Heutzutage wird der Wiler Tüüfesbrauch von Gross und Klein gelebt. In der Anfangszeit waren nur Männer in der entsprechenden Verkleidung unterwegs und jagten die Kinder durch die Gassen. Diese deckten die dämonischen Gestalten mit Spottversen wie «Häriri, Häroro, hät hine und vorne Röleli a» und «Häx pudex, gang hei und sägs dä alte Häx» ein.

Ursprünge in biblischen Themen

Wie angenommen wird, hat der Wiler Tüüfelsbrauch seine Ursprünge im Mittelalter. Damals wurden zentrale Themen des Christentums in sogenannten Mysterienspielen dargestellt. Dabei waren auch die Versuchungen des Teufels ein Thema.

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Im ehemaligen Wiler Rathaus neben dem Baronenhaus musste der Wiler Rat das ausuferende Fastnachtreiben immer mal wieder in die Schranken weisen. 

Das Tüüfelstreiben uferte jedoch so sehr aus, dass der Wiler Rat 1595 ein Machtwort sprechen musste. In einem Mandat rügte er Personen, die gemäss Protokoll ihre menschlich Vernunft verleugnen, sich viehisch gebärden, singen, springe , toben, wüten und tanzen.

Bald darauf verbot der Rat die Fastnachtsbräuche ganz. Doch der Drang zur Ausgelassenheit schien bei manchen Wilern so gross, dass sie sich über das Verbot hinwegsetzten. In den Aufzeichnungen sind zahlreiche Bussen wegen Maskentreibens vermerkt.

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Historisches Wiler Teufelskostüm. 


In Wasser tauchen

Neben dem Toben und Tanzen in Verkleidung, wurden in Wil zur Fastnachtszeit weitere Bräuche gepflegt. Dazu gehört das gegenseitige Fangen und in einen Brunnen werfen. 1545 beschloss der Rat, dass dieses Fastnachtspiel nach dem Aschermittwoch nicht mehr ausgeübt werden dürfe.

Im Weiteren wurde in der närrischen Zeit in manchen Haushalten Küchlein gebacken, die von anderen Personen erbettelt oder gar auch der Küche gestohlen wurden. Dies führte immer wieder zu Konflikten. Deshalb verbot der Rat 1545 das «Küchleinholen».

Zudem forderte er die Bevölkerung auf, die Küchentüren verschlossen zu halten. Das Verbot der Obrigkeit zeigte wenig nachhaltige Wirkung, denn in späteren Jahren musste der Rat gemäss Protokoll das Gebäck-Stibitzen immer mal wieder verbieten.

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Rückseite des Wiler Teufelskostüms. 


Kein Feuer, keine Musik

Das traditionelle Verbrennen des Nörgli kannte man bereits im Mittelalter, allerdings in etwas anderer Form, als sogenanntes Fastnachtsfeuer oder Gregorifeuer. Dafür konnte sich der Wiler Rat kaum erwärmen, 1646 sprach er ein Verbot aus. Der Brauch wurde dennoch weiter gepflegt. Die lodernden Flammen wurden damals von den Klängen von Trommeln, Geigen und Pfeifen begleitet. Zudem wurde getanzt. 1595 verbot der Rat diese Begleitung - ebenfalls ohne Erfolg.

Rituell das Leben erneuern

Die Ursprünge dieser alten Fastnachtsbräuche sind nicht restlos bekannt. Die Historikerin Dr. Magdalen Bless-Grabher bringt sie mit vorchristlichen Riten des Austreibens des Winter und der Aufweckung der Vegetation in Verbindung. Bräuche mit Feuer, mit Wasser sowie von Gaben heischen oder stehlen findet man in zahlreichen Kulturen als Ritus der regelmässigen Erneuerung.



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Die Ursprünge des Tüüfelsbrauchs sowie das Entfachen eines Feuers reichen weit in die Geschichte der Stadt zurück. 

Vorräte aufbrauchen

In Verbindung mit dem Christentum soll die Fastnacht auf die Fastenzeit einstimmen, in der Genuss von Alkohol, Fleisch und Eiern sowie Sex verboten waren.

In vergangenen Zeiten wurden zur Fastnachtzeit entsprechende Vorräte an Fleisch, Eiern und Fett aufgebraucht; Schmutz ist ein alter Begriff für Fett, daraus ist der Schmutzige Donnerstag entstanden. Ebenso wurde nochmals kräftig dem Alkohol, dem Tanz und den Lustbarkeiten zugesprochen, bevor dann mit dem Aschermittwoch die vierzigtätige Zeit des Verzichts und der inneren Einkehr begann.

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In historischen Fastnachtumzügen wurde symbolisch auch die  Fastenzeit mitgeführt. 


Letzte Genüsse 

Am Aschermittwoch erhalten die Gläubigen traditionell ein Kreuz aus der Asche der geweihten Zweige vom vorjährigen Palmsonntag auf die Stirne gezeichnet. In Wil wurde am Aschermittwoch noch ein letztes Mal in Wirthäusern und Privathaushalten herzhaft getafelt, bis der Rat 1545 diese geselligen Zusammenkünfte bei Speis und Trank verbot.