«Natürlich ist die Situation alles andere als schön und angenehm», sagt der gebürtige Flawiler Philipp Zürcher gegenüber hallowil.ch. Sein Haus an der Rehweidstrasse in Oberuzwil soll am 7. September versteigert werden. Dies, weil sein Familienunternehmen – die Travcon AG, die weltweit Charterflüge für Regierungsvertreter, Prominente und Geschäftsleute organisierte – Konkurs gegangen ist. Aber er wolle keine alte Geschichte wieder aufwärmen und schon gar keine Schuldzuweisungen gegenüber anderen machen. «Das bringt niemandem etwas», ist er überzeugt. Weder er noch seine Familie wollen, dass sie wieder unnötig in die Schlagzeilen geraten. Es solle Ruhe einkehren, gerade weil sich die Geschichte mit den Schulden der Regierung von Gabun seit April 2015 ziehe.

Rückblende: Dass Zürchers Familienunternehmen überhaupt Konkurs gegangen ist, dafür soll hauptsächlich der ehemalige Präsident Omar Bongo des zentralafrikanischen Staates Gabun verantwortlich sein. In der Zeit zwischen 2008 und 2010 ist der ehemalige Präsident Gabuns für mehrere Millionen Dollar um die Welt gejettet. Und ohne dafür vor seinem Ableben alle Rechnungen bezahlt zu haben. Deshalb ist die Travcon AG auf ihren Forderungen und Rechnungen, die sie aus eigener Tasche bezahlt hat, sitzengeblieben. «Und ja, wir sitzen noch heute auf diesen Rechnungen», bestätigt Zürcher auf Anfrage von hallowil.ch. Mittlerweile ist Bongo aber gestorben und in Gabun ist es zu einem Machtwechsel durch dessen Sohn Ali-Ben Bongo Ondimba gekommen. Der aber weigert sich, die Forderungen aus der Schweiz zu bezahlen. Das Problem schob er sofort zu seiner Schwester, die für die Reiseausgaben verantwortlich sein soll. Zürchers wiederholte Forderungen und der Gang zum Gericht haben bis heute nichts gebracht.

Mitten in Verhandlungen

«Unser Haus wird am 7. September hoffentlich nicht versteigert», zeigt sich Zürcher gegenüber hallowil.ch zuversichtlich. Er wolle nun nach vorne blicken und nicht immer über das Geschehene, das er sowieso nicht mehr beeinflussen könne, reden. So sind er und seine Familie aktiv daran, die Zwangsversteigerung des Hauses zu verhindern. «Wir haben auch schon Lösungen parat, die aber noch nicht spruchreif und deshalb nicht für die Öffentlichkeit sind», so Zürcher. Man stecke mitten in den Verhandlungen. Darin involvierte Personen dürfe und wolle er ebenfalls nicht erwähnen, um die laufenden Verhandlungen nicht negativ zu beeinflussen. Zürcher ist sich sicher, dass sich das Problem klären wird.

Das Haus sollte eigentlich schon am 27. Januar versteigert werden. Warum wurde die Zwangsversteigerung also um mehr als ein halbes Jahr verschoben? «Diese wurde nicht verschoben», erklärt Zürcher, «niemand wollte es kaufen». Und deshalb startet das Betreibungsamt einen zweiten Versuch.

Sanierung des alten Geschäfts

Auch zu seinen Zukunftsplänen möchte sich Zürcher nicht genau äussern. «Wir sind drauf und dran, die Firma nach Abschluss des Konkursverfahrens zu sanieren», erklärt er. Auch da seien Gespräche und Lösungsfindungen aktuell im Gang. Denn er glaubt an das Geschäftsmodell der Travcon AG und die Branche – trotz des sich stetig verändernden Marktes. Schliesslich war das Unternehmen, das im Jahr 2002 von Zürcher gegründet wurde, jahrelang erfolgreich. Und dass nicht nur als Organisatorin von Chartern, sondern auch als Vermittlerin beim Kauf- und Verkauf von Privatjets sowie Flughäfen. Deshalb zeigt sich Zürcher positiv, dass die Angelegenheit nach über fünf Jahren bald geklärt wird.

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Haus zur Versteigerung ausgeschrieben (1.7.)

Es kommt nicht oft vor, dass eine Liegenschaft unter den Hammer kommt. Es gibt verschiedene Gründe, warum es zu einer Zwangsversteigerung eines Wohnhauses kommt: Entweder musste der Besitzer beispielsweise Konkurs anmelden oder die Bank betreibt den Hausbesitzer, weil dieser seine Hypothekarzinsen nicht mehr bezahlen kann. Oder eine Liegenschaft wird einfach gepfändet. In der Regel sind solche Zwangsversteigerungen eine Chance für solche, die auf der Suche nach einem Schnäppchen-Grundstück sind. Denn bei einer sogenannten konkursamtlichen Versteigerung gibt es meistens keinen Mindestpreis. So bestimmen die potenziellen Käufer, wie tief das Startgebot ist. Anders sieht das Ganze bei Betreibungsobjekten aus: Da wird ein Startgebot festgelegt.

In Oberuzwil soll im Spätsommer eine Liegenschaft an der Rehweidstrasse 12 versteigert werden: Wer sich für ein Einfamilienhaus mit 193 Quadratmetern und eine Gartenanlage mit 1071 Quadratmetern sowie einem Wasserbecken interessiert, darf mitbieten. Denn die Versteigerung ist öffentlich, wie ein Inserat in der aktuellen Ausgabe des Oberuzwiler Mitteilungsblattes zeigt. Die Versteigerung findet im Feuerwehrdepot in Oberuzwil statt. Bereits rund einen Monat, genauer gesagt 27 Tage, zuvor kann das zu versteigernde Haus am 11. August um 14 Uhr besichtigt werden. «Aber nur auf telefonische Voranmeldung beim Betreibungsamt Oberuzwil», heisst es weiter. Die Steigerungsbedingungen sowie das Lastenverzeichnis samt Liegenschaftsbeschrieb sind zwischen 18. und 27. August im Büro des Betreibungsamtes Oberuzwil einsehbar.

Es handelt sich um ein Pfandverwertungsverfahren

Doch warum wird das Haus an der Rehweidstrasse 12 überhaupt versteigert? Das Betreibungsamt Oberuzwil darf gegenüber hallowil.ch nicht die genauen Gründe für diese Versteigerung nennen. Denn die Behören dürfen aus Daten- und Persönlichkeitsschutzgründen keine detaillierten Angaben machen. «Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, sind die öffentlichen Informationen auf die im Inserat publizierten Angaben beschränkt», sagt Nadine Preisig vom Betreibungsamt und Finanzverwaltung der Gemeinde. Laut dem Inserat im Mitteilungsblatt der Gemeinde Oberuzwil handelt es sich im Fall des betroffenen Gebäudes an der Rehweidstrasse 12 um ein sogenanntes Pfandverwertungsverfahren. Eine Pfandverwertung ist ein kürzeres und für den Gläubiger sichereres Verfahren. Dabei geht es bei dieser Art der Betreibung darum, dass sich der Gläubiger vom Schuldner ein Grundpfand als Sicherheit für seine Forderung geben lassen.

Anzahlung ist vor dem Zuschlag fällig

Interessierte müssen bei der Versteigerung am 7. September Bargeld oder einen Bankcheck dabei haben. Denn vor dem Zuschlag ist eine Anzahlung von 100'000 Franken nötig. Diese ist nach Angaben des veröffentlichten Inserats in bar oder mit einem auf einer Inlandbank an die Order des Betreibungsamtes Oberuzwil ausgestellten Bankcheck zu leisten. Das Objekt mit der Gartenanlage und dem Wasserbecken wurde vom Betreibungsamt auf einen Wert von 2,1 Millionen Franken geschätzt.