Es waren im 19. Jahrhundert die Engländer, die das damals übliche Pale Ale mittels angepassten Braumethoden in ein India Pale Ale (IPA) umwandelten. Zu dieser Zeit hatten die Briten in vielen Teilen der Welt Kolonien, deren Angehörige nicht auf heimisches Bier verzichten wollten. Nun waren diese Kolonien nicht gerade vor der Haustüre der Briten. Für den Transport der Biere mussten lange Wege in Kauf genommen werden, bei denen keine Kühlung möglich war. Am Ende der Reise waren die leicht gehopften und alkoholschwachen Biere vielfach verdorben und nicht mehr geniessbar. Der guten Stimmung der in Indien stationierten Soldaten war dieser Umstand nicht zuträglich.

Die Lösung dieses Problems war einfach: Mehr Hopfen und mehr Alkohol. Schon damals war bekannt, dass Hopfen eine antibakterielle Wirkung hat. Zusammen mit dem höheren Alkoholgehalt, der durch eine höhere Bierwürze erreicht wurde, überstanden die Biere auch längere Transporte. Der Legende nach waren die heimischen Brauer der Überzeugung, dass die Biere vor dem Konsum mit der Zugabe von Wasser wieder auf Normalmass verdünnt werden. Diesem frommen Gedanken folgten die durstigen Soldaten aber nicht, sie tranken das deftige Bier in der gebrauten Stärke. Sie misstrauten wohl der Wasserqualität - oder das Heimweh war mit weniger Bier schneller vergessen.

Bedeutend in der Produktion von IPA sind heute immer noch die Engländer und in jüngster Zeit auch die Amerikaner. Während auf der Insel mit traditionellen Hopfensorten gearbeitet wird, verwenden die Amerikaner sehr fruchtige Hopfen, die den Bieren nebst den Bitterstoffen eine frische fruchtige Note verleihen. Die Biere verströmen einen wunderbaren Duft, der geprägt ist von Zitrus- und Passionsfrüchten. Wer einmal Gelegenheit hat die Nase in einen Sack Hopfendollen zu stecken, wird angenehm überrascht sein, welche fruchtigen Düfte sich offenbaren.

Auch Schweizer Brauereien sind in der Lage, spannende und schmackige IPAs herzustellen. Insbesondere kleine Produzenten müssen sich mit ihren Produkten nicht verstecken. Die Storm&Anchor Brewing Company braut ein Double IPA von bester Qualität; kein Durstlöscher, dafür ein herrliches Trinkerlebnis.

Storm&Anchor Brewing Company, Green Knuckles Double IPA, 0.33 L, 8.5 Vol. %, klares, sattes Gelb, cremig, langer bitter-fruchtiger Abgang, Fr. 6.50 (das Foodpairing ist bei diesem Bier nicht einfach, besser einfach so geniessen)

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Ein Pale-Ale aus Schweizer Produktion

Benedikt Metzger*

* = Benedikt Metzger ist Wein-Akademiker und Bier-Sommelier. Der 53-Jährige wohnt zusammen mit seiner Familie in Wil und ist Hobbybrauer. Er spielt in seiner Freizeit Alphorn und nennt Wandern sein schönstes Hobby.