Er sei sozusagen das Bindeglied zwischen Architekt und Stiftungsrat, erläutert Ruedi Elser die Aufgabe, die ihn bei der kommenden Renovationsetappe des Hof zu Wil erwartet. «Dies ist eine spannende Aufgabe, auf die ich mich freue», betont der langjährige Altstadtbewohner.

Langjährige Praxiserfahrung

Gebäude mit langjähriger Geschichte haben den Wiler, der in diesem Jahr 66-jährig wird, schon seit seiner Jugend interessiert. Nach dem Architekturstudium hatte er in der Ostschweiz, und speziell in der Region Wil, immer wieder Gelegenheit, die Renovation von historischen Liegenschaften zu leiten. «Durch die Praxis bin ich immer mehr in das Thema hineingewachsen.»

Während vieler Jahre war er zudem in einem Kleinpensum Altstadtberater der Stadt Wil für Baufragen bei Gebäuden in der Wiler Altstadt. Er ist selber Eigentümer von zwei Liegenschaften im historischen Kern von Wil.

Kantonaler Amtsleiter

Schliesslich fand Ruedi Elser eine Anstellung in der Denkmalpflege des Kantons Thurgau. «Zwölf Jahre habe ich diese Tätigkeit ausgeübt, davon sechs Jahre als Amtsleiter.» Zu Beginn arbeite er in einem Teilpensum bei der Denkmalpflege und betrieb daneben sein eigenes Architekturbüro in Wil. Als er zum Amtsleiter ernannt wurde, gab er seine berufliche Selbständigkeit als Architekt auf.

Mit 64 Jahren liess sich der Vater zweier erwachsener Töchter pensionieren. Von Ruhestand kann man allerdings nicht sprechen, Ruedi Elser ist in verschiedenen Aufgabenfeldern engagiert. Er präsidiert den Trägerverein des Haus Otmar an der Mattstrasse in Wil. Dieses bietet sozial schwächeren Männern eine vorübergehende oder auch längerfristige betreute Unterkunft zu einem günstigen Preis. «Ursprünglich bin ich durch bauliche Fragen zu diesem Amt gekommen», erzählt Ruedi Elser.

Chällertheater

Um andere Themen geht es im Chällertheater, in dem er sich zusammen mit seiner Frau Christa engagiert. «Ich hatte schon immer Interesse an Kultur», sagt Ruedi Elser, der bei den Kleinkunstveranstaltungen im Baronenhaus gelegentlich hinter der Bar steht.

Ende des vergangenen Jahres informierte eine Medienmitteilung darüber, dass der Wiler Architekt künftig die Denkmal Stiftung Thurgau präsidiert. «Es wurde jemand gesucht, der für diese Aufgabe Zeit hat», kommentiert er seine Ernennung mit einem Schmunzeln. Elser war zuvor Mitglied im Stiftungsrat und kennt somit die Aufgaben, die auf ihn zukommen werden gut.

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Blick ins historische Bauteillager in Kradolf-Schönenberg (Foto: zVg) 


Historische Bauteile

Die Denkmal Stiftung Thurgau wurde 2004 gegründet, einerseits für den Betrieb des Lagers von historischen Bauteilen in Kradolf-Schönenberg. «Zuvor waren diese Baustoffe in Scheunen und verschiedenen weiteren Orten im Kanton Thurgau verstreut», erläutert der Bauexperte.

Zum anderen kümmert sich die Stiftung auch um den Erhalt und die Restauration von «bedrohten» historischen Liegenschaften im Thurgau. Dazu zählen etwa die Fischerhäuser in Romanshorn, die ursprünglich vor dem Verfall standen. Mittlerweile sind sie renoviert und können als «Ferien im Baudenkmal» gemietet werden. Die Nachfrage ist so gross, dass sie selbstragend sind.

Ehemaliger Gutshof

Eine möglichst hohe Eigenwirtschaftlichkeit wird auch beim Projekt «Freisitz Tägerschen» angestrebt. Die Denkmal Stiftung Thurgau hat die Liegenschaft 2013 im maroden Zustand von einer Privatperson erworben und sie so vor dem Abriss gerettet.

Durch Sanierung der Statik sowie des Daches wurde sie in einen verkaufsfähigen Zustand gebracht. Da die Verkaufsbemühungen nicht zum Erfolg führten, sind neue Ideen für eine eigenständige Nutzung gesucht und 2021 mit der Gründung eines Freundeskreis auch gefunden worden.

Die Liegenschaft Freisitz Tägerschen bleibt im Besitz der Denkmal Stiftung Thurgau. Der Freundeskreis wird die zukünftige Nutzung vorantreiben und die dafür erforderlichen baulichen und organisatorischen Massnahmen durchführen.

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Historische Kacheln und Ziegel  im Bauteillager der Stiftung Denkmal Thurgau (Foto: zVg) 


Altes Handwerk

In einem weiteren Schritt soll ein Haus für das hochwertige Handwerk, zum Arbeiten, Lernen, temporär Wohnen und für Veranstaltungen entstehen. Laut Ruedi Elser sollen darin etwa traditionelle Handwerkstechniken zum Erhalt und zum Unterhalt von historischen Liegenschaften vermittelt werden. Auch Atelier- oder Werkferien im Baudenkmal werden angeboten. Ein Ort, an dem intensiv künstlerischen und kunsthandwerklichen Projekten nachgegangen werden kann, ist als Vision angedacht.

Suche nach Beiträgen

Die Stiftung Denkmal Thurgau verfügt gemäss Ruedi Elser selber nur über beschränkte finanzielle Mittel, daher muss sie für ihre Projekte immer wieder private Gönner, Stiftungen sowie die öffentliche Hand für Unterstützungsbeiträge gewinnen.