Sie haben nach 22 als Gemeindepräsident Ihren Rücktritt bekannt gegeben. Sie werden dann 62 Jahre alt sein. Einige Politiker sind über das Pensionsalter hinaus im Amt tätig. Kam es für Sie nie in Frage, weiterzumachen?

Irgendwann im Alter zwischen 50 und 60 Jahren reifte der Entscheid für einen Rücktritt vor dem Pensionsalter. Ich habe immer gesagt, dass ich nach dem Gemeindepräsidium noch fit sein möchte, um meine Hobbies – insbesondere das Bergsteigen – noch lange geniessen zu können. Das ist jetzt noch der Fall, sodass ich noch viele schöne Touren machen kann.

Sie haben die Gemeinde in vielerlei Hinsicht geprägt. Die Bevölkerungszahl stieg von 3'000 auf fast 4'000 Personen. Wie hat sich Ihre Arbeit in all den Jahren entwickelt? Was ist heute beispielsweise gang und gäbe, was vor einigen Jahren noch unvorstellbar war?

Im Rückblick scheint mir, dass die Prozesse immer komplizierter wurden und die Kommunikation immer schneller wurde. Trotz der Digitalisierung brauchen wir für konkrete Ergebnisse meistens länger, weil die Gesetzgebung immer bürokratischer geworden ist. Die Bürger haben weniger Verständnis für die Gesetzgebung von Bund und Kanton, obwohl sie selber die Entscheide an der Urne fällen. Man überfordert den Staat, weil man meint, der Staat könne eine Vollkasko-Versicherung für alle Lebenslagen bieten – und er könne jedes Problem mit staatlichen Eingriffen lösen. Eigeninitiative wäre besser.

Und wie ist es im anderen Fall: Was war bei Ihrem Amtseintritt noch völlig legitim, was heute so nicht mehr möglich wäre?

Früher konnte der Gemeinderat einen Teilzonenplan, einen Sondernutzungsplan oder einen Teilstrassenplan in eigener Kompetenz beurteilen und erlassen. Der Kanton hat diese Erlasse nur formell geprüft. Heute beurteilt der Kanton viel mehr materiell, das heisst, die Gemeindeautonomie hat er im Raumplanungsbereich faktisch abgeschafft. Beispielsweise beurteilt eine «Fachkommission Städtebau» unsere Planungen. Dabei müssen doch wir vor Ort mit unserer Bevölkerung wissen, was für unsere Dörfer richtig ist – und nicht eine Kommission in St.Gallen.

Als Gemeindepräsident steht man immer im Fokus – mit allen Vor- und Nachteilen. Natürlich kann man es nie allen Recht machen. Wie gehen Sie damit um?

Ich habe eine dicke Haut und konnte immer damit leben, dass einige Einwohner eine andere Ansicht haben. Immer wieder muss man aber erwähnen, dass es Entscheide des Gemeinderates und nicht des einzelnen Gemeindepräsidenten sind.

Womit haben Sie mehr zu kämpfen: Wenn die Kritik gerechtfertigt ist oder eben nicht?

Wenn die Kritik gerechtfertigt ist, dann haben wir ein Geschäft im Vorfeld zu wenig zu Ende gedacht. Das kommt durchaus vor – und hinterher ist man dann klüger. Das kann ich gut akzeptieren. Auf ungerechtfertigte Kritik gehe ich meistens nicht ein.

Wenn Sie zurückblicken: Welches Geschäft hat Sie am meisten geprägt?

Der Neubau des Schulhauses Schwarzenbach hat mich 14 Jahre lang beschäftigt. Der Weg zu diesem Neubau musste gut überlegt sein, um eine Mehrheit für diese Investition zu gewinnen. Am intensivsten ist aber die Arbeit in allen regionalen Gremien, welche enorm vielseitig und interessant ist. Ohne diese regionalen Gremien und eine sehr kameradschaftliche Zusammenarbeit unter den Gemeindepräsidenten/innen würden die Gemeinden nicht gut funktionieren.

Wie schwer – oder eben nicht – fällt es Ihnen, einen Schritt zurückzutreten und einem NachfolgerIn Platz zu machen?

Ich freue mich darauf, den Zeit- und Termindruck nicht mehr zu haben. Der Rücktritt ist deshalb kein Problem.

Mit Blick in die Zukunft: Worin sehen Sie das meiste Potenzial für Ihre Gemeinde?

Wir werden wohl noch ein gewisses Bevölkerungswachstum haben, sodass wir schlussendlich optimale Strukturen bei der Anzahl Schüler und unseren Schulbauten haben. Bei 3'000 Einwohnern wäre dies klar nicht der Fall. Wir werden weiterhin eine attraktive Gemeinde zwischen Wil und Uzwil sein mit guter Wohnlage, guten Verkehrsverbindungen, einer guten Schule, hoffentlich weiterhin aktiven Vereinen und nach neun Senkungen auch einem attraktiven Steuerfuss. Wir müssen allerdings unsere Strukturen in den Räten miliztauglich halten und in der Verwaltung genügend Professionalität für die Gemeinde-Dienstleistungen anbieten. Dazu ist beispielsweise ein neues Gemeindehaus nötig.

Sie haben angetönt, auch nachher das eine oder andere Amt beizubehalten. Wissen Sie da bereits mehr? Oder haben Sie einige Wunschvorstellungen?

Ich habe drei Aufgaben, welche mich nach dem Rücktritt ziemlich ausfüllen werden: Das sind das Präsidium der kantonal st.gallischen Wanderwege und der Solargenossenschaft Jonschwil-Schwarzenbach. Die zeitraubendste Aufgabe wird die Leitung einer Stiftung sein, die in Peru ein Bergdorf unterstützt. Dazu bin ich derzeit am Spanisch lernen.

Was wünschen Sie Ihrem NachfolgerIn?

Dass sie oder er sich gut in die Strukturen des Rates, der Gemeindeverwaltung und der regionalen Organisationen einarbeitet und diesen herausfordernden Spagat mit Freude und Elan hinkriegt. Ich wünsche ihr oder ihm auch gute Gesundheit und Energie.