Am Sonntag, dem 18. März, um 17 Uhr, treten die Sänger Sonja Morgenegg, Allessandro Zuffellato und Marcello Wick in der Wiler Kultur-Werkstatt auf. Ihr Ensemble Triado vermittelt den Gästen improvisierten Acapellagesang. Mitsingen seitens des Publikums ist im zweiten Teil des Konzerts ausdrücklich erwünscht.Beim Musikanlass vom 18. März erwartet das Publikum vielseitige Klangwelten, improvisierte Klänge sowie auch Humor, erzählt Sonja Morgenegg. „Mal sind die Stücke eher lang, mal eher kurz. Eine lockere Atmosphäre gehört zu unseren Auftritten dazu.“ Seit drei Jahren ist das Trio gemeinsam unterwegs, es gastierte unter anderem bereits in St.Gallen und in Zürich. In diesen Städten sind dieses Jahr auch weitere Auftritte programmiert.

Tibetische und nordische Klänge
Wie Sonja Morgenegg erzählt, sind die drei Musiker mittlerweile so gut aufeinander eingestimmt und eingespielt, dass man an der Acapella Night im Volkshaus in Zürich meinte, sie würden einstudierte Lieder vortragen; dabei war ihre Musik frei improvisiert.
Alessandro Zuffellatos musikalischer Beitrag besteht vor allem aus Beatbox-Klängen und -Rhythmen. „Dies ist ein Schlagzeug mit dem Mund“, erläutert Sonja Morgenegg. Marcello Wick seinerseits konzentriert sich auf Obertongesang. Damit ist eine bestimmte Art des Singens gemeint, die ursprünglich aus den Klöstern Tibets stammt und dort die Meditation der Mönche unterstützt.

Neben dem gesungenen Ton, ist ein zweiter darüber oder darunter hörbar. Der gesangliche Beitrag von Sonja Morgenegg umschreibt sie als von nordischen bis schweizerischen Stimmen inspiriert. So sind auch archaische Naturklänge sowie jodelartige Weisen eine Spezialität von ihr geworden. “Natürlich verfügen alle drei Sänger auch in den anderen Sparten genügend Können, was die klangliche Vielfalt der Gruppe schlussendlich ausmacht.“

Breiter musikalischer Horizont
Die Leidenschaft der 41-jährigen Berufssängerin gehört dem Vermischen von verschiedenartigen Melodien und musikalischen Provenienzen. Dabei schöpft sie aus dem Vollen. Sie hat als Sängerin vielfältige musikalische Erfahrungen mit Jazz-Bigbands, mit Latin, mit Blues, mit Chansons, als Singerin Songwriterin und weiterem mehr gesammelt.

Konzert für Hoftiere
„Als kleines Mädchen habe ich mehr gesungen als geredet“, erzählt sie schmunzelnd. Ihre ersten „Konzerte“ gab sie den verschiedenen Tieren auf dem Bauernhof ihrer Eltern in Münchwilen. Nach Stationen in verschiedenen Schweizer Städten und Gemeinden lebt sie gemeinsam mit ihrer 13-jährigen Tochter wieder an ihrem Ursprungsort. „Das Jodeln habe ich mir grösstenteils selber beigebracht“, erzählt die leidenschaftliche Stimmkünstlerin. Als Kind imitierte sie die Jodler im Radio. „Mein Vater sagte, die Kühe würden mehr Milch geben, wenn sie Jodelklänge aus dem Radio hören. Mit zwanzig Jahren besuchte ich dann meinen ersten offiziellen Jodelkurs in Arosa und lernte das traditionelle Jodeln.“

Lernen von den Meistern
Beruflich liess sie sich zur Primarlehrerin ausbilden und unterrichtete anschliessend während mehrerer Jahre, bevor als nächste Station die Jazzschule in St.Gallen folgte, wo aus ihr eine professionelle Sängerin und Musiklehrerin wurde. Dort erklärte ihr ein Dozent, dass es zwei Arten des Lernens gebe: die lange Schulung mit zahlreichen Abschlüssen, oder aber den Weg des Meisters. Will heissen: die Lernende verbringt einige Zeit an der Seite eines Meisters und entwickelt und verfeinert unter seiner Anleitung ihr Können. Nach einer gewissen Zeit sucht sie den nächsten Meister, um von dessen Können profitieren zu können. Diesen Rat hat sich Sonja Morgenegg zu Herzen genommen und nach der Studienzeit und ihre gesanglichen Fähigkeiten unter anderem bei Rhiannon (von Voicestra Bobby Mc Ferrin) in Hawaii sowie in den USA und in Europa weiterentwickelt.

Jodeln bei Lesungen
Seit zehn Jahren unterrichtet sie mittlerweile selber Gesangsschülerinnen und – schüler. Ausserdem tritt sie in verschiedenen Zusammensetzungen auf, derzeit beispielsweise mit der erfolgreichen Autorin Daniela Schwegler, die mit ihren Portraits über verschiedene Bergbäuerinnen in Buchform Lesungen hält. Sonja Morgenegg bereichert die Anlässe mit Jodelklängen und ihrer Musik. Die berufliche Kombination von Gesangsunterricht und Auftritten entsprechen der Künstlerin: „Dies ist eine super Verbindung.“

Neue Wege erkunden
Jodeln, der typische Schweizer Gesang, blickt auf eine lange Tradition zurück und ist von Regeln geprägt. Diese mag Sonja Morgenegg nicht stur befolgen. Sie weitet gerne die musikalischen Grenzen aus, dabei ist sie nicht durchs Band erfolgreich. In ihrer langen Gesangkarriere sei sie auch hie und da gescheitert, erzählt sie und betont: „Für die musikalischen Entwicklung ist dies wichtig.“ Sie sieht darin weniger ein Versagen, sondern viel mehr ein wichtiger Erfahrungsprozess. Nur wer den Mut zum Scheitern hat, verlässt die sicheren Pfade und wagt sich ans Improvisieren, wo neue musikalische Klangwelten und Erfahrungen entstehen können.

Beim Singen zuhören
Für Sonja Morgenegg sind Gesangs-Improvisationen mit anderen Musikern weit mehr als ein künstlerisches Ereignis: „Es ist Friedensarbeit. Man muss lernen, genau aufeinander zu hören, fremde Ideen zu akzeptieren und darauf einzugehen.“
www.triado.ch
www.sonja-morgenegg.ch
www.kultur-werkstatt.ch
Sonja Morgenegg geht eine Woche auf „Velo-Thurnee“ und gibt im Rahmen der Kulturbühne 2018 am 03.05. im Dachstock des Wiler Hofs um 20 Uhr ein Konzert mit dem Quartett www.stimmsaiten.ch