Die gebürtige Ukrainerin Svetlana Herzog stand selber jahrelang als Ballerina auf der Bühne. Seit mittlerweile fünf Jahren führt sie in Wil eine eigene Ballettschule. Dabei will sie ihren Eleven weit mehr vermitteln als eine grazile Körperhaltung, sie stärkt ihren Charakter. Zudem übt sie mit ihnen Toleranz gegenüber Menschen aus anderen Kulturen und Gesellschaftsschichten ein.“Das Auftreten auf der Bühne in hübschen Kostümen sowie die wunderschöne Musik machten mir grossen Spass“ schwärmt Svetlana Herzog über ihre erste Erfahrungen mit Tanzen in ihrer Kindheit. Nach ihrer Ausbildung in klassischem Ballett stand sie bis zum dreissigsten Lebensjahr auf der Bühne, auch international.

Ausgebildet Choreografin
Auch nach der Beendigung der Karriere wollte sie ihre Begeisterung fürs Tanzen gerne weitergeben. Daher belegte sie an der Universität Kiew Lehrgänge in Pädagogik und in Choreografie, die sie 2004 mit einem Diplom abschloss.

In der Schweiz angekommen
Bereits 2001 war sie zum ersten Mal in der Schweiz. Dabei lernte sie ihren jetzigen Mann kennen. Anfänglich bestand die Beziehung auf Distanz. Schliesslich liess sie sich mit ihrem damals kleinen Sohn hier nieder.

Mittlerweile sei die Schweiz ihre zweite Heimat geworden, betont Svetlana Herzog in einer Mischung aus Dialekt und Hochdeutsch.

In Sirnach übernahm sie Rollen bei drei Operettenproduktionen, etwa in der `Maske in Blau`. Während einiger Jahre war sie zudem in einem Fachgeschäft als Modeberaterin angestellt.

Eigene Schule
2013 gründete sie in Wil ihre eigene Ballettschule, die sich erfolgreich entwickelt hat, rund 65 Schülerinnen unterrichtet die ehemalige Ballerina mittlerweile in verschiedenen Gruppen. Ein Höhenpunkt war eine Ballettaufführung im vergangenen Jahr in der bis auf den letzten Platz gefüllten Wiler Tonhalle.

Seit einiger Zeit unterrichtet sie zusätzlich die Kunstturnerinnen und Kunstturner des Regionalen Leistungszentrums Ostschweiz in Wil in Ballett. Derzeit wird auch eine Zusammenarbeit im Training der Wiler Eiskunstläuferinnen geprüft.

Charakterentwicklung
Für die von der osteuropäischen Tanztradition geprägten Choreografin ist Ballett weit mehr als ein Training des Körpers, sie ist eine Lebensschule: „Ohne Fleiss und Disziplin erreicht man kein Ziel im Leben.“ Im Weiteren wirkt sich gemäss ihren Angaben das regelmässige Training auch auf die Konzentrationsfähigkeit und auf das Selbstvertrauen aus.

Die erfahrene Ballettlehrerin weist weiter auch auf positive Wirkung auf die musischen und die feinmotorischen Fähigkeiten sowie auf eine gestärkte Muskulatur hin. „Die Kinder können durch Ballettunterricht ihre Haltung verbessern und haben das ganze Leben etwas davon. Ein Training ist eine geistige und körperliche Herausforderung und führt zu intensiverem Körperbewusstsein und zu fliessenden Bewegungsabläufen.“

Globalisierung im Ballettsaal
Wie Svetlana Herzog betont, liegt ihr auch die Förderung der Toleranz und der sozialen Fähigkeiten am Herzen. Bei ihrer sehr multikulturell geprägten Schülerschaft ist das gegenseitige Verständnis für einander besonders wichtig. Zudem kommen die Tanzenden aus verschiedenen Gesellschaftsschichten.

Zu den über zwanzig ursprünglichen Herkunftsländern der Kinder gehören unter anderem Tschechien, Polen, Italien, Grossbritannien, Griechenland, Ungarn, Albanien, Türkei, Georgien, Russland, Deutschland, Schweiz und auch solche aus dem afrikanischen Kontinent.

Situation verbessern
Allmählich stösst die Ballettschule Lady Style an ihre räumlichen Grenzen, wie Svetlana Herzog erzählt. Derzeit ist sie in einem Wiler Fitnesscenter eingemietet. „Die Zeiten in denen wir die Räumlichkeiten benützen können, sind stark eingeschränkt.“ Daher braucht die Ballettlehrerin neue Räume. Diese hat sie bereits gefunden, aber sie müssen entsprechend umgebaut und eingerichtet werden. Dazu hat sie ein Crowfunding-Projekt gestartet. Damit soll eine Spiegelwand, Ballettstangen, ein spezieller Tanzboden sowie eine Musikanlage finanziert werden. Es ist ein Spendenbetrag von Fr. 15 000.- anvisiert.
https://www.lokalhelden.ch/ballett-eine-leidenschaft-die-verbindet