Frau Mustafa, glauben Sie, dass es in der Schweiz noch immer Verbesserungsbedarf in der gesellschaftlichen Stellung von Frauen gibt?

Ich denke, dass es fast überall auf der Welt Verbesserungsbedarf in diesem Thema gibt – mal mehr, mal weniger. Konkret in der Schweiz, denke ich schon, dass es v.a. bei der Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen Nachholbedarf gibt. Ich kenne einige Frauen, die im oberen Management arbeiten und deutlich weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen mit fast identischer Laufbahn. Auch im Punkto Gewalt und Übergriffe gegenüber Frauen sollte meiner Meinung nach viel mehr getan werden.

Was müsste Ihrer Meinung nach konkret gesellschaftlich unternommen werden, um die Situation von Frauen zu verbessern?

In der Schweiz gibt es eine dynamische Gemeinschaft von Unternehmerinnen, Denkerinnen und Schöpferinnen, die eine neue Generation von Frauen dazu inspirieren, auf eigene Art und Weise aktiv zu werden und zu handeln. Dies sollte weiter gefördert und ausgebaut werden.

Gab es in Ihrem Leben Situationen, in denen Sie sich als Frau diskriminiert gefühlt haben?

Ja, klar! Es gab da mal eine Situation, als ich in meiner Ausbildung einem Kunden etwas über seinen Lieferwagen erklären wollte. Da sagte der prompt: «Ihr Frauen kommt eh nicht draus, ich brauche einen Mann». Dieser «Mann» erklärte ihm dann aber genau das gleiche wie ich.

Engagieren Sie persönlich in irgendeiner Weise für die Situation von Frauen?

Im Moment leider nicht – da das Studium sowie die Arbeit einen grossen Teil meines Alltags einnehmen. Aber ich würde mich sehr gerne dafür engagieren – wer weiss, vielleicht ist genau dieses Interview der Anstoss dafür.

Zur Person:

Die 25-jährige Emire Mustafa ist Gründerin sowie Administratorin der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Wil wenn…» mit knapp 6700 Mitgliedern. Sie arbeitet als Digital Marketing Managerin bei localsearch (Swisscom Directories AG) und beendet diesen Monat ihren Master in Business Administration mit Vertiefung Digital Marketing und Marktpsychologie