Der Andrang ist gross. «Mehr als wir erwartet haben», sagt Aldo Kopp, Vorsitzender der Bankleitung Raiffeisenbank Regio Uzwil, gleich zu Beginn des Jugend-Fachevents. 22 junge Menschen haben sich für den Workshop angemeldet und wollen an diesem Abend wissen, wie sie ihre Steuererklärung ausfüllen können. «Das grosse Interesse kann ich mir nur so erklären», so Kopp, «dass sich Jugendliche einen teuren Steuerberater nicht leisten können». Ausserdem ist Kopp überzeugt, dass dies auch nicht nötig sei. «Schliesslich müssen die Jugendlichen gerade am Anfang nicht so viel ausfüllen und können gut eine Übersicht behalten», ergänzt Kopp.

Das Wertschriftenverzeichnis wird untersucht

Schritt für Schritt geht Vermögensberater Daniel Koster, der das Fachevent leitet, vor. Auf der weissen Leinwand zeigt er den rund zwei Dutzend Jugendlichen, welche Punkte sie beachten müssen. Besonders beim Wertschriftenverzeichnis nimmt er sich die Zeit und erklärt dieses Kapitel ausführlich. «Hier ist es bedeutend, dass ihr alle Konten, die ihr besitzt, auflistet», erklärt er. Während er das Wertschriftenverzeichnis auseinandernimmt und genau erklärt, hören ihm die Teilnehmer aufmerksam zu. Nebenbei suchen sie in ihren Unterlagen nach ihren Bankkonto-Auszügen und Lohnabrechnungen.

Dass die Raiffeisenbank Regio Uzwil diesen Fachevent nun anbieten möchte, hat verschiedene Gründe. Einerseits ist nach Angaben von Kopp die Nachfrage bei ihren jungen Bankkunden vorhanden. Andererseits: «Aus meinen Erinnerungen weiss ich, wie schlimm es war, eine Steuererklärung ausfüllen zu müssen. Ich hatte keine Ahnung». Und genau da wolle man ansetzen. «Jemand muss den jungen Menschen zeigen, wo sie all die Zahlen platzieren müssen», ist Kopp überzeugt.

 
Im Video erklären teilnehmende Jugendliche, warum sie ihre Steuererklärung alleine ausfüllen möchten. (Video: Magdalena Ceak)

Steuererklärung in 30 Minuten

Die Jugendlichen beugen sich über ihre Unterlagen. Während die einen ihre Lohnabrechnungen studieren, sind andere schon einen Schritt weiter und schauen sich an, wie sie ihren Arbeitsweg und die Verpflegung am Mittag von den Steuern abziehen können. Auch hier gibt Vermögensberater Koster verschiedene Tipps: «Wer mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, kann schon einmal 700 Franken abziehen». Wer mit dem Auto täglich zur Arbeit fährt, kann schon bedeutend mehr abziehen. «Entscheidend ist hier die Weite des Arbeitsweges», weiss Koster, «wer also in Oberbüren wohnt und arbeitet, kann diesen Weg nicht mit dem Auto abrechnen». Gleiches gelte für das Mittagessen. Die Jugendliche hören aufmerksam zu. So trocken erscheint ihnen das Thema Steuererklärung nun nicht mehr. Immer wieder streckt einer der Teilnehmer seinen Arm in die Höhe und wartet dass einer der anwesenden Experten bei ihm vorbeischaut. «Die unter euch, die einen längeren Arbeitsweg haben und mittags nicht nach Hause gehen können, können pro Tag 15 Franken für das Mittagsessen verrechnen», weiss Koster. Wer beim Arbeitsgeber eine Kantine zur Verfügung habe, dürfe nur noch die Hälfte pro Tag von den Steuern abziehen. «Also 7.50 Franken», weiss Koster.

«Natürlich wird es mit den Jahren immer schwieriger die Steuererklärung auszufüllen», sagt Kopp. Aber er ist überzeugt, dass man mit «einem fundierten Basiswissen jedes Jahr dazulernen kann», sagt Kopp. Und die jungen Teilnehmer seien für das Erste schon einmal gut vorbereitet. Und er ist überzeugt, dass die Jugendlichen ab heute ihre Steuererklärung in Zukunft innerhalb von einer halben Stunde ausfüllen können. «Sobald Spenden, ein Erbe, eine Hypothek, eine Liegenschaft oder eigene Kinder hinzukommen, macht irgendwann auch ein Steuerberater einen Sinn», erklärt er.

2020 ein weiterer Fachevent zum Thema Steuererklärung

Mittlerweile beschäftigen sich die 22 Jugendlichen mit dem Thema Krankenkasseprämie. Auch hier geht Experte Koster, der jährlich um die 50 Steuerklärungen für seine Bankkunden ausfüllt, langsam und schrittweise durch. «Gibt es jemanden unter euch, der neben der Krankenkasse noch einen weiteren Beitrag bezahlt hat?», fragt Koster in die Runde. Die einen Jugendlichen zucken mit der Schulter. «Damit meine ich, wenn jemand von euch beispielsweise eine Zahnarztrechnung selbst bezahlt hat», führt Koster weiter aus. Wieder hört man Papier rasseln. Die Teilnehmer nehmen wieder ihre Unterlagen unter die Lupe.

«Ich freue mich, dass heute Abend so viele Fragen aufgetaucht sind und zeigt, wie sehr die Jugendlichen ihre eigene Steuererklärung alleine ausfüllen möchten», sagt Kopp. Hätten die Jugendlichen die Steuererklärung alleine ausgefüllt, wären dieselben Fragen auch zu Hause aufgetreten. «Nur hätten die Eltern ihnen nicht in jedem Fall eine Antwort parat», meint Kopp, der überzeugt ist, dass die Raiffeisenbank Regio Uzwil nächstes Jahr denselben Jugend-Fachevent durchführen wird.