Die Corona-Krise kennt nicht nur Verlierer. Durch den wochenlangen Lockdown konnten in der Schweiz vor allem Hofläden profitieren. Einzelne Betreiber haben sogar einen regelrechten Ansturm erlebt. Dieser Boom war einerseits dem Trend, dass immer mehr Konsumenten wissen wollen, woher ihr Essen kommt, zu verdanken. Den Leuten behagt das Rustikale, Regionale und Nachhaltige. Sie wollen immer mehr zum Metzger, Käser, Gärtner und Landwirten um die Ecke. Andererseits ist den Konsumenten durch die Krise und die damit verbundenen geschlossenen Grenzen bewusst geworden, dass unzählige Lebensmittel durch ganz Europa chauffiert werden. Aber hält dieser Trend auch jetzt nach der grossen Corona-Krise?

Den Boom hat die Familie Fitze in Wil erlebt. Auf ihrem Hofberghof betreibt sie einen kleinen Selbstbedienungsladen mit ein paar wenigen Produkten. «Uns wurden die Eier unserer Legehennen regelrecht aus den Händen gerissen», sagt Sandra Fitze zu hallowil.ch. Die Landwirtin hat festgestellt, dass sich die Leute während des Lockdowns auch mehr an ihrem selbstgemachten Glacé bedient hatten. «Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass in der Stadt alles geschlossen war», mutmasst Fitze. Viele hätten bei einem Spaziergang zum Wiler Turm oder zurück in die Stadt einen Halt in ihrem Selbstbedienungsladen gemacht. 

In Bichwil gleich wie in Wil

Eine ähnliche Erfahrung hat die Familie Egli in ihrem Hofladen in Bichwil gemacht. «Wir haben festgestellt, dass während des Lockdowns vermehrt Leute unseren Laden besucht haben, die wir nicht kannten», sagt Vreni Egli. Ihrem Sohn Rolf Egli gehört der Hof Pfiffholdern. Sie selbst arbeitet dort in der Direktvermarktung. Dass der Hofladen in der Corona-Zeit mehr Kundschaft begrüssen durfte, erstaunt sie: «Wir sind etwas vom Dorf abgeschieden und auch nicht direkt an einer Hauptstrasse gelegen.» Ausserdem lebe ihr Hofladen vor allem von Stammkunden, welche die Familie bereits seit Jahren kenne. Besonders gut verkauft haben sich laut Egli Eier, selbstgemachte Würste und Mostbröckli. «Auch der Bedarf bei unseren Partnerläden, die unsere Produkte in ihrem Sortiment haben, ist in dieser Zeit stark angestiegen», sagt Egli. Man habe gemerkt, dass die Konsumenten die Menschenmassen bei den Grossverteilern umgehen wollten und deshalb mehr regionale Produkte im Direktvertrieb besorgt hätten. «Vielleicht liegt es auch daran, dass die Menschen in dieser Zeit mehr in der Natur unterwegs waren und so einzelne Hofläden entdeckt haben», sagt Egli.

Rückläufige Verkaufsmenge

Doch wie sieht die Verkaufsmenge seit der Lockerung aus dem Lockdown aus. «Wir verkaufen weniger als noch während des Lockdowns», stellt Fitze fest. Und die Wiler Landwirtin zieht noch eine weitere Bilanz: Obwohl die Verkaufszahlen nach dem grossen Lockdown zurückgegangen sind, sind sie aktuell besser als noch vor einem Jahr. Ob die Konsumenten, die beim Hofberghof vorbeischauen, bewusst auf regionale Produkte setzen, kann Fitze nicht sagen. «Ich habe nicht immer einen direkten Kontakt zu unseren Kunden und kenne deshalb ihre Beweggründe nicht», führt sie weiter aus. Aber sie könne sich vorstellen, dass aktuell mehr wie vergangenes Jahr verkauft werde, weil heuer die Bevölkerung eher zu Hause bleibt statt in den Ferien zu verreisen. «Besonders gut verkaufen sich aktuell Kirschen, Beeren und Ziegenmilch.» 

Auch die Familie Egli aus Bichwil stellt die gleiche Entwicklung fest. Laut Vreni Egli sind die Verkaufszahlen besonders seit den Grenzöffnungen wieder zurückgegangen. «Man merkt, dass die Leute wieder ins nahegelegene Ausland einkaufen gehen», führt sie weiter aus. Mittlerweile befinde sich der Bichwiler Hofladen wieder in einem Normalzustand. «Unsere treuen Stammkunden kommen noch immer – genau gleich wie vor der Corona-Krise», sagt Egli. Diese Kunden hätten bereits vor der Krise die regionalen Produkte und die Nachhaltigkeit unterstützt. Nur einzelne Neukunden von der Corona-Laufkundschaft würden den Weg zum Hof Pfiffholdern auch nach der grossen Krise finden. Für die Familie Egli sei diese Entwicklung seit den Lockdown-Lockerungen nicht tragisch. «Wir sind nicht dafür eingerichtet, über eine längere Zeit diese Menge an Produkten anbieten zu können», sagt Vreni Egli.

Bauernverband setzt auf Hofläden

Erst vor Kurzem teilte der Schweizer Bauernverband mit, dass er für den Direktvertrieb über Hofläden oder Wochenmärkte zusätzliches Marktpotenzial gibt. Denn im Direktvertrieb sieht der Verband «ein wertvolles Tor» zu den Kunden. Schliesslich schafft dieser eine Nähe sowie gegenseitiges Verständnis zwischen Produzenten und Konsumenten. Ein Grund, warum der Bauernverband nun verschiedene Betriebe im Direktvertrieb unterstützen möchte. So gibt es beispielsweise eine kostenfreie Internetplattform, mit der Produzenten ihr Angebot bekannt machen und Konsumenten Angebote in ihrer Region suchen können.