Der Name war Programm, die Temperaturen hoch, ja am Nachmittag fast zu hoch. Und doch hielt das schon früh viele nicht ab, auf dem «Roten Platz» der Schulanlage Breite mit Familie oder Freunden ein Ohr voll von ganz unterschiedlichen Musikdarbietungen zu geniessen.

«Heldenhaft»

So hätte das Motto des diesjährigen Musikunterhaltungsabends heissen sollen. Während der Corona-Pandemie war Blasmusik allerdings als eine der Hauptansteckungsquellen bezeichnet worden, es konnten keine Proben mehr stattfinden. Zum Glück war der Unterhaltungsabend 2020 bereits über die Bühne gegangen, der Lockdown erst Mitte März aufgerufen worden. Doch 2021 musste der Anlass leider abgesagt werden. Der Unterhaltungsabend 2022 wurde deshalb sehnlichst erwartet.

Auf der Webseite des Vereins kann man die vielfältigen Bemühungen des Vereins nachverfolgen, trotz Einschränkungen den treuen Fans etwas online anzubieten. Doch auch im diesjährigen Januar sollte es nicht sein – noch immer Einschränkungen, die keinen Auftritt erlaubten. Optimistisch wurde auf den 12. März verschoben, doch die Zeit für eine seriöse Vorbereitung war einfach zu kurz. Die Helden gingen zwar fast unter, gaben aber nicht auf und lancierten stattdessen die Idee, ein Sommerfest für alle zu veranstalten. Immer wieder war Post verschickt, neu informiert worden – ein riesiger Aufwand, der nun mit herrlichem Sommerwetter und einem Grossaufmarsch honoriert wurde.

Zusammenarbeit

Der Gewerbeverein hatte sich im Vorfeld ebenfalls mit dem Organisieren eines Sommerfestes anlässlich seiner diesjährigen HV 2022 befasst. Da war die MGBO war bereits an den Vorbereitungen. Man überlegte nun, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Die Vorstellungen waren allerdings zu unterschiedlich. Schliesslich kam der Gewerbeverein zum Schluss, die HV in den Räumlichkeiten der Unterkirche – also in kurzer Gehdistanz zum Festplatz – abzuhalten. Das Restaurant Pinocchio lieferte den Apéro und wurde gleichzeitig als neues Mitglied gewonnen.

Top-Organisation

70 Helferinnen und Helfer, Mitglieder der «Chrampfer-Crew», wie auf ihren pinkfarbenen T-Shirts zu lesen war, versorgten die durstigen Besucherinnen und Besucher mit dem Gewünschten. Der Turnverein Bichwil liess sich für diese Arbeit ebenfalls einspannen. Und die Mitglieder der Musikgesellschaft waren nebst ihrem musikalischen Top-Auftritt am Abend den ganzen Tag über unermüdlich im Einsatz, dazu halfen Verwandte und andere «Zugewandte».

Alle Serviceleute waren mit einem Smartphone ausgestattet. Anfänglich habe es noch etwas «geholpert», bis alles eingespielt gewesen sei, schliesslich sind an solchen Anlässen jeweils die wenigsten ausgebildete Servicefachleute. Am Sommerfest selber kam das bestellte Essen und Trinken jedoch oft schon fast vor dem Bestellen an den Tisch... Zum Glück hatte die Service-Truppe schon am Freitagabend eine Übungsrunde durchspielen können, packte doch der Oberuzwiler Gewerbeverein die Chance, seine HV 2022 mit einem feinen Essen auf dem Roten Platz abzuschliessen.  Wie man munkeln hörte, sei bereits dieser-Anlass bis weit nach Mitternacht am Laufen gewesen.

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Die Service-Leute waren sofort erkennbar und ihrer Arbeit gemäss angeschrieben - «Chrampfer-Crew»...

Vielfältiges Programm

Die Programmverantwortlichen hatten wirklich für jeden Geschmack etwas geplant. Das Duo «Comedy Multimpro» moderierte die verschiedenen Auftritte. Mit den «Pläuschlern» kam gleich zu Beginn Stimmung auf, wenn auch die Reihen noch ziemlich spärlich besetz waren. Es war einfach zu heiss, viele noch in der Badi. Die «Grüüveli Tüüfeli» wandten sich vor allem an die Kinder. Anfänglich war noch alles recht verhalten, was vielleicht auch am Berner Dialekt der Bandmitglieder lag, aber irgendwann kamen die noch eher kleinen Kinder vor Ort in Schuss, tanzten mit Papa oder Mama auf und ab und trotzten den hitzigen Temperaturen.

Auch die «Bettiplayers» hatten mit ihrem Leiter Marco D’Incau einen Auftritt. Die Musikschule legt dazu den Grundstein, das Spielen in der Band gibt neue Impulse und Spass am Musizieren. Und die jungen Musizierenden gewöhnen sich ans Rampenlicht. Der Jugend wurde auch mit der Rock-Pop-Band «The Founders» aus der Region Oberuzwil-Jonschwil eine Plattform für einen Auftritt geboten.

Noch immer war es heiss auf dem Platz, als die inzwischen schon recht berühmten Bläserkids aus Wil auftraten. Dennoch heizten die Jugendlichen so richtig ein. Fetziger Sound, toll gespielt und vom Publikum mit wippenden Füssen und tosendem Applaus verdankt. Die Musikschule Wil darf auf diesen Nachwuchs stolz sein. Der Auftritt zeigte aber auch, dass gemeinsames Musizieren einfach allen Spass macht.

Gala-Konzert

Dann traten die Mitglieder der Musikgesellschaft selber auf. Die Leibchen mit der Aufschrift «Chrampfer-Crew» waren mit der Sommer-Uniform vertauscht worden. Schon optisch bot das Ensemble etwas. Anfang und Schluss machten je ein zünftiger Marsch, zu Beginn der «Musketier-Marsch» von Ernst Lüthold, als Zugabe kam «Alamo» von Karl L. King zum Zug. «Spiderman» trat auf, auch «die Unglaublichen» oder «The Incredibles“, komponiert von Michael Giacchino, arrangiert von Jay Bocook. Beim Helene-Fischer-Medley konnten schliesslich die meisten mindestens «Atemlos durch die Nacht» mitsingen. Zum Glück hatte es unterdessen etwas abgekühlt, das Zelt war zudem gut durchlüftet, so dass die Musizierenden ihren Auftritt ebenfalls so richtig geniessen konnten.

Lutz! und Co...

Nein, der Bandname «Lutz!» kommt nicht von „Kaffee Lutz“, sondern vom Bandgründer Markus Lutz. Mit dem Auftritt dieser Band war die Stunde der Rock’n’Roll-Liebhaber gekommen. Die Regler der Soundanlage wurden aufgedreht, nur noch zuhören, mittanzen und geniessen war angesagt. Vier der fünf Männer sind Militärmusiker, einer hat eine klassische Ausbildung. Nebst dem Musizieren verbindet sie auch die Liebe zum Bier, wie es auf ihrer Homepage heisst. Zum Glück ging dieses am Sommerfest den ganzen Tag nicht aus!

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Nicht nur die Sound-Anlage von Andreas Frick, Veranstaltungstechnik FSL, genoss den Schatten...

Vor Mitternacht traten noch «Yvonne und die Bläserknaben» auf, eine neue Formation mit tollen Musikern aus der Gegend, mit Yvonne Rütsche als Namensgeberin. Den Abschluss machten „Steffi l’Amour Prinz & ihre Zuckerpuppen“, die Schlagerband aus Flawil. Auch diese Bands durften vor grossem Publikum auftreten. Aus zuverlässiger Quelle war zu erfahren, dass nach dem offiziellen Schluss um zwei Uhr nachts «noch lange nicht Schluss» gewesen sei. Bis vier Uhr war an der Bar Betrieb. Ein wirklich tolles, friedliches und unvergessliches Sommerfest für alle Generationen fand damit seinen Abschluss.

Damit am Montag auf dem Schulhausplatz wieder Ordnung herrschte, räumten die Vereinsmitglieder am Sonntagmorgen in ebenfalls brütender Hitze innert vier Stunden alles wieder auf.

Finanzielles

So ein Fest auf die Beine zu stellen braucht im Vorfeld ganz viel Planung. Das Vereins-OK bewies ein gutes Gespür für die Programmgestaltung. Da war wirklich für jeden Geschmack etwas dabei. Doch Infrastruktur sowie Engagements von namhaften Bands kosten natürlich auch. Zum Glück gibt es in der Region verschiedene Stiftungen sowie Firmen, die zu einem solchen Anlass einen Zustupf leisten. Einen Beitrag leistete bestimmt auch der Lösliverkauf, wenn auch einige Lose unverkauft blieben. Die Bandenwerbung am Absperrgitter erinnerte fast an einen Fussballmatch. Sie zeigte auf eindrückliche Weise die Verbundenheit des einheimischen Gewerbes mit dem Dorfverein. Nicht vergessen werden dürfen all die Personen, die Noten spenden oder als Gönner einen Beitrag an das Vereinsleben leisten. Es bleibt zu hoffen, dass sich der riesige Aufwand aller Beteiligten auch in finanzieller Hinsicht gelohnt hat.

Am kommenden Wochenende gibt es für Festfreudige bereits wieder einen dörflichen Grossanlass. Die «Schüeli 2022» steht auf dem Areal der Oberstufe Schützengarten nach zweimaliger Absage wieder an.