Die Entscheidung, welchen Beruf man erlernen möchte, kann für viele Jugendliche eine richtige Herausforderung sein. Einige können mit der Berufswahl überfordert sein, andere wissen nicht so genau, was sie wirklich interessiert. Stimmt dieser Eindruck? Sind junge Oberstufenabgänger wirklich unentschlossen? Oder wissen die Jugendlichen von heute, welchen beruflichen Weg sie einschlagen möchten? Im Rahmen des Projekts «Seitenwechel KMU 2019» der Raiffeisenbank Regio Uzwil gibt es einen Jobtausch. hallowil.ch hat bei zwei jungen Frauen nachgefragt.

hallowil.ch: Frau Metzger und Frau Schlegel, ist es Ihnen während der Oberstufe schwer gefallen, sich für einen Beruf zu entscheiden?

Eliane Metzger, 3. Lehrjahr zur Bäckerin/Konditorin: Für mich war es keine schwere Entscheidung, weil ich schon immer wusste, dass es in Richtung Handwerk gehen wird. Eine kaufmännische Lehre kam für mich beispielsweise nicht in Frage. Eigentlich habe ich schon früh entschieden, dass ich in einer Bäckerei arbeiten möchte. In den Freundschaftsbüchern habe ich auf die Frage, was ich werden möchte, immer geantwortet: Bäckerin.

Selina Schlegel, 2. Lehrjahr zur Bankfachfrau: Als es darum ging, sich für einen Beruf zu entscheiden und eine Lehre zu finden, habe ich viele Schnupperlehren gemacht. Ich habe beispielsweise bei einem Augenoptiker geschnuppert. Danach habe ich ziemlich schnell gemerkt, dass eine kaufmännische Lehre das Richtige für mich ist. Zahlen, Sprachen und Kontakt mit Kunden – das ist meine Welt.

hallowil.ch: Frau Schlegel, warum ist es bei Ihnen nicht wie bei Frau Metzger ein handwerklicher Beruf geworden?

Selina Schlegel: (lacht). Weil ich ein Mensch bin, der lieber konsumiert statt produziert. Nein, jetzt im Ernst – ich habe kein Talent für das Handwerk.

hallowil.ch: Frau Metzger, braucht man in erster Linie Talent oder reicht auch das Interesse an einem handwerklichen Beruf?

Eliane Metzger: Sagen wir es so: Zwei linke Hände kann man in der Backstube nicht gebrauchen. Ein gewisses Mass an Talent sollte schon vorhanden sein. Ich persönlich bin überzeugt: Wenn man den Willen hat, dann kann man alles lernen.

Selina Schlegel: Ich sag es ja. Meine Kompetenzen liegen in einem völlig anderen Bereich. Ich liebe Papier auf meinem Arbeitstisch und arbeite gerne meine Aufträge ab. Und der Kontakt mit Bankkunden bereitet mir besonders viel Freude.

hallowil.ch: Wie kommt das, dass sie beide schon früh wussten, welches Berufsbild zu Ihnen passt?

Eliane Metzger: Als kleines Mädchen habe ich meiner Mama beim Backen über die Schulter geschaut. Mich hat das alles einfach fasziniert. Irgendwann konnte ich meiner Mutter in der Küche helfen. Besonders gerne habe ich einen Rüeblikuchen gebacken.

Selina Schlegel: Bei mir hat es erst in der Schnupperlehre bei meinem aktuellen Lehrbetrieb Klick gemacht. Ab diesem Moment wusste ich: Das ist es – das ist mein Traumberuf.

hallowil.ch: Welche Vorstellungen hatten Sie von Ihrem gewählten Beruf noch vor dem Lehrbeginn?

Eliane Metzger: Mir war von Anfang an bewusst, dass man während der Lehre bei einem Bäcker sehr früh aufstehen muss. Davor hatte ich echt grossen Respekt, weil ich mir nicht sicher war, ob ich es packen würde, jeden Tag um drei Uhr in den Backstube zu stehen. Zu Beginn war es echt hart, mittlerweile habe ich die Routine.

hallowil.ch: Welche Erwartungen hatten Sie zu Beginn von Ihrer Lehre und sind diese erfüllt worden?

Eliane Metzger: Mir lag es am Herzen, einen handwerklichen Beruf zu erlernen, bei dem ich am Tagesende ein Produkt sehen konnte. Also was ich den ganzen Tag geleistet habe. Und diese Erwartung wurde in meinem Fall vollumfänglich erfüllt.

Selina Schlegel: Vor dem Start meiner Lehre vor eineinhalb Jahren habe ich mir besonders spannend den Kontakt mit den unterschiedlichsten Kunden vorgestellt.

hallowil.ch: Was gefällt Ihnen besonders an Ihrem Beruf?

Eliane Metzger: Die Vielfältigkeit, die vielleicht nicht in jedem Beruf gegeben ist. Obwohl ich jeden Tag in der Backstube bin, ist jede Tag anders. Man hat so viele unterschiedliche Produkte, die während eines Tages hergestellt werden müssen. Was mir ebenfalls gefällt, ist die Steigerung des Schwierigkeitsgrades. Während man im ersten Jahr noch unspektakulär Salate für die Ladentheke zubereitet, backt man gegen Schluss Brote, kreiert Pralinen und bereitet Produkte für die Pâtisserie zu. Mit den produzierten Back- und Süsswaren macht man als Bäcker andere Menschen glücklich.

hallowil.ch: Frau Schlegel, in der Bank geht es nicht um Glücksgefühle und Konsum, sondern um Fakten und Dienstleistungen. Was ist das Beste an Ihrem Lehrberuf?

Selina Schlegel: Mein Beruf ist ebenfalls vielfältig. Wenn auch anders als beispielsweise die handwerkliche Arbeit eines Bäckers. Viele Menschen haben dieses Klischee von der Bank im Kopf und stellen sich die Arbeit einseitig und trocken vor. Aber genau das ist sie nicht. Bis jetzt war in drei komplett unterschiedlichen Abteilungen.

hallowil.ch: Welche Bankbereiche waren das?

Selina Schlegel: Im Services – da habe ich den ganzen Zahlungsverkehr kennengelernt. Am Frontoffice – das ist die Arbeit am Bankschalter. Und aktuell arbeite ich in den Vermögensberatung – da geht es um die Börse und das Anlagegeschäfts. In der Bank geht es also nicht nur um die Arbeit mit Zahlen. Hier gehört von viel mehr dazu.

hallowil.ch: Würden Sie sich wieder für Ihren gewählten Beruf entscheiden?

Eliane Metzger: Ich auf jeden Fall.

Selina Schlegel: Im Moment kann ich mir nichts Besseres als die Arbeit bei einer Bank vorstellen. 

 
Beim Projekt «Seitenwechsel KMU» geht es darum, dass ein Lehrling der Raiffeisenbank Regio Uzwil für eine Woche den Job mit einem Lehrling eines anderen Unternehmens tauscht. Dieses Jahr kooperiert man mit der Bäckerei und Konditorei Niffeler in Henau. Im Video sieht man wie sich KV-Lehrling Selina Schlegel in der Backstube bei Eliane Metzger geschlagen hat. (Video: Magdalena Ceak)