Die Bilder der überfluteten Autobahn A1 haben sich in den Köpfen eingebrannt, zumal es seit dem Jahr 2015 schon dreimal passiert ist – und jederzeit wieder vorkommen kann. Denn bei Hochwasser ist vorgesehen, dass der von Wil kommende Krebsbach auf die Autobahn überläuft. Ein gefährliches Unterfangen, da Unfälle geschehen können. Massnahmen sind nötig – und sollen in einer regionalen Gesamtschau getroffen werden. Für den Hueb-, den Krebs, den Alp- und den Meienmättelibach sind in den vergangenen Jahren aufeinander abgestimmte Lösungen ausgearbeitet worden. Was der Gemeinderat Wilen bereits vor zehn Jahren, also deutlich vor der ersten Überflutung der A1, angestossen hat, ist mittlerweile schon konkret, hat aber in den vergangenen Monaten noch einmal Änderungen erfahren.

Die wichtigsten sind zwei Tunnels unter dem Hummelberg in Wilen. Der von Sirnach kommende Huebbach soll auf einer Strecke von einem Kilometer in einem Entlastungsstollen geführt, der auf Wilener Ortsgebiet entspringende Meienmättelibach 220 Meter eingedolt werden. Beide Bäche münden nach dem Tunnel in den gleichen Teich – von wo das Wasser in den Alpbach gelangt.

Kaputte Erdwärmesonden würden ersetzt

Diese Pläne sorgen bei Anwohnern aber auch für Sorgenfalten. Vor allem jene Hausbesitzer, deren Liegenschaft direkt über dem geplanten Stollen steht, betrachten das Projekt kritisch. Remo Solèr, Projektverfasser Wasserbau, konnte aber aufzeigen, dass beim Huebbach im Minimum 20 Meter Fels zwischen Haus und Stollen sind – beim Meienmättelibach mindestens neun Meter. Das liegt deutlich über dem geforderten Mindestabstand. Gewisse Anwohner haben Angst, dass beim Tunnelbau ihre Erdwärmesonde getroffen werden könnte. Auszuschliessen ist dies laut Remo Solèr effektiv nicht, auch wenn die Chancen klein seien. Er beruhigte aber sogleich, dass allfällig zerstörte Erdwärmesonden ersetzt würden.

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Auch das zweite Überlaufen des Krebsbachs auf die A1 im Sommer 2018 sorgte für Schlamm auf der A1 bei der Ausfahrt Wil.

Es bleibt noch die Frage, was die Entlastungsstollen für Auswirkungen auf die Kosten des Gesamtprojekts haben. Bevor die Tunnels geplant waren, war von einem Gesamtkredit von rund 28 Millionen Franken die Rede. Und nun? Auch auf Nachfrage war am Donnertagabend von Projektleiter Klemens Müller weder eine Zahl noch eine Grössenordnung in Erfahrung zu bringen.

Es wird mit Einsprachen gerechnet

Als nächstes geht der Projektentwurf bei allen Beteiligten (Astra, Kantone St. Gallen und Thurgau, SBB, Technische Betriebe Wil, Bund und den Gemeinden Wil, Sirnach, Rickenbach und Wilen) in die Vernehmlassung. Parallel dazu werden Gespräche mit den Grundeigentümern geführt. Denn diese müssen zum Teil Land abgeben, damit die Massnahmen umgesetzt werden können. Falls möglich, soll Realersatz angeboten werden.

In rund einem Jahr soll das Projekt weiter verfeinert und gediehen sein, so dass es nach einer weiteren Informationsveranstaltung im kommenden Herbst öffentlich aufgelegt werden kann. Trotz allem wird mit Einsprachen gerechnet, womit die Realisierung frühestens in den Jahren 2021 bis 2023 starten dürfte. Die etappenweise Umsetzung wird mindestens zwei bis drei Jahre benötigen.