Der Sport hat Christof Kälin während seines ganzen bisherigen Lebens begleitet. Viele Jahre war er beim LC Brühl aktiv. Im Weitsprung schaffte er einen 7,20 Meter weiten Sprung – und gehörte damit einst zu den zehn besten Weitspringern des Landes. Nun setzt Kälin an, kommendes Jahr den Sprung zum höchsten Wiler zu machen. Denn er ist der designierte Präsident des Stadtparlaments.

Dabei gehört Kälin noch keine drei Jahre der Wiler Legislative an. Im Frühjahr 2018 rutschte der SP-Vertreter nach dem Rücktritt seiner Parteikollegin Marianne Mettler ins Parlament nach. Ursprünglich war geplant, dass Arber Bullakaj 2021 Wiler Parlamentspräsident wird. Da dieser aber vergangenes Jahr aus dem Stadtparlament zurückgetreten ist, stellte sich Christof Kälin zur Verfügung. Somit folgt im Amt des höchsten Wilers ein Pädagoge auf einen Pädagogen. Genau wie Noch-Parlamentspräsident Roland Bosshart (CVP) ist auch Christof Kälin fast das ganze Leben lang mit der Schule in Berührung.

Spät der SP beigetreten

Im ersten Jahrgang der Pädagogischen Hochschule hat Kälin diese absolviert. Danach zog es ihn von St. Gallen nach Wil. Das tat er just im Jahr 1985, was zufälligerweise einher geht mit der Gründung des Wiler Stadtparlaments. Nach rund zehnjähriger Lehrer-Tätigkeit an der Oberstufe Sonnenhof wechselte der heute 59-Jährige in den Lindenhof. Seit es dort die Sportschule gibt, unterrichtet er die Talente unter anderem im Bereich Sprachen. Der Politik wandte sich Kälin als knapp 50-Jähriger zu. Die Fusion von Bronschhofen und Wil stand damals bevor. Als Parteiloser schaffte er den Sprung ins Parlament 2012 aber genau so wenig wie 2016 als SP-Vertreter. Dafür machte er bei den Wahlen im September dieses Jahres am meisten Stimmen auf der SP-Liste. Doch warum der späte Partei-Beitritt? Immerhin war sein Vater einst Vizepräsident der Stadt-Sankt-Galler Sozialdemokraten und der Ur-Grossvater politisierte für die SP im Grossen Rat, wie der St. Galler Kantonsrat einst hiess. «Ich hatte immer schon die Nähe zur SP, habe mich im Leben aber zuerst um den Sport und dann um die Familie gekümmert. Die Tätigkeit als Stadtparlamentier erlebe ich nun als Bereicherung und sie macht mir grosse Freude», sagt Christof Kälin, der mit Evelyne verheiratet, Vater von zwei erwachsenen Söhnen ist und seit 17 Jahren in Bronschhofen wohnt.

Im Video: Christof Kälin antwortet auf drei Thesen

 

An der ersten Parlamentssitzung des neuen Jahres am 14. Januar wird der Oberstufenlehrer aller Voraussicht nach zum Parlamentspräsidenten gewählt. Ihm strebt eine «effiziente und qualitativ gute Führung der Sitzungen» vor. Er will sich diesbezüglich an Vorgänger Roland Bosshart orientieren, von dem er seit Herbst in die Aufgabe eingeführt worden ist. «Ich hoffe auf einvernehmlichere Töne als bisher, sachliche Voten und konstruktive Arbeit. Es gibt hoffentlich eine Entkrampfung des Verhältnisses zwischen dem Parlament und dem Stadtrat», sagt Kälin. In seinem Präsidialjahr soll auch aufgegleist werden, «in welche Richtung wir mit dieser Stadt wollen». Dabei soll auf das gemeinsame Ziel fokussiert werden, die Stadt Wil vorwärts zu bringen. Nur ein breiter Konsens führe zu nachhaltigen Lösungen.

Parlamentsfeier frühestens im Sommer

Als Oberstufenlehrer hat Kälin auch eine klare Haltung in der Kathi-Frage. «Es kann nicht sein, dass das Kathi öffentliche Gelder bekommt, aber eine Privatschule ist. Momentan zahlt die Stadt, ohne bei der Schule etwas zu sagen zu haben», sagt der designierte Parlamentspräsident. Aus seiner Sicht haben die anderen städtischen Oberstufen Lasten zu tragen, welche vom Kathi ausgelöst werden. Er spielt darauf an, dass sozial und finanziell bessergestellte Familien ihre Kinder nur noch ungern in den Lindenhof schickten und die Durchmischung der Gesellschaft leide.

Auf die Organisation der traditionellen Parlamentsfeier im Januar muss Christof Kälin verzichten. Die Corona-Situation lässt eine solche diesen Winter nicht zu. Je nach Verlauf der Pandemie wird die Feier im Frühsommer nachgeholt – womöglich zusammen mit dem Parlamentsausflug. Somit wird die erste Sitzung des Jahres eine ganz normale sein und Sachgeschäfte auf der Traktandenliste haben. Zum neuen Vizepräsidenten dürfte dann Klaus Rüdiger (SVP) gewählt werden, der per Jahresbeginn ins Parlament zurückkehrt und 2022 als höchster Wiler angedacht ist.

Das waren/sind die Wiler Parlamentspräsidenten:
2022: Klaus Rüdiger (SVP, designiert)
2021: Christof Kälin (SP, designiert)
2020: Roland Bosshart (CVP)
2019: Marc Flückiger (FDP)
2018: Luc Kauf (Grüne Prowil)
2017: Ursula Egli (SVP)
2016: Christa Grämiger (CVP)
2015: Adrian Bachmann (FDP)
2014: Silvia Ammann (SP)
2013: Michael Sarbach (Grüne Prowil)
2012: Erwin Schweizer (CVP)
2011: Mario Schmitt (SVP)
2010: Christof Gämperle (FDP)
2009: Dario Sulzer (SP
2008: Marcus Zunzer (CVP)
2007: Esther Spinas-Hensch (Grüne Prowil)
2006: Dorothee Zumstein (SVP)
2005: Norbert Hodel (FDP)
2004: Marianne Mettler Nick (SP)
2003: Susanne Hartmann (CVP)
2002: Alfred Rüegg (CVP)
2001: Roland Brütsch (FDP)
2000: Heiner Graf (CVP)
1999: Monika Paminger Müller (SP)
1998: Armin Eugster (CVP)
1997: Karin Keller-Sutter (FDP)
1996: Anton Spirig (CVP)
1995: Fritz Locher (Autopartei)
1994: Albert Kohler (CVP)
1993: Walter Hadorn (FDP)
1992: Tarzis Meyerhans (CVP)
1991: Christian Schmid (SP)
1990: Karl Josuran (FDP)
1989: Josef Hartmann (CVP)
1988: Hans Schück (SP)
1987: Albin Böhi (CVP)
1986: Elisabeth Roth (FDP)
1985: Peter Summermatter (CVP)