Es ist eines der bestbesuchten Museen des Landes: das Swissminiatur in Melide im Tessin. Seit dem Jahr 1959 ist dort die Schweiz im Kleinformat dargestellt. Seit dem Jahr 2012 gehört auch die Wiler Altstadt dazu – oder zumindest der bekannteste Teil davon. Die Idee hatte Ruedi Schär, der persönlich eng mit dem Hof zu Wil verbunden ist und jeden Winkel des geschichtsträchtigen Gebäudes in- und auswendig kennt. Mindestens der Hof und das Schnetztor sollten nachgebaut werden, so seine Idee.

Und siehe da: Dies stiess im Tessin auf offene Ohren. «Ein französischer Architekt des Swissminiatur-Parks kam nach Wil und schaute sich alles an. Er wollte den Hof samt Gerichtshaus und Baronenhaus nachbauen», erinnerte sich Schär. Allerdings war dazu in Wil das nötige Kleingeld aufzutreiben. Die Ortsbürger, der Verein Wil Tourismus und die Stadt Wil beteiligten sich. Als die Wiler Nationalrätin Barbara Gysi – in der Altstadt wohnhaft – Wind von diesem Vorhaben bekam, wollte sie, dass der Nachbau im Miniatur-Format bis zu «ihrem» grünen Haus verlängert wird. Da sie sich finanziell beteiligte, wurde dies Tatsache.

Im Video: Die Wiler Altstadt im Miniatur-Format

 

Stadtpräsident bei der Einweihung dabei

Gebaut wurde die Miniatur-Altstadt Wils im Tessin. Denn im höchsten Berg des Swissminiatur-Parks befindet sich die Werkstatt, in welcher alles entsteht und geflickt wird. Wiederholt mussten Fotos aus dem echten Wil nachgereicht werden. So zum Beispiel von der Terrasse, damit der Miniatur-Hof so echt wie möglich aussieht. Und so kommt es, dass der kleine Hof im Tessin die schönere Fassade hat als der echte in der Äbtestadt. Dies soll sich mit der dritten Sanierungsetappe des Originals, welche bereits geplant ist, ändern.

Seit 2012 steht der Hof zu Wil mit seinen angrenzenden Häusern in Melide und macht «gute Werbung», wie Schär findet. Und das für mindestens 20 Jahre. Solange wurde das Gastrecht erkauft. Danach kann der Vertrag verlängert werden. Als der Hof in Melide vor acht Jahren feierlich eingeweiht wurde, liess sich auch der damalige Stadtpräsident Bruno Gähwiler nicht von einer Reise ins Sottoceneri abhalten. «Es war ein richtig lustiger Ausflug», erinnert sich Schär zurück.

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Echt oder Miniatur-Format? Man muss schon zweimal hinsehen.


Das versetzte Baronenhaus

Doch etwas fällt dem geneigten Betrachter auf: Das Baronenhaus steht nicht so da wie in Wirklichkeit, sondern etwas versetzt. Ein Fehler des Architekten? «Das wurde bewusst gemacht, damit man besser in die Kirchgasse sehen kann», sagt Schär.

Wer den Hof zu Wil in Melide besichtigen will: Trotz Corona-Restriktionen hat das Swissminiatur dieses Jahr noch bis zum 1. November täglich von 9 Uhr bis 18 Uhr geöffnet.