Es war das dritte Fürstenland-Forum, welches die SVP des Kreises Wil durchführte. Kreisparteipräsident Bruno Dudli betonte nach der Begrüssung und der kurzen Vorstellung der Referenten, dass im Forum die Teilnehmer breit zu Wort kommen sollten. 

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Publikumsmässig kein überdurchschnittlicher Aufmarsch im Landhaus-Saal in Niederuzwil, aber eine äusserst engagiert und emotional geführte Debatte.


«Der Islam ist eine Bereicherung»

Wegen diesem Zitat von Regierungsrat Martin Klöti forderte Bruno Dudli den Verfasser zu einer Präzisierung auf. Der Angesprochene beteuerte einleitend, dass er der Einladung zum Forum angesichts der Aktualität des Themas gerne gefolgt sei. Es sei ihm ein Anliegen, die Sorgen und Ängste der Teilnehmer kennen zu lernen.

Auf das Zitat bezogen, dem Islam nicht mit Angst zu begegnen, sondern ihn als Bereicherung wahrzunehmen, riet Klöti, zwischen den Muslimen und dem Islam zu unterscheiden. Zwar gehörten 5 Prozent der Schweizer Bevölkerung dem Islam an. Aber wenige der in der Schweiz lebenden Muslime praktizierten den Islam in seiner strengen Ausprägung. 

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Regierungsrat Martin Klöti sieht den Islam als Bereicherung, die Mehrheit der Votanten als Gefahr.


«Italiener brachten die Pizza»

Die Muslime in unserem Land gehörten zudem zu einem grossen Teil bereits der zweiten Generation an. Was die Flüchtlinge betreffe, gehe deren Zahl zurück. Fast die Hälfte der Muslime hätten in den letzten zwölf Monaten keine Moschee besucht. Muslime seien keine Gefahr für uns, sondern Menschen, die bei uns freiwillig oder weil in ihren Ländern Krieg herrschte lebten und arbeiteten.

Als Vergleich zog Martin Klöti die Italiener heran, welche vor 70 Jahren als Gastarbeiter in die Schweiz gekommen waren. Heute empfinde man deren Nachfahren nicht mehr als Fremde und besuche gerne die Pizzerien, die in der Zwischenzeit wie Pilze aus dem Boden geschossen seien. Vielleicht sei das in einigen Jahren mit den Kebab-Ständen gleich.

Ein Vergleich, der hinkt

Schon bevor der zweite Referent zum Wort kam, meldete sich eine Teilnehmerin aus dem Publikum. Die heutige Situation sei mit jener der italienischen Gastarbeiter in keiner Weise zu vergleichen. Heute sei die Situation total unübersichtlich. Als Beispiel führte sie die Vorkommnisse in der Winterthurer An’nur-Moschee und die Türken-Ghettos in deutschen Grossstädten an.

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Munir Hikmat musste wegen seinem Übertritt vom Islam zu Christentum seine Heimat Marokko verlassen und wurde auch in Deutschland verfolgt.

«Islamophobie: Begründete Angst»

Nach Munir Hikmat, Islamwissenschafter mit marokkanischen Wurzeln, ist Islamophobie keine unbegründete Angst. Er selbst sei Opfer von strenger Auslegung des Korans. Nach seiner Konvertierung zum Christentum habe er seine Familie und Marokko verlassen müssen. Aber auch in Deutschland sei er verfolgt und mit dem Tod bedroht worden. Zehnmal habe er seinen Wohnsitz deswegen wechseln müssen.

Auch wenn die meisten Muslime friedlich seien, sei der Islam eine Ideologie und basiere auf dem Koran. Eine Sure rechtfertige das Lügen, eine andere das Töten von Abtrünnigen und Andersgläubigen. Es sei nicht ratsam, so Munir Hikmat, zu warten, bis sich Muslime radikalisierten. Dies geschehe heute rascher als früher. Die Möglichkeiten der elektronischen Medien würden dazu geschickt genutzt.

Aktionsplan gegen Radikalisierung

Regierungsrat Klöti führte den unter seiner Führung entstandenen nationalen Aktionsplan gegen Radikalisierung und Gewalt ins Feld. Damit werde auf Bundesebene die Situation beobachtet. Auch auf Kantonsebene verfolge man das Geschehen genau.

Scharf kritisiert wurde SP-Regierungsrat Fredy Fässler. Dieser habe mit seiner Äusserung, das vom St. Galler Volk mit Zweidrittelsmehrheit angenommene  Verhüllungsverbot sei realitätsfremd, die direkte Demokratie mit Füssen getreten. Martin Klöti verteidigte die Haltung seines Regierungskollegen. Der Kantonsrat habe die regierungsrätliche Fassung verschlechtert und das Gesetz nutz- und wirkungslos gemacht.

Ängste, Zweifel und Vorwürfe

Die Diskussion zeigte, dass «die Botschaft zwar gehört wurde, aber der Glaube fehlte». Die Votanten waren kaum zu bremsen. Manchmal ereiferten sich zwei oder drei Redner gleichzeitig. Mit Kritik an Behörden wurde nicht gespart. Sie hätten den Bezug zur Realität verloren, wurde ihnen vorgeworfen. Aktionspläne seien Papiertiger, umgesetzt würden sie nicht.

Beispiele aus Deutschland oder England zeigten, dass Muslime die Scharia bereits an die Stelle des nationalen Rechts gesetzt hätten. Der Islam sei gegen Integration und deshalb gelte es Massnahmen zu ergreifen, bevor es zu spät sei. Und vor allem müssten wir uns davor hüten, uns dem Islam in kleinen Schritten anzupassen.

Speziell erwähnt wurden der Verzicht auf Schweinefleisch und aus dem schulischen Bereich der Verzicht auf Weihnachtsfeiern, das Nachgeben beim Schwimmunterricht oder bei der Verweigerung des Händedrucks. Kritisiert wurde auch ein Lehrmittel aus dem Kanton Zürich, das die Integration statt von den Muslimen von den Schweizern fordere.

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Bruno Dudli hat als Präsident der SVP-Kreispartei Wil zum dritten Mal ein Fürstenland-Forum durchgeführt.


Als Konsequenz aus der langen und emotionalen Debatte versprach Regierungsrat Martin Klöti, bei den Schulen Gesetz und Regeln durchzusetzen und die systematische Infiltration zu bekämpfen.