«Ja, es hat mich schon ziemlich geärgert, dass wir uns schon ganz früh in Planungen mit allerlei Themen befassen müssen, die keine konstruktiven Beiträge leisten, oft einfach lästig sind», lässt sich Gemeindepräsident Lucas Keel im Gemeindeblatt zitieren. «Wir wollten nur einen Spielplatz bauen, ein Haus sanieren, eine Strasse anpassen und nicht die ganze Welt retten. Die Nebenpunkte diktieren das Ziel oft ungehörig.» Und dann fände sich plötzlich im Wald oberhalb der Henauer Kirche eine alte Mauer – ob statisch oder historisch relevant, das werde sich zeigen. Doch das eigentliche Vorhaben wird definitiv durchkreuzt. Aber der Reihe nach. 

Der Kirchturm zu Henau ist das älteste Baudenkmal in der Gemeinde. Historische Quellen zum ursprünglichen Bau fehlen weitgehend. Henau hatte mit Sicherheit bereits im Jahr 892, vermutlich schon 754, eine bedeutende Vorgängerkirche. Dendrochronologische Untersuchungen ergaben, dass der heutige Turm bis mindestens zum dritten Geschoss im Jahr 1463 errichtet wurde. Die Erhöhung des Turms mit Schallarkaden, Giebelfeldern und Spitzhelm erfolgte 1495. Das ist eine ganze Weile her. Kaum erstaunlich, dass die Umgebung des Turms ein archäologisches Schutzgebiet ist. Entsprechend behutsam muss planen und bauen, wer in der Umgebung dieses auch schweizerisch bedeutenden Denkmals etwas realisieren will.

Aufgabenteilung

Kirche, Kirchturm, Friedhof und weite Teile des angrenzenden Waldes gehören der katholischen Kirchgemeinde. Das Bestattungswesen und der Betrieb der Friedhöfe hingegen sind Aufgabe der Gemeinde, so will es das Gesetz. Die Gemeinde finanziert deshalb auch Vorhaben wie das Gemeinschaftsgrab auf dem Areal der Kirche.

Vom ersten zum zweiten Projekt

Am 25. November 2019 bewilligte die Bürgerversammlung der Gemeinde einen Kredit von 350'000 Franken für die Neugestaltung des Gemeinschaftsgrabes auf dem Friedhof Henau. Aus dem damaligen Wortlaut des Kreditantrages im Budgetheft ging hervor, dass es am östlichen Ende, als Abschluss des Friedhofareals realisiert werden soll. Anlässlich der Bürgerversammlung gab es keine Wortmeldungen zum Investitionskredit. Er passierte ohne Kritik. Sie kam später, auch in Form einer Petition. Sie forderte eine Begräbnisstätte näher bei der Kirche, auf dem Niveau der Kirche, damit sie behindertengängig gut erreichbar ist. Der Gemeinderat reagierte darauf, indem er Landschaftsarchitekten mit Studien zu Alternativlösungen beauftragte. Eine schwang deutlich obenaus und wurde weiterbearbeitet. Sie sieht das Gemeinschaftsgrab unmittelbar beim Turm vor, am Böschungsfuss des Waldes, abgewandt vom Lärm der Felseggstrasse. Das Projekt fand die Zustimmung der Kirche, die Denkmalpflege begrüsst es.

Die Mauer

Der Fahrplan der Gemeinde sah vor, dass die Bürgerversammlung im November einen Richtungsentscheid fällt. Dazu kommt es nun nicht. Eine historische Mauer ausserhalb des Friedhofs stellt (fast) alles in Frage. Die Landschaftsarchitekten entdeckten diese versteckte und bisher nicht bekannte Mauer im Wald. Sie verläuft entlang der Kirche und des ganzen Friedhofes im steilen Gelände. Ihre Krone ist im Bereich des Gemeinschaftsgrabes etwa vier Meter höher als das Bodenniveau im Friedhof. Natürlich: Eine Mauer im steilen Gelände, über den Köpfen der Friedhofbesucherinnen und -besucher, ist nicht per se ein Problem. Nur: Die Mauer ist erodiert und nach einem ersten Augenschein in einem sehr schlechten Zustand. Gehölze wachsen aus der Mauerkrone, die Mauer ist beinahe komplett von Efeu und anderen Gewächsen überwuchert. Viele Steine sind lose. Die Mauer erinnert im Erscheinungsbild eher an eine zerfallende Ruine. Das löst verschiedene Anschlussfragen aus, unabhängig vom Gemeinschaftsgrab. Geht von ihr eine Gefahr für Friedhof- und Kirchenbesucherinnen und -besucher aus? Muss die Mauer aus denkmalpflegerischen oder anderen Gründen erhalten und ertüchtigt werden? Wer trägt die Kosten? Erst, wenn diese Fragen geklärt sind, kann auch das Gemeinschaftsgrab darauf abgestimmt werden. Der Dialog mit der Kirche über diese Fragen läuft. Einmal mehr gilt fürs Gemeinschaftsgrab: Fortsetzung folgt.

Das Alternativprojekt fürs Gemeinschaftsgrab überzeugt. Es sieht die Grabstätte für alle einfach zugänglich auf dem Geländeniveau der Kirche und nahe an der Kirche vor, integriert in eine langgezogene neue Mauer. Sie beherbergt Nischen und Vertiefungen, ist Ort der Trauer, der Blumen, der Kerzen und der Namensnennung. Die Asche der Verstorbenen wird in der ellipsenförmigen Blumenwiese vor der Mauer in der Erde beigesetzt. Die von der Felseggstrasse abgewendete Lage am Böschungsfuss des Waldes lässt den Blick auf die Kirche frei und verspricht einen möglichst ruhigen Ort mit dem höchstmöglichen Schutz vor Strassenlärm, der so manche Beerdigung auf dem Henauer Friedhof empfindlich stört. Die Lösung dürfte 590‘000 Franken kosten, inklusive der Umgestaltung des östlichen Abschlusses des Friedhofareals.

«Haben die das nicht früher geprüft? Das hätte man doch wissen müssen!» Keel rechnet mit Kommentaren dieser Art. «Mist», schreibt er im Gemeindeblatt. «Wir werden uns wohl weiterhin mit allerlei Nebenpunkten befassen müssen, bevor wir über Ziele reden.»