Frau Hilber, welche persönlichen Erinnerungen haben Sie an den Hof zu Wil?

Mein Schulweg ins Kirchplatzschulhaus führte jeden Tag am Hof zu Wil vorbei. So erinnere ich mich an die Brauerei Stiefel, wo mit Pferdefuhrwerken Bier und geforene Eisstangen transportiert wurden. Das machte uns Kindern Eindruck. Mein Vater war jeden Dienstagnachmittag an der Käserbörse im Hof, mein Onkel gründete die damalige Hofgesellschaft als Zirkel von freidenkenden Intellektuellen. Von meinem Elternhaus am Nieselberg sahen wir den Hof zu Wil als markantes historisches und städtebauliches von Wil. Mich verbinden daher mit dem Hof zu Wil viele prägende Erinnerungen.

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Die ehemalige Regierungsrätin Kathrin Hilber präsidiert den Heimatschutz St. Gallen/Appenzell 

Hatten Sie in Ihrer Zeit als St. Galler regierungsrätliche Kulturministerin mit dem Thema Hof zu Wil zu tun, in welcher Form?

Der Lotteriefondsbeitrag für die letzte abgeschlossene Bauetappe wurde in meiner Amtszeit gesprochen. Der Hof zu Wil steht für eine spannende 800jährige Geschichte, die von den Fürstäbten geprägt wurde und Wil erst zur Äbtestadt machte. Mein Arbeitsplatz als Regierungsrätin lag in der Pfalz, nahe der ehemaligen Fürstabtei. Mein Bezug zu historischen Gebäuden fand jeden Tag statt und dies Freude und grosser Anerkennung für die kulturhistorischen Leistungen vor Jahrhunderten, aber auch in Dankbarkeit für alle Generationen vor uns, die deren Wert zu würdigen wussten und zu ihrer nachhaltigen Sicherung beitrugen.

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Bildquelle: wilnet

Sie sind Präsidentin des Heimatschutz St. Gallen/Appenzell. Dass der Hof zu Wil renoviert und anschliessend mit neuem öffentlichen Leben gefüllt wird, dürfte für Sie wohl eine grosse Freude und Genugtuung sein. Welche Bedeutung messen Sie der finalen Renovationsetappe des Hofs zu Wil aus Sicht des Heimastschutzes zu?

Ich kann nur sagen: Ein herzliches Dankeschön allen, die diese finale Renovation möglich machen! Als Präsidentin des Heimatschutzes würde ich mir da und dort diesen «Geist von Wil» wünschen, wenn aus Nichtwissen oder Desinteresse historische Bauten der Bauwut geopfert werden sollen.