umfeld interessiert und basisdemokratisch unterwegs. Durch seinen Einsatz in politischen Nebenämtern habe er deren Bedeutung kennen und schätzen gelernt. Nun würde er gerne die Möglichkeit eines hauptberuflichen Einsatzes ergreifen, sozusagen sein Hobby zum Beruf machen.

Damian Gahlinger sieht sich als loyal und volksnah: «Auf mich kann man zählen.» Er nehme die Anliegen der Mitmenschen ernst und verfüge über einen gesunden Ehrgeiz. Auf Gemeindeebene sei in den vergangenen sechs Jahren nicht alles gut gelaufen. Er möchte nicht Fehler korrigieren müssen, sondern vorausschauend gute Lösungen treffen.

«Ich bin direkt und setze unverzüglich Leitplanken und Ziele», sagt Willy Bläuer von sich. Auch sei er sich gewohnt, prozessorientiert zu arbeiten und analytisch zu denken. Wichtig sei ihm der direkte Kontakt zu den Einwohnern. Sein politisches Interesse habe bisher mehr kantonalen und eidgenössischen Fragen gegolten. Jetzt aber beschäftige ihn die Richtung, welche die Gemeinde eingeschlagen habe.

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Willy Bläuer: «Niederhelfenschwil könnte ein Coworking-Zentrum werden. Die Coronakrise hat gezeigt, dass Homeoffice für manche möglich ist.» 


Vollzeit oder Teilzeit?

Der neue Gemeindepräsident muss mit einem neu zusammengestellten Team arbeiten. Ein einziges Gemeinderatsmitglied stellt sich zur Wiederwahl. Vier im Team werden also auf jeden Fall Neulinge sein. Das macht aber keinem der Kandidaten Sorgen. Sie sind überzeugt, dass sie sich auf eine funktionierende Verwaltung abstützen können. Bezüglich ihrer Aufgabe und ihres Einsatzes aber gehen die Vorstellungen auseinander. Bläuer würde das Gemeindepräsidium in einem 80-Prozent-Pensum bewältigen. Erstrebenswert wäre für ihn gar eine Reduktion auf 50 Prozent. Auch könnte seiner Ansicht nach der Steuerfuss ohne Vernachlässigung von Aufgaben gesenkt werden. Eine Reduktion um vier Prozent wäre schon in der neuen Amtsdauer möglich. Als Voraussetzung nannte er aber die Ansiedlung von neuen Firmen.

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Damian Gahlinger: «Niederhelfenschwil muss eine gesunde, eigenständige Gemeinde bleiben.»


Gemeinde soll ländlich bleiben

Das Pensum des Präsidenten sei nicht entscheidend, sagte Damian Gahlinger. Notwendig sei, dass er 100 Prozent zur Verfügung stehe. Er geht aber von einer Vollzeitstelle aus, wobei er es als wichtig erachtet, wenn der Gemeindepräsident sich im Baubereich engagiert. Seine Zielrichtung wäre, den ländlichen Charakter und die Schulstruktur der Drei-Dörfer-Gemeinde zu erhalten und die ansässigen Gewerbebetriebe zu unterstützen. Auch dem Umgang mit den umliegenden Gemeinden, vor allem mit Uzwil, misst er eine grosse Bedeutung bei.

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Peter Zuberbühler: «Die finanziellen Möglichkeiten einer Gemeinde sind beschränkt. Wichtig scheint mir die Zusammenarbeit über Gemeinde- und Kantonsgrenzen hinaus.»


Kritisch gegenüber Wachstum

Peter Zuberbühler gestand als Aussenstehender, in manchen Fragen noch nicht über genügende Kenntnisse zu verfügen und deshalb auch keine Rezepte aus dem Ärmel schütteln zu können. Seine Art und Absicht aber sei es, mit den Menschen vor Ort zusammenzuarbeiten und mögliche Lösungen zu evaluieren. Das Präsidium würde er im Hauptamt ausüben. Er wäre für alle Aufgaben offen und würde zusätzlich versuchen, die Mitarbeiter nach ihren Stärken einzusetzen. In der Gemeinde gebe es fast alles, was man zum Leben brauche – und das gelte es zu erhalten. Eine massvolle Entwicklung sei zu begrüssen, Wachstum aber kritisch zu hinterfragen. Wer eine Senkung des Steuerfusses fordere, müsse gleichzeitig sagen, worauf verzichtet werden solle und könne.