Der emeritierte Professor für Geografie und Klimatologie und ehemaliges Mitglied des UNO-Klimarates präsentierte während einer Stunde in leicht verständlicher Sprache eine Übersicht über die Fakten zum Weltklima. Rund dreissig Personen hörten ihm zu.

Komplexe Einflussfaktoren

Das Referat des Klimaforschers an der Uni Bern begann vor 23'000 Jahren. Damals war die Region des heutigen Wil von einer mehrere hundert Meter dicken Eisschicht zugedeckt. Ab diesem Ausgangpunkt erklärte Wanner die komplexen Einflüsse, die das langfristige globale Klima beeinflussen. Dazu gehört im Wesentlichen die leicht geneigte Stellung der Erdachse im Universum, die komplexen Kreisläufe von Luft und Feuchtigkeit um den Globus, die periodisch schwankenden Aktivitäten der Sonne sowie auch Vulkanausbrüche. Sie alle haben immer wieder zu vorübergehenden Veränderungen der Durchschnittstemperatur geführt.

Beobachtungen in der Natur

Um zu unterstreichen, dass diese Erkenntnisse auf wissenschaftlich erhärteten Fakten basieren, präsentierte Wanner die entsprechenden Forschungsinstrumente. Dazu zählen Beobachtungen an Schichtungen von Korallen, die Zusammensetzung von Sediment in Seen und Meeren, die Analyse von Baumringen, Eisbohrungen in Polargebieten sowie auch Aufzeichnungen aus Klöstern. Sie geben Aufschluss über die langfristige Klimaentwicklung. Im Weiteren werden entsprechende Szenarien in Computersimulationen berechnet.

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Rund 30 Personen folgten den Ausführungen von Professor Heinz Wanner. (Foto: Adrian Zeller) 

Seit siebzig Jahren billiges Öl

Das Referat wurde von entsprechenden Grafiken gut unterstützt. Besonders eindrücklich war dabei der Kurvenanstieg ab ca. 1950. Ab dann wurde gemäss dem Wissenschaftler die Welt mit billigem Erdöl überschwemmt.

Die Folge war ein entsprechender Anstieg an motorisiertem Verkehr, der seinerseits zu grossem CO2-Ausstoss führte. Mittlerweile ist dessen Auswirkung als Treibhauseffekt spürbar. Dieser wird auch von weiteren Faktoren, etwa der Industrie und der Landwirtschaft, gefördert. Zukunftsszenarien gehen infolge Erderwärmung den nächsten Jahrzehnten von einer Zunahme von Winterstürmen und von Dürreperioden mit entsprechenden Folgen für die Nahrungsmittelproduktion aus.

Um die negativen Folgen abzubremsen, sind einschneidende Massnahmen erforderlich. Diese werden allerdings von den Regierungen eher zögerlich umgesetzt. Haller zog einen Vergleich zur Corona-Pandemie. Diese trat plötzlich auf und erforderte international rasch wirkungsvolle Gegenmassnahmen. Im Gegensatz dazu ist die Klimaerwärmung eine schleichende Entwicklung, der man lediglich mit kleinen Schritten begegnet, obwohl offensichtlich akuter Handlungsbedarf besteht.

Dezentrale Energieerzeugung

Um die Klimaerwärmung zu bremsen, müssen gemäss Wanner erneuerbare Energieformen wie Geothermie, Solarenergie sowie vermehrter Nutzung von Wasserkraft gefördert werden. Die Energieerzeugung soll zudem künftig dezentraler erfolgen. Zusätzlich muss der Ressourcenverbrauch, beispielweise von Wasser, reduziert werden. Auch den Betroffenen der Auswirkungen der Klimaveränderungen müsse vor Ort geholfen werden, etwa um Migrationsströmen vorzubeugen.