Projektleiter Marko Sauer vom städtischen Departement Bau, Umwelt und Verkehr meinte: «Von uns aus können wir nächstens mit der Zwischennutzung starten.» Stadtpräsident Hans Mäder ergänzte: «Jetzt muss es vorwärts gehen.» 

Mäder und Sauer wurden vom IG-Vorstand als Gäste eingeladen, ebenso Thurkultur-Präsident David Zimmermann. Die IG Kultur Wil definiert sich als Dachorganisation der Wiler Kulturschaffenden und -interessierten.

Vor dem Start der Zwischennutzung muss sich allerdings noch die Politik äussern. Eine nicht-ständige Kommission des Stadtparlaments beschäftigt sich derzeit mit dem Thema. Kommissionmitglied Erwin Böhi (SVP) stellte entsprechende Ergebnisse bis anfangs kommenden Jahres in Aussicht.

Erste Erfahrungen sammeln

In einer ersten Phase soll der Gebäudekomplex «Turm» für die Öffentlichkeit in Form einer Übergangsnutzung zugänglich gemacht werden, dies auch um erste Erfahrungen zu sammeln. Hierbei sind allerdings vorgängig auch bau- und feuerpolizeiliche Fragen zu klären.

Mittelfristig wird eine dauerhafte Nutzung der Liegenschaft für verschiedene Zwecke angestrebt. Dabei ist als sogenannte Ankernutzung ist der Einzug der Musikschule geplant. Auch verschiedene Wohnungen sind vorgesehen, dies auch um Einnahmen zu generieren.

Im Weiteren ist auch ein «öffentliches Wohnzimmer» angedacht, ein grosser Raum, der von verschiedenen Personen und Gruppen ohne Konsumationszwang oder Eintrittsgebühren aufgesucht werden kann; so ein Ort fehle bisher in Wil, hiess es an der Veranstaltung. Eventuell wird es ergänzend auch ein Gastronomieangebot geben. 

Öfters fiel in der Präsentation das Stichwort «Möglichkeiten», will heissen: Einzelne Bereiche in der Raumstruktur sind derzeit noch nicht abschliessend definiert, sie können den jeweiligen Bedürfnissen der Besucher und Mieter angepasst werden. Flexibilität wird gross geschrieben. Bestehende Idee sind etwa Freizeitwerkstätten, Kreativateliers oder ein Raum mit einem 3D-Drucker. Insgesamt soll aus der Turm-Liegenschaft ein Begegnungs-, Kultur- und Musikschulzentrum mit Ausstrahlung entstehen, das breiten Bevölkerungsschichten offensteht.

Es wurde deutlich hervorgehoben, dass sich die Nutzungen des Hofs nach der bevorstehenden Renovationsetappe, des Gare des Lions und des «Turm» klar unterscheiden. Die Einrichtungen sollen unterschiedliche Nutzergruppen ansprechen und verschiedene Bedürfnisse erfüllen.

Effiziente Vorgehensweise

Bei einigen anwesenden Mitgliedern der IG Kultur Wil löste der fortgeschrittene Stand des hinsichtlich Projektes «Turm» positives Erstaunens aus. 

Am 12. März war der Stadtrat von einer 2/3 Mehrheit des Parlaments in einer Motion beauftragt worden, ein entsprechendes Nutzungskonzept auszuarbeiten. Trotz den widrigen Umstände mit der Pandemie konnte seither viel Vorarbeit geleitet werden. Daran waren einerseits Mitglieder des Stadtparlamentes aus unterschiedlichen Parteien sowie auch Behördenmitglieder und Mitarbeitende der Stadt beteiligt.

Unter Leitung einer auf die Entwicklung von Liegenschaften spezialisierten Firma fanden im vergangenen Jahr drei Workshops statt. Daran nahmen rund zwei Dutzend Wiler Personen aus der Politik, dem Quartier, der Wirtschaft und den Vereinen teil. Dabei wurden unterschiedliche Ideen und Bedürfnisse zu einem Nutzungskonzept verdichtet. Dieses wurde im vergangenen Juni vom Stadtrat der Öffentlichkeit vorgestellt.

Es zeigte sich, dass für einen neuen Dauerbetrieb erhebliche Bauarbeiten erforderlich sind, um die entsprechenden Vorgaben der Bau- und der Feuerpolizei sowie der Denkmalpflege zu erfüllen. Es wird dabei ein Betrag von rund 15 Millionen Franken veranschlagt, der vom Stimmvolk genehmigt werden muss. Der Zeithorizont der Umsetzung beträgt mehrere Jahre.


Neustart der IG erforderlich

Das Projekt nahm ursprünglich einen harzigen Anfang. 2015 gründeten Vertreter aus verschiedenen Kulturvereinen die IG Kultur Wil. Sie hatte sich die Nutzung des «Turm» für kulturelle Zwecke als ein Hauptziel vorgenommen. Wiederholte Verhandlungen mit Vertretern der Stadt führten zu keinem Ergebnis. 

In der Folge wollte sich der damalige Vorstand die IG ernüchtert auflösen. Einige Vereinsmitglieder gründeten ad hoc eine Übergangsvereinsleitung. 

Nach einem längeren Prozess der Neustrukturierung, wurde schliesslich 2018 ein neuer Vorstand gewählt: Dr. Sebastian Koller als Präsident, Erwin Böhi als Vizepräsident, Luc Kauf als Kassier sowie Jürgen Knopp und Mirco Calabrese als Mitglieder; seit Beginn der IG amtet Susanne Kasper als Revisorin. An der Mitgliederversammlung vom Samstag, dem 4. September wurde der Vorstand einstimmig wiedergewählt. 

Stimme der Wiler Kulturschaffenden

Wie Präsident Koller erwähnte, ist die Umnutzung der Liegenschaft «zum Turm» nach wie vor ein Hauptanliegen der IG Kultur Wil. Daneben war der Vorstand auch in anderen Bereichen aktiv, so wurden etwa der Austausch mit der Fachstelle Kultur, mit Thurkultur sowie mit der IG Kultur Ost gepflegt. 

In Zusammenarbeit der Volkshochschule wurden im Weiteren Kurse zur Mediennutzung für Kulturschaffende organisiert und es wurde eine ständige Interessenvertretung in die Kulturkommission der Stadt entsandt.