Alljährlich vor den Sommerferien lädt das Seniorenzentrum Uzwil zum Sonnmatt-Jahrmarkt ein. Einen ganzen Samstag lang herrschte auch diesmal ein reges Treiben vor und im Haus Sonnmatt. Bei so heissem Wetter wie in diesem Jahr natürlich vor allem auf dem Vorplatz. Angehörige der Bewohner und weitere Interessierte kamen zahlreich und machten den Anlass zu einem Erfolg.Vergleichbare Institutionen führen einen Basar durch, um die während des Jahres angefertigten Produkte und Bastelarbeiten zu verkaufen. Das Seniorenzentrum Uzwil, zu welchem die Häuser Sonnmatt und Marienfried gehören, setzt seit Jahren auf eine andere originelle Idee. Es bietet seine Produkte an einem Jahrmarkt an. Der zusätzliche Chilbi-Betrieb bringt mehr Publikum als nur die potentiellen Käufer aufs Areal. Ganz zentral wird der Kontakt zwischen Bewohnern und Bevölkerung angestrebt. Vor allem sollen sich auch Alt und Jung begegnen.


Schönes erkennen
Wer die Fähigkeit behalte, Schönes zu erkennen, werde nie alt, hat Franz Kafka gesagt. Es war beeindruckend, oft berührend, wie sich Kinder und alte Menschen an den gleichen Spielmöglichkeiten und den dabei erzielten Erfolgen wirklich kindlich freuten. Etwa wenn der Ball die aufgetürmten Büchsen nicht verfehlte. Oder ein kleines Geschenk beim Fischen mit dem Angelmagnet emporgehoben wurde.


Ausserdem aber gab es Möglichkeiten, die ausschliesslich den Kindern zur Verfügung standen, etwa das Ponyreiten, eine Fahrt auf der historischen Reitschule (Karussell) oder sich das Gesicht bemalen zu lassen. Gemeinsam aber sassen anschliessend Alt und Jung am gleichen Tisch, um miteinander zu essen und zu trinken und sich zu unterhalten. Die Sonnmatt-Küche zog alle Register: Wer sich einen Sommer-Teller zusammenstellte, konnte aus nicht weniger als 32 Salaten auswählen.


Auch an den Markständen sah man unwillkürlich viel Schönes, beispielsweise kunstvolle Bastelarbeiten und liebevoll hergestellte Stricksachen. Wenn auch bei der momentanen Hitze ein gestrickter Schal keine unmittelbare Notwendigkeit darstellt, so kommt der nächste Winter bestimmt. Der kluge Käufer und die kluge Käuferin bauten vor.


Das Bleibende im Wandel
In der Altersbetreuung ist seit Jahren alles in Bewegung. Von der Familie ist sie fast vollständig auf Heime übergegangen. Aber auch die Betreuung in den Heimen ändert sich laufend. Hauptgrund sind die veränderten Ansprüche der Betroffenen. Wobei «veränderte Ansprüche» in fast allen Bereichen durch «stark gestiegene Ansprüche» ersetzt werden könnte.


Als Beispiele seien der Wohnkomfort, das Essen und die Pflege erwähnt. In Mehrbettzimmern wohnte man früher. Das Seniorenzentrum Uzwil wird seine Vierbettzimmer bei der geplanten Erweiterung aufheben. Einheitskost gehört der Vergangenheit an. Heute wird neben der Möglichkeit zur Auswahl auch gesundheitlichen Bedürfnissen Rechnung getragen. Für die Pflege stehen gut ausgebildete Fachpersonen im Einsatz.


Sogar für die Gestaltung des Alltags im Heim gibt es heute Programme und Animatorinnen. Allerdings ist nach wie vor der Einsatzwille und die Einsatzfreude der Bewohner entscheidend. Offensichtlich ist es diesbezüglich in der Sonnmatt gut bestellt. Im Lauf des Jahres sind wiederum zahlreiche liebevoll angefertigte Produkte entstanden. Sie haben zweifellos bereits den Herstellerinnen und Herstellern Freude bereitet. Am Jahrmarkt haben sie viele Menschen ins Seniorenzentrum gelockt und sind von ihnen bewundert worden. Freude haben sie auch jenen Menschen gemacht, die sie erstanden haben.


Das Zentrale und Unverzichtbare aber sind zwischenmenschliche Begegnungen. Sie bereichern den Heimalltag, und sie waren wiederum ein Highlight des Sonnmatt-Jahrmarkts.
Josef Bischof