Der Anlass des Glaubensseminars unter der Organisation von Pater Peter Suffel, Seelsorger der Pfarrei Wil, galt der Einstimmung auf die österliche Busszeit. Bereits zum dritten Mal referierte der bekannte deutschen Autor Gotthard Fuchs aus Wiesbanden, unter anderem über 13 Jahre Ordinariatsrat im Bistum Limburg für Kultur und Wissenschaft».

Post inside
Peter Suffel, Seelsorger der Pfarrei Wil (links) organisierte das Seminar mit Gotthard Fuchs aus Wiesbaden. Bild nj

Gott wieder ins Zentrum stellen

Als wichtigste Sinngaben des Lebens forderte der Referent Umkehr und Vergebung. Es gehe um die Mitte des Glaubens. Auch als Kirche sei Umkehr gefordert, weil zu viel verstellt und missbraucht ablaufe. Es gehe nie um Kirche, sondern um einen Gott aller Menschen. Zu sehr werde in Gott ein Wunschbild projiziert, als eine hohe Persönlichkeit. So setze bald Enttäuschung ein, weil dieser Gott nicht imponiere. Die Folge: «Gott ist uns abhanden gekommen».

Gotthard Fuchs stellte die Frage ans Publikum: «Was tue ich, wenn ich Gott sage?». Gottes Anwesenheit ist im Raum, im Atem. Wir könnten uns seit der österlichen Auferstehung Gottes real in Gott befinden. Aus diesem Verständnis heraus zitierte Fuchs die Formel: «1+1=3», weil von Mensch zu Mensch immer etwas dazwischen sei (Gott). Das Christsein beschrieb der Referent als Vorliebe zu Jesus, weil in dieser jüdischen Gestalt der Bund mit Gott geschlossen wurde. Gott wollte sich in Jesus begreiflich machen, ja er hungere buchstäblich nach uns. Dazu zitierte der Referent einen Mystiker: «Mensch, du bist meine tiefste Sehnsucht».

Erwachsen werden im Glauben

Im kindlichen Glauben geschehe ein Aufblicken zum grossen Gott. Genauso wie der Mensch als Erwachsener das Kindliche ablege, gelte dies auch für den Glauben. Es müsse eine Gottesbeziehung auf Augenhöhe folgen. Zum einen gehe es darum, sich von Gott lieben zu lassen, andererseits dem werbenden Gott entsprechen zu wollen.

Zum wahren Menschen gehöre, dass er sich bedürftig zeige, um die Bitte, dass er mich seiner würdig mache. Nach Gotthard Fuchs ist es doch eine Würdigung des Menschen, als Partner Gottes zu gelten. In der neuen Wahrnehmung Gottes, geschehe das Erwachsenwerden des Menschen. Es laufe anders ab, wenn wir mit Gott die Welt gestalten.

In einer Transformation

Nach Gotthard Fuchs läuft in der Organisation «Kirche» eine Transformation. Der amtierende Papst sorge fortlaufend dafür, patriarchalische Formen abzulegen. Die jahrhundertalte machtorientierte Führungsform verliere sich, damit Neues wachsen könne. Eine Kirche könne mit Menschen wachsen, welche zum «erwachsenen» Gottesglauben gefunden hätten. Als mündiger Christ könnten wir zu Sterbebegleiter und zugleich Geburtshelfer für eine neue Kirche werden. Die Kirche der Zukunft sieht Gotthard Fuchs als gastfreundliche Gemeinschaft und gottdurchlässig. Dabei dürfe es nicht um Erfolgsmessen gehen, sondern einfach darum «Einander gutes zuzutrauen».

Der Referent verwies in seinen Ausführungen auf das biblische Buch der Bücher, was eine einzige Liebensgeschichte darstelle. «Gott ist Eros», so das Zitat eines Theologen. Kein Papst der letzten 200 Jahre habe so oft von Schönheit gesprochen wie der Jetzige. Jeder Mensch blühe auf bei Lob und sei ansprechbar auf Liebe. Besonders die Frauenmystik zeigt nach Fuchs das Wunder liebender Anziehungskraft, das wir Gott nennen.