Die Fachgruppe Verkehr von Regio Wil unter der Leitung des Uzwiler Gemeindepräsidenten Lucas Keel stellte am Donnerstagnachmittag im Stadtsaal Wil interessierten Kreisen aus Politik und Wirtschaft aus der Region und den Kantonen St. Gallen und Thurgau die mit den Verkehrsplanern von INFRAS erarbeiteten Zielsetzungen beim Angebot im öffentlichen Verkehr vor. Mittels sechs übergeordneten Zielsetzungen will Regio Wil zusammen mit der der Stadt Wil bei den Verkehrsplanern der SBB und Buslinien proaktiv Einfluss nehmen.Eingangs der Informationen über die erarbeiteten Ziele in Sachen öV-Angebot machte Lucas Keel klar, dass es darum gehe, die Region als Ganzes, den Knoten Wil kantonsübergreifend, für die Sache zu gewinnen. Die Information galt der Vorstellung der Spannungsfelder, wo die Region Wil dabei ist. Regio Wil kann mit der Grundlagenarbeit der Verkehrsplaner von INFRAS glaubwürdig auftreten, wie Keel betonte. Sarah Hug, Mitglied der Verkehrsgruppe Regio Wil, unterzog die Anwesenden eingangs einem Test, wieweit sie über die Einwohnerzahlen und Verkehrssituation in der Region im Bild sind. Deren Kenntnisstand bestätigte sich positiv.

Sechs Zielsetzungen im Auge behalten
Dass die Verkehrsplanung eine komplexe Angelegenheit ist, ergibt sich nach Keel aus den verschiedenen Anspruchshaltungen. Der Forderung nach schnellen Verbindungen stehe z.B. der Anspruch nach angeblich wichtigen Haltestellen gegenüber. Die erarbeiteten Zielsetzungen sind nach Keel wichtige Voraussetzungen, um das heutige Angebot auf lange Sicht zu sichern und bei zukünftigen Planungen Verbesserungen zu erreichen.

Beim Fahrplan sollen Fernverkehr und S-Bahn zusammen einen Viertelstundentakt sichern. Bei der Anbindung des Fernverkehrs Zürich St. Gallen an die Regionallinien mit Halt in Wil sollen mit dem Halbstundentakt auch in Randstunden gute Verbindungen gesichert bleiben. Wil soll als Knoten wahrgenommen werden mit schlanken Umsteigemöglichkeiten an regionale Angebote.

Klare Vorstellungen bestehen bei der Kapazität, dass Zusteigende in Wil und Uzwil einen Sitzplatz vorfinden. Bei der Koordination sollen die Zielsetzungen von Regio Wil in die Planungen der Kantone St. Gallen, Thurgau und dem Zürcher Verkehrsverbund einfliessen. Bei Abwägungen von Forderungen stehe die Nachfrage an erster Stelle in Abhängigkeit des Fahrgastpotentials.

Individualverkehr gegen öV-Angebot
Matthias Lebküchner von INFRAS stellte eine Forderung an erster Stelle, den motorisierten Individualverkehr (MIV) von heute 64% auf 55% zu reduzieren. Um dieses Ziel zu erreichen müsse das öV-Angebot mittels öV-Bevorzugungsmassnahmen an Gewicht zulegen. Die Ausbauschritte bis zum Jahr 2025 sehen mit dem Fahrplan 2019 eine Beschleunigung der Fahrzeit von St. Gallen nach Zürich vor mit Auswirkungen auf den S-Bahnverkehr. Für die Ausbauschritte 2035, dann mit Brüttenertunnel, stehen zwei Varianten zur Diskussion. Var 1: Fahrzeit von 53 Minuten von Zürich – St. Gallen mit zwei Stops stündlich in Wil. Var 2: Fahrzeit von 60 Minuten mit stündlich vier Stop in Wil.

Lucas Keel wies zur Umsetzung der Ziele auf die unterschiedlichen Einflüsse hin. Bei den politischen Interessen komme es darauf an, ob der Besteller auch der Bezahler sei. Die Nachfrage fordere einen Interessenausgleich. In den Regionen stehe die Haltepolitik den geforderten schnellen Verbindungen gegenüber. Das aktuelle Angebot zu halten, seien die politischen Akteure im Kantonsrat gefordert. Weil das Angebot 2018 so schlecht nicht sei, gehe es auch darum, dieses auf lange Sicht zu halten.

Ausdauer beweisen
Weil die Aussichten für den Zeitraum bis 2035 nicht durchgehend befriedigen, gute Anschlüsse von Wil nach St. Gallen sind noch ungewiss, gilt es nach Lucas Keel bei den Forderungen von Regio Wil Ausdauer zu beweisen. Dazu gehöre auch, die Fernverkehrshalte zu optimieren.

Bezüglich öV-Strategie ist auch der Wiler Stadtrat am Ball. Verkehrsplanerin Bettina Anderau-Latzer wies darauf hin, dass der Stadtrat die öV-Strategie der Stadt in erster Lesung verabschiedet habe. Darin sei auch das Buskonzept 2031 bereits entwickelt.

Professionalisierung zeigt Wirkung
Nach dem Wechsel der im Milizsystem geführten IRPG (Interregionalen Planungsgruppe) zur professionell geführten „Regio Wil“ zeigen sich spürbar wirkende Einflüsse auf die regionale Entwicklung. Dem Agglo-Programm 2. Generation ist unter der Führung von Regio Wil bekanntlich nun auch in Bern Erfolg beschieden.

Mit den nun handfest formulierten Zielsetzungen beim öV-Konzept „Regio Wil“ werden die Planer der SBB und der Kantone auf die Vorschläge eingehen müssen. Mit der proaktiven Haltung seitens Regio Wil will man bei jedem Entscheidungsschritt bestmöglich Einfluss nehmen.
nj