Vor acht Jahren startete Bea Brändle als Religionslehrerin an der Oberstufe Niederuzwil. Zusätzlich absolvierte sie das Nachdiplomstudium kirchliche Jugendarbeit und übernahm die Aufgabe als Jugendseelsorgerin. Per Ende Schuljahr verlässt sie nun die Kirchgemeinde. Eine intensive Sprachausbildung ist ihr nächstes Ziel.«Bea Brändle hat uns mit ihrer Kündigung überrascht», sagte der Niederuzwiler Pfarreibeauftragte Klaus Gremminger am Abschiedsfest. «Wir lassen sie nicht gerne gehen. Bei uns hat sie ihre Berufung gelebt. Sie war mit ganzen Herzen Jugendseelsorgerin», anerkannte er. Bea Brändle hat zusätzlich zum Religionsunterricht den Jugendtreff Enjoy it verantwortet. Jugendliche ab der ersten Oberstufe verbringen dort gemeinsame Zeit und gestalten ihre Freizeit positiv. Ausserdem war die Schwarzenbacherin auch in der Jugendarbeit im Dekanat aktiv.

Engagierte Jugendseelsorgerin
Michael Hanke, zusammen mit Caroline Mettler Stellenleiter der Animationsstelle kirchliche Jugendarbeit (akj) des Dekanats Gossau, hat Bea Brändle in der Zusammenarbeit kennengelernt. Er habe bereits bei der ersten Begegnung erlebt, dass sie Vollgas gebe, sagte er. In Rekordzeit habe sie die Module des Nachdiplomstudiums absolviert und er habe sie als ehrlich, authentisch, impulsiv, direkt, engagiert und leidenschaftlich erfahren. Sie habe in der Jugendarbeit eine hohe Qualität gewahrt und eine gute Beziehungsarbeit gepflegt. «Sie hat ihre Arbeit geliebt», lobte er. Er berichtete von intensiven, gemeinsamen Erfahrungen an Jugendanlässen, sprach von «heiligen Stimmungen» und gab seiner Freude Ausdruck, dass der Jugendtreff Enjoy it mit Katechetin Alexandra Castelberg eine neue Leiterin bekommt, die mit dem jugendlichen Team das Angebot weiterführt.

Pius Böhi, Ressortverantwortlicher Jugendarbeit im Kirchenverwaltungsrat Henau-Niederuzwil, dankte Bea Brändle im Namen der Kirchgemeinde und gab ihr Geschenke für ihren mehrmonatigen Sprachaufenthalt in Sidney, Australien, mit. Das ist das nächste grosse Projekt, das die scheidende Jugendseelsorgerin auf der Agenda hat. Die weiteren Schritte danach sind noch offen.

Gutes erlebt
Bea Brändle selber bedankte sich bei ihren Gästen, die entweder in der Schule oder innerhalb der Kirchgemeinde in irgendeiner Weise begleitet und bei verschiedenen Projekten unterstützt haben. «Ich habe gute Menschen kennengelernt und Gutes erlebt», sagte sie. Seitens des Kirchenverwaltungsrats und der Eltern habe sie Vertrauen erfahren, der Pfarreirat habe sich für ihre Arbeit interessiert und in der Schule habe sie ihren Platz gefunden. Einen grossen Dank richtete sie an ihren Mann Toni, der an diesem Abend die Würste grillierte. Er habe sie immer gewähren lassen und ihr den Rücken freigehalten. Auch sie zeigte sich erleichtert, dass der Jugendtreff Enjoy it weitergeführt wird.

«Jugendliche sind offen und ehrlich»
Im Gespräch verriet Bea Brändle, was sie an der Jugendarbeit fasziniert hat. «Die Jugendlichen sind fadengerade ehrlich. Das ist nicht immer angenehm, aber man weiss, woran man ist. Sie sagen, was sie brauchen.» Ja, sie liessen sich durchaus auf Glaubensfragen ein und sie würden die Anlässe des Jugendtreffs geniessen, weil sie sich in diesem ungezwungenen Rahmen selber sein können. «Die heutigen Jugendlichen haben einen enormen Stress. Sie müssen gut und schön, voll dabei sein und eine Leistung erbringen. Wer viele «Likes» hat, gehört dazu», umschrieb sie den Druck, den sich die Jugendlichen selber machen. Der Young Power Kurs, ein Angebot der akj, der sich der Persönlichkeitsbildung und der Gruppendynamik annimmt, habe auf der anderen Seite schon Erstaunliches bewirkt, wie sich Bea Brändle freut.

Sie selber liess sich auf die Kommunikationswege der Jugendlichen ein und bewegte sich mit ihnen auf Facebook und Co. Auf diesem Weg sprachen Jugendliche sie auch in der Freizeit an, wenn sie ein Problem erörtern wollten. «Jugendliche kennen keine Zeit; ein Anruf konnte auch mal um 22 Uhr kommen», sagte Bea Brändle. Sie war für sie da, hörte zu, ermutigte und – lernte, mit Geschichten umzugehen, die nicht ganz alltäglich sind.