Der breit angekündigte Anlass zum Thema Integration, von der Institution «Freidenker-Vereinigung der Schweiz» organisiert, lockte nicht allein Muslime und Islambekenner, sondern auch auch etliche Nichtreligiöse seitens der Freidenker-Vereinigung  in den Stadtsaal. Zahlreich erschienen auch Gäste mit christlichem Hintergrund, sich ein Bild über gelingende Integration zu machen. Nach dem Einführungsreferat von Buchautor Ahmad Mansour folgte eine Diskussion mit Regierungsrat Fredy Fässler und dem Wiler Imam Bekim Alimi unter der Leitung der Islamkennerin und Journalistin Helene Aecherli.

Vom Radikalen zum Integrationsexperten

Der Buchautor gab sich freizügig über seine Herkunft. Als Palästina-Israeli aufgewachsen, habe er sich in jungen Jahren radikalisiert. Mit der Wende habe er zum Psychologiestudium gefunden und setze sich heute für echte Integration ein, welche Wertehaltungen im Fokus habe.

Ahmad Mansor: «Es muss sich etwas ändern im Verständnis von Integration. Es braucht mehr Wissen, wo die Probleme sind. Die heutigen Forderungen mit Sprachkenntnis, Arbeit und Bekenntnis und gegen Kriminalität erfüllen die meisten Terroristen auch». Es gehe um die Vermittlung von Werthaltungen, welche in diesem Land gelten und einzuhalten sind.

 
Buchautor Ahmad Monsour beim Referat.

Europa hat zwei Probleme

Migranten werden wie wilde Tiere wahrgenommen, nicht therapierbar. Das zweite Problem sei, dass Migranten als Unfähige wahrgenommen werden.

Die Gesellschaft müsse bewusster fordern, dass Menschenrechte universal gelten. Es müsse klarer kommuniziert werden, was wir erwarten. Nur so könnten Migranten Teil unserer Gesellschaft werden.

Vier Problemkreise

Bei vielen Migranten herrsche eine Angst vor, die eigene Identität zu verlieren. Es müsse das Recht auf Selbstbestimmung und Meinungsfreiheit gefordert werden, insbesondere für muslimische Frauen. Weiter gehe es auch um die Religionsfreiheit, allen Religionen das Existenzrecht zuzugestehen.

Ein Problem nannte Mansour die Vermittlung von sogenanntem Buchstabenglauben. Kindern werde die Angst vor Gott beigebracht. Antisemitismus dürfe nicht klein geredet werden. Die Existenz Israel sei nicht verhandelbar, Kritik hingegen schon. In Muslimkreisen werden die Juden für alle Probleme verantwortlich gemacht, was automatisch zu Radikalismus führe.

«Es braucht neue Lösungen, damit sich etwas ändern kann», so Ahmad Mansour zum Abschluss seiner Ausführungen.

Podium sorgte für Auslegeordnung

Nach Ahmad Mansour muss viel mehr gewinnbringend gearbeitet werden. Integration sei kein Abfallprodukt. Schulen, Sozialarbeit und die breite Öffentlichkeit seien darin gefordert.

Bekim Alimi, dem Wiler Imam, stellt in seiner Arbeit eine Art verwirrte Identität fest. Das Problem stellten z.B. alleinerziehende Mütter und auch der Familiennachzug dar. Die Eltern seien vielfach nicht vorbereitet für die Einschulung ihrer Kinder. Der Streit unter Generationen eskaliere meist ohne Beratung bis zum Gefühl der Entwurzelung, dem Aufkommen von Schuldgefühlen bis zur Verfluchung durch Gott, was die Radikalisierung folgen lasse.

Nach Sicherheits-Direktor, Regierungsrat Fredy Fässler darf Integration nicht allein verbal erfolgen, sondern müsse verinnerlicht werden, soll sie gelingen. In sogenannten Gemeindeschulen förderten sie den Kontakt unter verschiedenen Kulturen und Religionen. Dialog ist nach Fässler zentral.

Deutlich sprach sich Ahmad Monsour zur Durchsetzung unserer Werthaltung aus. Der Dialog müsse auf Augenhöhe erfolgen, die richtigen Themen müssten angesprochen werden. Integration habe nichts mit Schweinefleisch essen zu tun. Es gehe um die Durchsetzung von Gleichberechtigung. Der Lehrerin die Hand zum Gruss nicht zu geben, z.B. sei nicht tolerierbar, weil das Ausdruck von Verachtung sei.

Mit verschiedenen Fragen aus dem Publikum, so auch würdigende Voten eines anwesenden Rabiners, endete die Information mit Signierung von Büchern seitens Ahmad Mansour. 

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Trotz nachstuhlen mussten letzte Gäste stehen.