«Für mich ist es eine Ehre», sagt Sebastian Koller gegenüber hallowil.ch, «dieses Jahr der Wiler Nörgeli sein zu dürfen.» Der Stadtparlamentarier wollte das Feuerwerk in der Stadt Wil auf juristischem Weg eindämmen und wurde nun selbst verbrannt. Koller, Jahrgang 1988, gehört seit 2010 für die Jung-Grünen und nun die Grünen dem Wiler Stadtparlament an. Er ist Tierarzt und Jurist. Letzteres zeigt sich immer wieder, da Koller gerne vor Gericht zieht, um Dinge zu regeln. So zum Beispiel in der Kathi-Frage, bei der Diskussion um eine Beiz am Wiler Stadtweier oder wenn es um die Leinen-Pflicht für Hunde geht, um nur einige Beispiele zu nennen. In eben dieser Thematik hat Koller just am Fastnachts-Freitag das Urteil bekannt gemacht. Es ist nicht nach einem Geschmack und die Tiere müssen an die Leine. «Skandalös und empörend», findet er.

Passender könnte der Zeitpunkt der Bekanntgabe des Urteils also nicht sein. Denn seit Sonntagnachmittag ist Koller eben der Nörgeli der Wiler Fastnacht. Alle zwei Jahre wird diese «Ehre» einer Person zuteil, die für Aufsehen gesorgt und immer wieder genörgelt hat. Als Dank wird eine nachgebaute Person am Fastnachts-Umzug vor x-tausenden Zuschauern zur Schau gestellt und dann schliesslich auf dem Bleicheplatz verbrannt. Koller ist somit Nachfolger des Gesamtstadtrates, der 2018 den Flammen zum Opfer gefallen war. «Sebastian Koller hat sich irgendwie aufgedrängt, den Titel Nörgeli heuer zu bekommen», erklärt Oliver Baumgartner, Präsident der Fastnachtsgesellschaft Wil (FGW), «schliesslich hat er vergangenes Jahr mehr als einmal genörgelt.»

 
Nörgeli Sebastian Koller am Wiler Fastnachtsumzug. Video: Magdalena Ceak

Für Koller ist es kein Problem, dass er am Sonntagnachmittag so zur Schau gestellt wurde. So war der Tierarzt und Jurist vor Ort und zündete sich nach dem Fastnachtsumzug auf dem Bleicheplatz gleich selbst an und schaute zu, wie seine Nörgeli-Figur in Flammen aufgeht. «Wenn man in der Öffentlichkeit steht, dann muss man auch damit rechnen, dass nicht jeder Person das gutheisst, was man macht.» Dass er der diesjährige Nörgeli ist, habe er am Sonntagmittag kurz vor dem Umzug erfahren. Deshalb sei er auch nicht beleidigt, den negativen Titel Nörgeli tragen zu müssen. «Für mich ist das ein Leistungsnachweis», so Koller. Jetzt wisse er, dass seine Arbeit wahrgenommen werde und er mit ihr etwas bewirke. Ausserdem fühle er sich geehrt, der bisher jüngste Nörgeli sein zu dürfen. 

 
Hier wird der Nörgeli verbrannt. Video: Magdalena Ceak

Rund 16 000 Besucher am Umzug

FGW-Präsident Baumgartner zieht eine sehr positive Bilanz zu den diesjährigen Fastnachtstagen. Sämtliche Veranstaltungen wie der Gümpelimittwoch, der Kindermaskenball, der Hofnarrenball, das Monsterkonzert und als Höhepunkt der Fastnachtsumzug seien sehr gut besucht gewesen. Baumgartner redet sogar von einer «sensationellen Fastnacht». «Dieses Jahr hatten wir rund 16 000 Besucher alleine am Umzug», so Baumgartner, der sich in seiner achtjährigen Amtsjahr als Präsident nicht erinnern kann, so viele Menschen am Umzug gesehen zu haben. Für ihn sei dies definitiv ein krönender Abschluss gewesen, schliesslich legt er im Mai sein Amt als höchster Wiler Fastnächtlicher ab. «Natürlich wurde mir während des Umzugs bewusst, dass es jetzt war.» Mit einem weinenden, aber auch mit einem lachenden Auge werde er nun seine Position weitergeben. Denn er werde dem Verein weiterhin erhalten bleiben. «Ich bin überzeugt, dass es auch eine gute Nachfolge geben wird», so Baumgartner.

«Obwohl wir mit dem Umzug sehr zufrieden sind», sagt Baumgartner, «gibt es trotzdem noch Verbesserungspotenzial.» Heuer seinen 15 Umzugsgruppen und -wagen nicht zugelassen worden. «Der Umzug darf trotzdem noch etwas kürzer werden», findet er. Deshalb werde die FGW in Zukunft noch mehr auf die Kreativität und Qualität der Gruppen achten. «Es gibt noch immer einzelne Gruppen, die einfach nur laute Musik abspielen», meint Baumgartner. 

 
Video: Thomas Lemmenmeier