In verschiedenen Städten und Gemeinden der Ostschweiz wird unter normalen Umständen regelmässig zu Jazz Jam Sessions eingeladen. Dahinter steht das Ostschweizer Jazzkollektiv (OJK), das vom St. Galler Berufsmusiker Claude Diallo ins Leben gerufen wurde. Diesem Netzwerk gehören mittlerweile rund 500 Jazzfreunde an. Das Ziel ist es, auch in der Ostschweiz die Jazzkultur zu etablieren.

Wil als Jazzmusikertreff

Der Trompeter Lukas Häne veranstaltet seit mehreren Jahren in Zusammenarbeit mit dem OJK Jam Sessions in Wil. Auftrittsorte sind die Zwischennutzung im Hof zu Wil sowie der Gare de Lion. Zum Anfang einer Jam Session spielt jeweils eine wechselnde Formation, die sogenannte «Hausband». Am Freitagabend bestand sie aus Manfred Junker, Gitarre und Moderation, Ralph Hufenus, Kontrabass, sowie Mario Söldi, Schlagzeug. Nach einer rund halbstündigen Aufwärmrunde der Hausband sind jeweils Musikerinnen und Musiker im Publikum eingeladen mit ihrer Gesangsstimme oder ihrem Instrument mitzuwirken.

Stimmige Atmosphäre

Trotz Schutzauflagen, wie Maskenpflicht, fixer Sitzplatz, obligatorischer Registration, entwickelte sich am Freitag eine stimmungsvolle Atmosphäre. Die farbigen Effektscheinwerfer und die Nebelmaschine trugen zum Jazzclub-Ambiente bei. 

Im Publikum sass auch Mike Sarbach, OK-Chef der Kulturbühne 2021. Auf Nachfrage von hallowil zeigte er sich mit dem Verlauf der verschiedenen Kulturanlässe in der Region sehr zufrieden. «Bisher läuft alles rund.» Auch die Online-Veranstaltungen, etwa die Lesung mit dem Autor Frédéric Zwicker, seien ein Erfolg gewesen. «Man spürt, dass die Menschen froh sind, wieder ausstellen und auftreten zu können», sagte Sarbach.

Teamzusammenhalt pflegen

Im Gare de Lion wird nach der Covid-Zwangspause wieder vermehrt Leben einkehren. So öffnet etwa gemäss Sarbach am 12. Mai auf dem Vorplatz ein weiteres Mal die Sommerbar. Bereits 2020 war sie gut besucht und verhalf zu Einnahmen. «Verschiedene Personen haben uns angesprochen, ob wir nicht auch in diesem Sommer wieder die Bar führen würden.» Auch einzelne Konzertveranstaltungen sind wieder auf dem Programm des Eventlokals.

Es sei wichtig, dass die Mitarbeitenden des Gare de Lion wieder als Team zusammenarbeiten und die Betriebsabläufe reaktivieren können, sagt Sarbach. Im kulturell umgenutzten Bahnschuppen arbeiten zahlreiche Freiwillige. «Wir müssen dafür sorgen, dass sie sich nicht anderweitig orientieren», sagte Geschäftsleitungsmitglied Sarbach.

Temporäre Rollschuhbahn

Gemäss seinen Angaben wird im August auf dem Platz zwischen Silo und Gare de Lion für drei Wochen eine Rollschuhbahn mit Verpflegungsmöglichkeit eingerichtet. Dahinter steht eine Organisation, die in verschiedenen Gemeinden im Kanton eine temporäre Rollschuhbahn aufbaut. «Wir werden voraussichtlich im Kulturbahnhof  ergänzende Anlässe organisieren.»

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Innert drei Jahrzehnte hat sich das Eventlokal beim Silo zu einem der Aushängeschilder des Wiler Kulturlebens entwickelt. 


Unklare Finanzsituation

Das Verbot von Publikumsveranstaltungen zum Schutz vor der Covid-Ausbreitung hat den Gare de Lion im vergangenen Jahr auf dem linken Fuss erwischt. Partys und weitere Events helfen jeweils bei der Finanzierung von Konzerten und anderen Kulturveranstaltungen, die nicht kostendeckend sind. Mit der erzwungenen zeitweiligen Betriebseinstellung brachen in grösserem Umfang Einnahmen weg.

Um den Jahreswechsel erklärte sich die Stadt bereit, das Eventlokal mit einem Zuschuss vor der Zahlungsunfähigkeit zu bewahren. Aktuell sehe die wirtschaftliche Situation des Gare de Lion nicht dramatisch aus, meinte Sarbach, aber die nächsten Monate können einige Unwägbarkeiten mit sich bringen. Deshalb lässt sich für ihn die mittelfristige wirtschaftliche Zukunft des seit dreissig Jahren bestehenden Lokals kaum abschätzen.