Die Mitglieder des Jahrgängervereins 1951-55 Wil und Umgebung, 40 an der Zahl, liessen sich in die Geheimnisse des Bundeshauses in Bern einweihen, folgten in der Woche der Bundesratswahl den ungeschminkten Ausführungen von Ständerätin Karin Keller-Sutter und staunten über die einmalige Uhrentechnik im jahrhunderte alten Zytgloggeturm.Mit dem Bus ging es auf dem direkten Weg in die Bundesstadt, wo sich die muntere Schar der aktiven Jahrgänger zuerst gleich im Schwellenmätteli, einem Geheimtipp an der Aare, für den politischen und geschichtlichen Nachmittag stärkten.

Wie am Flughafen
Bevor die Jahrgänger in den heiligen Hallen wandeln durften, mussten sie sich fast wie im Flughafen dem Sicherheitscheck stellen. Da wurden einigen die beschlagenen Hosenträger oder der Chüeligurt, die Hosensackkamera oder der Schlüsselbund mit Sackmesser in der Füdlitasche zum Verhängnis.

Nach einer kurzen Führung und die Erklärung der organisatorischen Abläufe für die beide Räte im Bundeshaus, verfolgte man die Debatten im Nationalratssaal. Man(n) begriff, warum es eigentlich Parlament heisst. Es wurde untereinander parliert, mit dem Laptop kommuniziert, geplaudert, viel dahergeredet und die Redner/innen am Pult parlierten in die Leere der hohen Kuppel, denn kaum jemand schien ihnen zuzuhören.

Ja oder nein oder Jein?
Wie die St.Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter beim Empfang der Jahrgänger aus der Region Wil meinte, sei das nichts Ungewohntes. "In dieser Woche gleicht das Bundeshaus ohnehin einem Bienenhaus und alle spielen verrückt, weil ein neues Mitglied in den Bundesrat gewählt wird." Ich kann euch sagen, glaubt niemandem was er sagt, denn alle werden am Schluss doch so entscheiden, wie es ihnen ganz persönlich mundet." Ganz diplomatisch liess Karin Keller-Sutter durch die Zeilen auch durchblicken, dass sie Ignazio Cassis auf den Wahlzettel schreiben werde, sich selber eine erneute Kandidatur für den Bundesrat sehr genau überlegen werde und dass die Disziplin im Ständerat bedeuten gepflegter, strukturierter und anständiger sei als im Nationalrat.

Mit dem "Nichtssagen" zu einer weiteren Kandidatur liess sie aber ganz diplomatisch und vor allem auch taktisch alles offen. Nach der Wahl von Cassis ist vor der nächsten, resp. den nächsten zwei Wahlen und da geht es einmal mehr darum, ob es eine Frau, jemand aus der Ostschweiz und jemand sein soll, der oder die eher mit den Anliegen der Linken oder der Rechten Allianzen zu mehrheitsfähige Kompromissen sucht.

Karin Keller-Sutter zur Frage betreffend Lobbyismus und Einflüsse von aussen: "Vor allem von den Medien werden diese Einflüsse zu stark und nicht immer korrekt gewertet und die Realität ist sehr weit entfernt von der Schwarzmalerei die gemacht wird. Sicher holt man sich zu Fachfragen auch Kenntnisse von Fachleuten, um sich Meinungen zu bilden", so Keller-Sutter. Die mit Abstand stärkste Lobby untereinander hätten übrigens die Bauern und diese würden in den Räten auch zusammenhalten, meinte sie weiter.

Geschichte die lebt resp. noch läuft
Einen Abstecher vom momentanen Zeitgeschehen in der Politik machten die Jahrgänger mit einem interessanten Besuch im legendären Zytgloggeturm. Die Ostschweizer liessen sich von einem Basler das Berner Wahrzeichen erklären. Sie waren hell begeistert von seinen Ausführungen, seinem Schalk, aber vor allem von der ausgeklügelten Technik und Mechanik des Uhrwerks, das immerhin schon Jahrhunderte überlebte und immer noch haargenau funktioniert.

Bevor es dann auf die Rückfahrt nach Wil ging, schlenderte man durch Berns Lauben und sichtete auch einige Bären im neuen Bärengraben. Die Bären im Graben waren real. Zuvor im Saal des Nationalrates wurde man den Verdacht nicht ganz los, dass sich einige in der Woche vor der Wahlen im politischen Bärengraben einen Bären aufgebunden haben.

Ein grosses Dankeschön gebührt Otto Wick, der einmal mehr einen perfekt organisierten und höchst interessanten Anlass für die Jahrgänger präsentierte.