Das Wetter war gut, die Kulisse auch. So viele Zuschauer wie noch nie in dieser Saison fanden den Weg ins Bergholz. Sie sollten mit einer spannenden Partie belohnt werden, die für einige Diskussionen sorgte. Aber der Reihe nach. Zunächst einmal nahm Brunello Iacopetta im Vergleich zum Spiel am vergangenen Freitag in Vaduz wieder einige Änderungen in der Startformation vor. Im Tor stand wieder Keller. Als rechter Verteidiger agierte wieder Dickenmann. Zudem schickte er eine komplett neue Innenverteidigung aufs Feld. Nach verbüsster Sperre war wie erwartet Sauter wieder mit von der Partie für Zali. Etwas überraschender kam die Nominierung von Captain Muntwiler als zweiten Innenverteidiger für Tonbul. Die Überlegung des Wiler Übungsleiters hinter diesem Wechsel war, dass der Routinier mehr Stabilität in die Verteidigung bringen sollte. Vorweg sei erwähnt, dass dieser Plan sehr gut funktionierte und Muntwiler seine Rolle sehr gut ausfüllte. Den freigewordenen Platz im Mittelfeld von Muntwiler übernahm Zumberi. In der Offensive stürmte Silvio im Zentrum wieder von Beginn weg.

Der Beginn der Partie war geprägt von viel Wiler Ballbesitz und verhalten agierenden Winterthurern. Es war beiden Mannschaften anzumerken, dass sie nichts überstürzen wollten. Die Wiler freilich nicht, um ins offene Messer zu laufen, die Gäste aus der Eulachstadt wollten nach drei sieglosen Spielen nicht noch mehr Punkte im Aufstiegsrennen liegen lassen. So fand das Spiel bis auf wenige harmlose versuche in den ersten 40 Minuten praktisch nur im Mittelfeld statt, weil beide Mannschaften zu zaghaft und ungenau in der Offensive agierten. In ebendieser 40. Minute führten die Wiler einen Freistoss aus halblinker Position schnell aus. In der Mitte kam Lekaj zwar noch vor dem einschussbereiten Silvio an den Ball, er köpfte das Leder aber ins eigene Tor. Somit gingen die Wiler mit dem ersten Torschuss des gesamten Spiels, der nicht einmal durch einen eigenen Spieler kam, in Führung. Es sollte bis zur Pause auch der einzige Abschluss auf eines der beiden Tore bleiben. So gingen die Äbtestädter mit einer 1:0-Führung in die Pause, die nicht gestohlen war, machten sie im ersten Umgang doch deutlich mehr fürs Spiel.

Umstrittene Entscheide und kämpfende Wiler

Ex-Wil Trainer Alex Frei schien in der Halbzeit die richtigen Worte gefunden zu haben. Die Gäste aus Winterthur legten ihre Zögerlichkeit in der zweiten Halbzeit mehr und mehr ab und nahmen das Heft in die Hand. In der 52. Minute brachten die Gäste den Ball hoch in den Strafraum wo auf einmal Manzambi am Boden lag. Schiedsrichter Bieri zeigte ohne zu zögern auf den Punkt. Die Wiler protestierten heftig, der Unparteiische liess sich aber nicht umstimmen. Er hatte ein Foul von Sauter an Manzambi gesehen und dieses als strafstosswürdig interpretiert. Eine sehr umstrittene Entscheidung des Schiedsrichters, sieht man zwar, dass ein Kontakt zwischen Sauter und Manzambi stattfindet, dieser aber so gering ist, dass es fraglich ist, ob es ausserhalb des Strafraumes dafür einen Foulpfiff gegeben hätte. Dem Ex-Wiler Alves war dies egal und er versenkte den fälligen Penalty souverän flach in der rechten Ecke, während er Keller in die linke Ecke schickte.

Von diesem Gegentreffer zeigten sich die Wiler aber wenig beeindruckt. Sie versuchten weiter ihr Spiel aufzuziehen, standen hinten unter der Leitung von Muntwiler sicher und brachten mit dem einen oder anderen Konter Gefahr vor das Gästetor, ohne dass aber etwas Zählbares dabei rausschaute. In der 71. Minute nahm Ndau im Mittelkreis den Ball an und plötzlich lag Alves am Boden. Schiedsrichter Bierei stand wieder im Mittelpunkt, weil er Ndau die zweite gelbe Karte an diesem Abend zeigte und den Wiler somit vorzeitig unter die Dusche schickte. Auch hier war nicht genau aufzulösen, wo der Schiedsrichter gesehen haben soll, dass Ndau die Hand ins Gesicht von Alves schlägt. Aber auch hier halfen alle Proteste der Wiler nichts, sie mussten die letzten 20 Minuten mit einem Mann weniger bestreiten.

Diese letzten 20 Minuten waren dann vor allem von der Winterthurer Offensive geprägt. Brunello Iacopetta versuchte nochmals alles um wenigstens diesen einen Punkt noch ins Trockene zu bringen. So liess er in der Schlussphase mit dem eingewechselten Zali, der für Fazliu kam, gar mit einer Fünferabwehr spielen. Die Wiler waren aber total ausgepowert. So konnten die Gäste in den letzten zehn Minuten des Spiels Angriff um Angriff vortragen und hatten zahlreiche hochkarätige Chancen, die sie aber allesamt liegen liessen. So blieb es am Ende beim 1:1, dass für die Wiler sicherlich glücklich war, vor allem aufgrund der drückenden Überlegenheit der Gäste in der Schlussviertelstunde. Ganz unverdient ist der Punkt aber dennoch nicht, weil man ihnen doch zugutehalten kann, dass sie trotz der Entscheide gegen sie den Kopf nicht hängen liessen und weiterkämpften bis zum Ende. Auch wenn es das erste Mal in dieser Saison war, dass die Wiler keine zwei Tore im Bergholz erzielten ist es sicherlich zu verschmerzen, zumal es der erste Punkt gegen den FC Winterthur in dieser Saison war. Zudem darf man feststellen, dass die Luft doch noch nicht komplett draussen zu sein scheint, obschon es für die Wiler um nicht mehr allzu viel geht. Dies ein weiteres Mal unter Beweis stellen können die Wiler bereits am kommenden Samstag, wenn zum Abschluss der englischen Woche, der FC Thun für das letzte Heimspiel in dieser Saison auf dem Bergholz gastiert.

FC Wil – FC Winterthur 1:1 (1:0)

Bergholz: 3'180 Zuschauer – Sr: Bieri

Tore: 40. Lekaj (Eigentor) 1:0, 53. Alves (Foulpenalty).

FC Wil: Keller; Dickenmann, Muntwiler, Sauter, Brahimi (51. Heule); Zumberi, Ndau, Fazliu (88. Zali); Bahloul (80. Saho), Silvio (88. Ismaili), Lukembila (80. Toure).

FC Winterthur: Pukaj; Goncalves, Lekaj, Gelmi, Diaby; Corbaz, Isik (85. Abedini); Tushi (61. Ramizi), Alves, Manzambi (61. Ltaief); Ballet (61. Buess).

Bemerkungen: Wil ohne Bega, Malinowski, Rustemoski (alle verletzt), Abubakar, Reichmuth und Tonbul (alle nicht im Aufgebot). Winterthur ohne: Baak (gesperrt), Cavar, Costinha, Pepsi (alle verletzt), Chiappetta, Demhasaj, Di Nucci, Hammer, Kriz, Lovisa, Tolino und Volkart (alle nicht im Aufgebot). 71. Platzverweis Ndau.

Verwarnungen: 15 Ndau (Foul), 52. Sauter (Foul), 71. Ndau (Foul), 71. Silvio (Reklamieren), 89. Heule (Foul).