Die Grundlagen für die Nutzung und Machbarkeit im Rahmen der 3. Bauetappe des Hof zu Wil stehen. Herausragend zeigt sich das Betriebskonzept für das Museum, welches den Besuchern die 800-jährige Geschichte des Hof zu Wil näher bringen soll. Die Grundlagenarbeit basiert auf der Annahme, dass der Betrieb im Hof zu Wil finanziell selbsttragend läuft, was Stiftungspräsidentin Susanne Hartmann an der Medieninformation als wichtige Voraussetzung nannte. An der Medieninformation vom Donnerstagmittag stellten Stiftungspräsidentin Susanne Hartmann, Kathrin Dörig, Kulturbeauftragte der Stadt Wil, Philipp Lämmlin von der Agentur Alltag und Architekt Thomas K. Keller die erarbeiteten Grundlagen für den Ausbau der oberen drei Stockwerke vor.

Museumslösung zentral
In den ersten beiden Bauetappen standen die Sanierung der Gastronomie, der Räume für die Stadtbibliothek und des Turmgevierts im Zentrum. Nun liegt eine Studie mit dem Schwerpunkt Museum vor. In einem umfangreichen Grundlagenpapier hat die St. Galler Agentur Alltag in Zusammenarbeit mit allen Anspruchsgruppen die Leitplanken für die künftige Nutzung ausgearbeitet.

Das Museum im Hof zu Wil wird neu ausgerichtet. So soll die Geschichte modern dargestellt und für die Besucherinnen und Besucher erlebbar werden. Die ungewohnte Betriebsidee des offenen Zugangs reduziert die Betriebskosten massiv, indem keine Aufsicht nötig ist. Die Inszenierung der Objekte ist selbsterklärend. Die Ausstattungen sollen speziell die Veränderungen über die Jahrhunderte aufzeigen. Räumlich wird auch die Äbtekapelle eingebunden. Auf dem Dachboden, dem früheren Kornspeicher, ist ein Erlebnispfad vorgesehen. In der Erneuerung ist auch die Dienerschaftskapelle eingebunden.

Die Stiftung braucht Ertrag
Zur Finanzierung wies Stiftungspräsidentin Susanne Hartmann darauf hin, dass es zwar hoher Beträge für die Sanierung bedarf, die wiederkehrenden Betriebskosten beim Stiftungsrat eine ebenso hohe Priorität einnehmen. Der Betrieb im Hof zu Wil müsse selbsttragend funktionieren. So werden auch von den museal genutzten Räumlichkeiten Mieteinnahmen erwartet. Bezüglich Mitfinanzierung seitens des Kantons wird erwartet, dass das Museum überregionale und nationale Ausrichtung erreicht.

Erste Akzente zum Museumskonzept stehen bereits. Für das Fürstabtei-Museum auf dem 3. Obergeschoss zeichnet sich eine Partnerschaft mit dem Katholischen Konfessionsteil des Kantons St. Gallen ab. Um die Kosten im Museumsbereich tief zu halten, wird auf eine Museumsleitung verzichtet. Personell wird auf eine Hofleitung hingearbeitet, worin auch das InfoCenter eingebunden sein wird. Mit der entsprechenden Überwachungstechnik ist die Sicherheit dennoch gewährleistet. Erträge sind nach Hartmann einfacher über kostenpflichtige Führungen zu realisieren.

Nutzungsvorschläge
Der Vertragsumfang für die Gastronomie über weitere Räume wird geprüft. Ein Büro mit Hofladen ist in der Hofgasse vorgesehen. Der Zugang über alle Räumlichkeiten erfolgt über die Hofgasse. Wie weit im 2. Obergeschoss Flächen für Arbeitsnutzung verfügbar werden ist noch offen. Jedenfalls sind Mietflächen machbar.

Jetzt folgen konkrete Planungsschritte
Architekt Thomas Keller informierte über die konkreten Planungsschritte. Im ganzen Planungsabschnitt sei die Denkmalpflege eingebunden. Es gebe zahlreiche Herausforderungen aus architektonischer und technischer Sicht, auch in Anpassungen an die Erneuerungen der 1. und 2. Bauetappe.

Bis August 2018 wird ein Vorprojekt inklusive Kostenschätzung erstellt, gefolgt von der zweiten Phase des Vorprojektes. Das Detailprojekt mit Kostenplanung zur Behandlung im Parlament könne im Laufe von 2019 stehen. Wenn alles optimal ablaufe, könne im 2020 der politische Entscheid fallen, um dann voraussichtlich im 2021 mit der Umsetzung starten zu können,

Finanzierung
Stiftungspräsidentin Susanne Hartmann will erreichen, dass zuerst die finanziellen Beteiligungen des Kantons und der Denkmalpflege bekannt sind. Anschliessend sollen die Beteiligungen aus der Stadt geklärt werden. Natürlich werde man versuchen, auch Sponsorenbeiträge zu erreichen. Aber die Umsetzung soll nicht davon abhängig werden. So oder so müsse der Stiftungsrat auch Bankdarlehen aufnehmen, welche wie bisher über Betriebserträge abgebaut werden.

Die bisherigen Bauetappen 1 und 2 ergaben Kosten in der Höhe 36,16 Mio. Franken, welche mit 32,18 Mio. Beiträgen seitens Kanton, Denkmalpflege, Stadt und Spenden beim Stiftungsrat noch 3,97 Mio. Franken Fremdkapital erforderten. Über die Kosten der 3. Bauetappe konnten noch keine Angaben gemacht werden.

Der Hof zu Wil
Weit über die Grenzen der Stadt und Region Wil hinaus zählt der Hof mit seiner über 800-jährigen Geschichte zu den wertvollsten Kulturgütern. 500 Jahre Äbtezeit und knapp 200 Jahre Bierbrauerzeit hinterliessen Spuren. Seit 1978 steht das imposante Bauwerk unter Bundesschutz, seit 1990 ist es als Baudenkmal von nationaler Bedeutung eingestuft. Mitte 1990 übernahm die Stiftung Hof zu Wil die Verantwortung. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, der Öffentlichkeit den Hof als Treffpunkt für gesellschaftliche und kulturelle Begegnungen zur Verfügung zu stellen. Weitere Informationen: www.hofzuwil.ch.