Vor über einem Jahr wurden in den Wäldern Wils Tafeln aufgestellt, die auf die Problematik der illegalen Biketrails hinweisen. «Wir haben in Zusammenarbeit mit der Stadt auf Sensibilisierung gesetzt», sagt Renaldo Vanzo, Revierförster des Forstbetriebs Ortsgemeinde Wil. Gebracht habe diese Strategie wenig. Gerade während des Lockdowns waren mehr Biker als sonst im Wald unterwegs. «Corona hat die Problematik noch zugespitzt», sagt der Förster.

Mountainbiker, die abseits der erlaubten Wege und Strassen auf immer neuen Routen durch den Wald fahren, stellen ein Problem für Waldtiere dar. So werden beispielsweise Rehe zu belastenden Fluchten aufgeschreckt, aber auch brütende Vögel werden gestört. Illegale Biketrails würden dazu beitragen, dass der Wald als Lebensraum für Tiere unberechenbar wird und sie daraus verdrängt werden. Vanzo, der von sich sagt, selber gerne auf dem Bike zu sein, will den Mountainbikern aber nicht alleine die Schuld zuschieben. Er sieht ein generelles Problem im Verhältnis der Gesellschaft zum Wald.

Künstliche Hindernisse helfen nicht

Vor allem im Gebiet Nieselberg schiessen immer wieder neue Bikewege aus dem Boden, etwa oberhalb des Bauernhofs Nägeli östlich des Spitals. Auch Schanzen habe er schon weggeräumt, sagt Vanzo. Abgesehen von speziellen Biketrail-Angeboten – meistens etwas weiter weg – ist das Biken per Gesetz nur auf klassierten Wegen und Strassen von mehr als zwei Metern Breite erlaubt. Doch wie entsteht ein illegaler Biketrail überhaupt? «Oft entstehen die Trails auf Wildwechseln», sagt Vanzo; also auf Pfaden, entlang denen die Tiere sich im Wald bewegen. Auf dieser Art Trampelpfaden sei die Vegetation meistens bereits zurückgegangen, «dann führt eines zum anderen». 

Die Freizeitsportler scheinen hartnäckig zu sein. Während der Winterstürme Anfang Jahr sei einmal ein Wurzelstock mitten auf einen Trail gefallen. Vanzo erinnert sich: «Der Weg war völlig unpassierbar. Aber schon ein paar Tage später führte ein neuer Weg um den Wurzelstock herum.» Die Ortsgemeinde selbst habe es auch schon mit Asthaufen auf den Trails versucht. Doch auch die künstlichen Hindernisse verfehlten ihre Wirkung.

Förster fordert kantonsweite Strategie

Das Thema wird auch auf Kantonsebene behandelt. In Waldkirch läuft seit 2019 ein Test des Kantons St. Gallen, bei dem Biker auf Abwegen gebüsst werden. Polizisten, die im Wald patroullieren: Könnte es das auch in Wil bald geben? Derzeit sei das noch kein Thema, sagt Vanzo, fügt aber hinzu, dass es irgendwann auch hier darauf hinauslaufen könnte. «Es braucht im ganzen Kanton eine einheitliche Strategie und eine rechtliche Handhabe», sagt Vanzo.