Herr Altwegg, das WIOS Bildungszentrum führt seit August 2018 den neuen Lehrgang für IT-Kaufleute. Wie ist die neue Ausbildung angelaufen?
Von den 24 neuen Lernenden, welche im August bei der WIOS Ihre Ausbildung angetreten haben, absolvieren 14 die neue Zusatzausbildung zum Dipl. IT-Kaufmann WIOS bzw. zur Dipl. IT-Kauffrau WIOS. Diese Zahl zeigt uns einerseits, dass bei den angehenden Berufsleuten ein grosses Bedürfnis nach unserem neuen Bildungsangebot besteht. Es zeigt aber auch, dass der kaufmännische Beruf keineswegs unattraktiv ist, sofern die Ausbildung um zeitgemässe Komponenten ergänzt wird.

Wie muss man sich das «IT-KV» vorstellen? Wo sind die Unterschiede zur herkömmlichen KV-Lehre?
Die Lernenden absolvieren die vollwertige dreijährige kaufmännische Grundbildung mit Abschluss des eidgenössischen Fähigkeitszeugnisses. Das IT-KV ergänzt die Ausbildung mit drei Modulen in den Bereichen «IT-Systeme und Netzwerke», «Webtechnologien» sowie «Business-Anwendungen». Sozusagen entspricht das IT-KV der WIOS einer Grundausbildung in Wirtschaftsinformatik. Die Lernenden können so später anspruchsvolle Aufgaben in einer Schnittstelle zwischen Betriebswirtschaft und Informatik übernehmen. Eine Kombination, welche auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt ist.

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Claudio Altwegg, WIOS Bildungszentrum: «Das beweist, wie wichtig Innovationen aus dem privaten Bildungssektor sind.»

Wo sind die praktischen Komponenten der Ausbildung?
Als Berufsfachschule gestalten wir natürlich sämtliche Ausbildungsbestandteile sehr praxisnah. Bestandteil der IT-Zusatzausbildung sind auch drei Praxismodule, in welchen die Lernenden ein eigenes kleines Projekt erarbeiten. Hinzu kommt das einjährige Vollzeitpraktikum, wo das Gelernte in die Tat umgesetzt wird. Hier arbeiten wir spezifisch mit Betrieben im IT-nahen Umfeld zusammen.

Auch das kantonale Berufsbildungszentrum Wil zieht nach und arbeitet an einem «KV 4.0». Gibt es Parallelen zum IT-KV der WIOS?
Es ist sehr erfreulich, dass die öffentliche Hand reagiert und die Reform der kaufmännischen Grundbildung vorantreibt. Es geht sicherlich in dieselbe Richtung. Wir begrüssen diese Entwicklung und es macht uns natürlich stolz, dass wir mit dem «IT-KV» hier in der Region Wil die Stossrichtung vorgeben konnten. Das Amt für Berufsbildung des Kantons St. Gallen hat sich im Vorfeld sehr für unser Modell interessiert. Das beweist wie wichtig die Innovationen aus dem privaten Bildungssektor sind. Ein lustiger Zufall ist, dass wir in der Projektphase ebenfalls mit dem Titel «KV 4.0» gearbeitet haben. Wir haben uns dann später aber für die Bezeichnung «IT-KV» entschieden, da es die Kombination aus IT-Skills und kaufmännischem Know-How besser zum Ausdruck bringt.

Wird der kaufmännische Beruf bald aussterben?
Berufsbilder verändern sich, das ist klar. Von einem Aussterben würde ich jetzt nicht sprechen. Kein anderer Beruf bietet so viele Möglichkeiten wie der kaufmännische. Essentiell für diesen Beruf ist aber, dass nun rasche Reformen kommen, um die Ausbildung den Bedürfnissen der modernen Arbeitswelt anzupassen. Angst ist in solchen Prozessen ein schlechter Berater. Was wir brauchen, ist der Mut und der Wille zur Veränderung, dann wird das KV, das IT-KV oder das KV 4.0 eine attraktive Berufslehre bleiben.

Wie geht es mit der neuen «IT-Academy» bei der WIOS weiter?
Wir sind auf Kurs und werden an einem zukunftsorientierten Bildungsangebot in allen Bereichen weiterarbeiten. Die IT-Weiterbildung spielt da sicherlich eine wichtige Rolle. Nebst dem Lehrgang zum eidg. FA in Wirtschaftsinformatik sind weitere Bildungsangebote in diese Richtung geplant.