In Zuzwil hat der Gemeinderat von den Stimmbürgern vor gut einem Jahr den Auftrag gefasst, die Machbarkeit eines Entlastungsstollens unter dem Kirchenhügel abzuklären. Damit soll der Dorfbach auch bei einem Hochwasser wie im Jahr 2015 kein Problem mehr darstellen. Bis im Sommer dieses Jahres soll das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Noch ein weiterer Stollen ist in Planung, wie nun bekannt wird – und zwar im Hinterthurgau. Er soll unter dem Hummelberg hindurch verlaufen und das Wasser aus dem Huebbach südlich von Wilen in den Alpbach führen. Der Stollen wäre ein Kilometer lang und würde vollständig auf Ortsgebiet von Wilen verlaufen. Diese Lösung ist gemäss einer Mitteilung des Kantons Thurgau kostenneutral gegenüber der bisher geplanten Linienführung entlang der Autobahn und beansprucht weniger Kulturland. Zusätzlich können auf die temporären Überflutungsräume am Huebbach und Alpbach verzichtet werden. Der Landbedarf konnte reduziert werden, ohne die ökologische Qualität des Projektes zu schmälern.

Direkt Betroffene mit einbezogen

Doch warum braucht es diesen Stollen? Rückblende: Im Sommer 2018 wurde der Bevölkerung der Region Wil die Massnahmen vorgestellt, um die Menschen und Sachwerte vor Hochwasser zu schützen, die Wasserqualität im Alpbach zu verbessern sowie den Lebensraum für Tier und Pflanzen aufzuwerten. Massnahmen sind dringend nötig, hat doch der Krebsbach seit 2015 schon zweimal Hochwasser geführt und die Autobahn A1 geflutet.

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Beim Krebsbach bereits Realität, beim Huebbach geplant: ein Entlastungsstollen.

In der Zwischenzeit haben die Projektbeteiligten – die Gemeinden Rickenbach, Wilen und Sirnach, die Stadt Wil, das Bundesamt für Strassen (ASTRA) sowie die Kantone Thurgau und St. Gallen – die verschiedenen Massnahmen für das Auflageprojekt konkretisiert und optimiert. Direkt Betroffene wurden in Planung einbezogen. Im Gespräch mit ihnen ermittelte das Projektteam die verschiedenen Interessen und versuchte Lösungen zu finden, um die Einschränkungen durch das Wasserbauprojekt zu reduzieren.

Stollen wäre 1,8 Meter breit

Das Projektteam hat für die geplante neue Leitung vom Huebbach eine neue Linienführung entwickelt. Der Huebbach wird westlich von Wilen in einem Stollen unter dem Hummelberg bis an den südlichen Siedlungsrand geführt. Dort werden der Huebbach und Meienmättelibach offen bis zum Alpbach verlängert. Dank der grösseren Abflusskapazität des neuen Huebbach-Stollens mit einem Durchmesser von

1,8 Metern wird eine Überflutung der Landwirtschaftsflächen im Gebiet zwischen Dietenmoos und Kreuzstrasse verhindert. «Detaillierte hydrologische und hydraulische Berechnungen mit verschiedenen Zusammenflussszenarien der Bäche haben gezeigt, dass es genügt mit leichten Geländeanpassungen Hochwasserspitzen am Alpbach zu lenken und danach über den neuen offenen Huebbach wieder abzuleiten. Die bisher vorgesehene Erhöhung der Abflusskapazität am Alpbach in Rickenbach muss jedoch weiterhin durchgeführt werden. Auf die temporären Überflutungsräume am Huebbach und Alpbach gemäss dem Vorprojekt 2015 wird verzichtet», schreibt der Kanton.

Baubeginn frühestens 2021

Parallel zu den bereits angekündigten verschiedenen baulichen und ökologischen Abklärungen an den vier Bächen in Rickenbach, Wilen, Sirnach und Wil wird das Auflageprojekt weiter konkretisiert. Die Linienführung vom Meienmättelibach wird weiter optimiert, die verschiedenen Bachquerschnitte innerhalb und ausserhalb der Siedlungsgebiete festgelegt sowie die naturnahen Bachabschnitte und Gewässerräume gemäss den aktuellen Vorgaben projektiert.

Es ist das Ziel, im Herbst 2019 das Hochwasserschutzprojekt der Öffentlichkeit vorzustellen. Dieses soll nach weiteren Optimierungen im Herbst 2020 aufgelegt werden. Frühestens 2021 wäre somit Baubeginn. Allerdings mit Einsprachen zu rechnen, womit sich die Ausführung verzögern würde. Die Gesamtkosten für alle Massnahmen soll sich auf rund 28 Millionen Franken belaufen. (pd/sdu)

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Hellblau eingezeichnet im rechten Bild der rund ein Kilometer lange Entlastungsstollen unter dem Hummelberg hindruch.