Dieses Ergebnis darf mit Fug und Recht als Glanzresultat bezeichnet werden. Nadja Stricker schaffte die Wahl ins Münchwiler Gemeindepräsidium am Sonntag mit 857 von 924 massgebenden Stimmen. Das Absolute Mehr von 463 übertraf sie diskussionslos. 85 Stimmzettel wurden leer abgegeben, auf deren 67 standen andere Namen. Die Stimmbeteiligung lag bei 29.4 Prozent – ein eher tiefer Wert.

Das deutliche Ergebnis kommt nicht überraschend. Im Rennen um die Nachfolge von Noch-Gemeindepräsident Guido Grütter (FDP) hatte es keine Gegenkandidaturen gegeben und alle Ortsparteien hatten sich hinter Nadja Stricker gestellt. Die 47-Jährige, welche seit knapp neun Jahren Gemeindeschreiberin von Rickenbach ist und zuvor Journalistin war, wird ihr Amt am 1. Juni dieses Jahres antreten. Die Mutter einer 18-jährigen Tochter gehört der FDP an – und seit gut viereinhalb Jahren auch dem Münchwiler Gemeinderat. Sie betreut das Ressort Finanzen und Gesundheit. Somit wird eine Ersatzwahl für jenen Sitz im Münchwiler Gemeinderat fällig, den Stricker nun freigibt.

Die Wahl von Nadja Stricker hat eine historische Komponente: Sie wird die erste Gemeindepräsidentin in der Geschichte des Hinterthurgaus sein.

Im Video: «Müssen mehr miteinander reden»

 
Die neue Münchwiler Gemeindepräsidentin Nadja Stricker sagt im hallowil.ch-Interview, wie das Vertrauen zwischen Bevölkerung und Gemeinderat wieder hergestellt werden soll.

Bezirksgericht Münchwilen: Eine Frage bleibt

Bei den Erneuerungswahlen für das Bezirksgericht Münchwilen sind nach diesem Wahlsonntag noch nicht alle Fragen beantwortet. Bei den Berufsrichtern überboten zwar die beiden «Bisherigen» Nina Schüler-Widmer (6143 Stimmen) und Cornel Inauen (5676 Stimmen) das Absolute Mehr von 3041 deutlich. Jedoch lehnte Inauen die Wahl ab. Hintergrund: Der SVP-Mann war im Januar vom Grossen Rat ans Thurgauer Obergericht berufen worden. Die Wahlvorschläge für das Bezirksgericht Münchwilen waren zu jenem Zeitpunkt schon gemacht. Es kommt nun am 15. März zu einem zweiten Wahlgang. Für diesen hat die Hinterthurgauer SVP Stefan Miori nominiert.

Präsident des Bezirksgerichts Münchwilen bleibt Alex Frei. Der Eschliker machte 6450 Stimmen und überbot das Absolute Mehr von 3360 mehr als nur deutlich.

Bei der Wahl von vier nebenamtlichen Richtern ist die Entscheidung ebenfalls gefallen. Als einzige «Bisherige» trat Sabina Peter Köstli wieder an. Sie machte 5362 Stimmen und wurde klar wiedergewählt. Um die restlichen drei Mandate buhlten sechs Personen. Das Absolute Mehr von 3141 Stimmen überboten Andreas Breitenmoser (4240 Stimmen), Stephan Metzger (3709 Stimmen) und Susanna R. Koller Brunner (3236 Stimmen). Sie alle sind gewählt. Die Wahl und das Absolute Mehr verpasst haben Alfred Grimm (3094 Stimmen), Alexander Sigg (2893 Stimmen) und Matthias Kreier (2283 Stimmen).

Alle klar auch bei der Wahl von drei Ersatzmitgliedern. Alle vier Kandidaten überboten das Absolute Mehr von 3016 Stimmen. Gewählt wurden schliesslich Simone Ender-Truninger (5473 Stimmen), Simon Wetter (5351 Stimmen) und Yvonne Koller-Zumsteg (3632 Stimmen). Überzählig und somit nicht gewählt ist Simon Frey (3391 Stimmen).

Gemeinderat Tobel-Tägerschen wieder komplett 

Martin Sträuli ist neuer Gemeinderat von Tobel-Tägerschen und somit Nachfolger des zurückgetretenen Andreas Eggenberger. Er setzte sich am Sonntag an der Urne deutlich gegen seinen Herausforderer Patrick Schmid durch. Von 317 massgebenden Stimmen entfielen 224 auf Sträuli und nur 89 auf Schmid. Das Absolute Mehr von 159 Stimmen wurde deutlich übertroffen. Die Stimmbeteiligung lag bei 36 Prozent. Gewählt wurde somit der Abteilungsleiter des Betreibungsamtes Bezirk Münchwilen. Aus seiner Sicht sind die Finanzen ein «zentraler Nerv» jeder Gemeinde. Auch Tobel-Tägerschen solle achtsam damit umgehen.

14 Gemeinden gegen das Diskriminierungsverbot

In den drei einwohnermässig grössten Gemeinden der Region Wil gab es zwar keine kommunalen Abstimmungen. Interessant ist aber, wie bei den bei den beiden nationalen und der kantonalen Vorlagen abgestimmt wurde. Wil, Uzwil und Flawil sind sich durchs Band einig. Alle drei Gemeinden sagen Nein zur Initiative für mehr bezahlbare Wohnungen. In Wil liegt der Nein-Anteil bei 61,9 Prozent, in Uzwil bei 64,3 Prozent und in Flawil bei 64,1 Prozent. Alle Gemeinden der Wahlkreise Wil und Toggenburg sowie des Bezirks Münchwilen waren dagegen. National scheiterte die Initiative am Ständemehr.

Die Region liegt damit genau so im nationalen Trend wie bei der Abstimmung zum Diskriminierungsverbot. Wil, Uzwil und Flawil stimmten diesbezüglich deutlich zu: Wil mit 58,3 Prozent, Uzwil mit 56,5 Prozent und Flawil mit 55,2 Prozent. Gleich 14 Gemeinden der Region Wil waren allerdings dagegen: Jonnschwil mit 50,6 Prozent, Braunau mit 51,3 Prozent, Sirnach mit 51,8 Prozent, Fischingen mit 52,4 Prozent, Rickenbach mit 53,3 Prozent, Wängi mit 53,7 Prozent, Oberbüren mit 54,3 Prozent, Lütisburg mit 55,3 Prozent, Wuppenau mit 55,3 Prozent Bettwiesen mit 55,6 Prozent, Tobel-Tägerschen mit 55,6 Prozent und Bütschwil-Ganterschwil mit 56,5 Prozent. Gar ein wuchtiges Nein gab es in Lommis mit 61,5 Prozent und in Niederbüren mit 62,8 Prozent. Die Kantone St. Gallen und Thurgau nahmen das Diskriminierungsverbot aber trotzdem an - genau wie das Schweizer Volk.

Knapper war es, wie im ganzen Kanton St. Gallen, bei der kantonalen Vorlage «Behördenlöhne vors Volk». Diese wollte, dass die Löhne der Behördenmitglieder künftig einzeln aufgelistet werden. Wil, Uzwil und Flawil lehnen die Initiative alle ab. Wil mit 54,7 Prozent, Uzwil hauchdünn mit 50,15 Prozent und Flawil deutlicher mit 54,2 Prozent. Als einzige Gemeinde im Wahlkreis Wil hat Oberbüren zugestimmt, mit 51,5 Prozent. Kantonal resultierte ein Nein-Anteil von rund 53 Prozent.