Am Dienstagabend erhielt der in Wil aufgewachsene Thomas Gemperle mit seinen zwei Firmenpartnern den „ZKB-Pionierpreis Technopark 2018“. Ihr Produkt wird die Lebensqualität von Rollstuhlfahrern enorm verbessern, denn ihr „Scewo“ besticht nicht nur durch sein Design, sondern auch durch die Fähigkeit Treppen zu meistern.«Unser Rollstuhl „Scewo“ soll in erster Linie die Wertschätzung gegenüber benachteiligten Mitmenschen verbessern. Da Gehbehinderte und Rollstuhlfahrer ein kleiner Teil unserer Gesellschaft ausmacht, sind wir uns bewusst, dass man oft nur wenig Rücksicht auf sie nimmt.» Starke Worte eines Jungpioniers, der 30 Jahre lang in Wil gelebt hat und kürzlich nach Winterthur umgezogen ist. Thomas Gemperle (30) sagt, dass er zusammen mit seiner Partnerin in die Eulachstadt gezogen ist, weil sich sein Arbeitsort dort befindet. «In Wil hat es mir immer sehr gut gefallen. Ich bin nun dahingehend weggezogen, da ich jetzt beruflich hauptsächlich in Winterthur, wo sich auch unser Büro befindet, tätig sein.»

Der in seiner Freizeit curling- und unihockeyspielende Gemperle gehört zum Siegerteam des mit knapp 100'000 Franken dotierten „ZKB-Pionierpreis Technopark 2018“. Was anfänglich mit einem Team aus zehn Studenten seinen Lauf nahm, endete mit einem Trio bestehend aus Thomas Gemperle, Pascal Buholzer (Rapperswil) und Bernhard Winter (Winterthur).

Revolutionärer Rollstuhl
Ihr Ziel bestand darin, einen Rollstuhl zu entwickeln der dem 21. Jahrhundert gerecht werden soll; und das ist den innovativen, jungen Berufsleuten gelungen. Thomas Gemperle hat mit seinen beiden Co-Gründern der Firma Scewo, einen treppensteigenden Rollstuhl designt und entwickelt. Für die Jungunternehmer war von Beginn an des Projekts klar, dass man hiermit einer Minderheit etwas Gutes tun will – und das ist ihnen mit dem Rollstuhl „Scewo“ überaus gelungen.

Steile Karriere
Thomas Gemperle hat ursprünglich die Berufslehre als Schreiner absolviert, ehe er das Studium als Holztechniker abgeschlossen hat. «In der Zeit dieses Studiums in Biel, öffneten sich erste Türen für meine berufliche Zukunft. In Dresden konnte ich ein zehnmonatiges Praktikum in Produktdesign belegen und hierbei hat es mich voll reingezogen in diese spannende Materie. Nach einem Abstecher in die Produkteentwicklung stellte sich dann aber schnell heraus, wie ich meinen Fokus legen will.»

Noch ein Studium
Gemperle absolvierte erneut ein Studium, diesmal in Industriedesign. Viel gelernt – unter anderem auch die italienische Sprache – habe er dann im Praktikum in Mailand. «Das war dann der effektive Startschuss zu meiner bis anhin tollen Karriere mit dem Erreichen dieses Meilensteines; dem neuen Rollstuhl „Scewo“.» Vorher hatte Gemperle kein Wissen betreffend Rollstuhlfahrer, er habe auch selten bis gar nie Kontakt mit einem geh-beeinträchtigten Menschen gehabt.

«Nach vielen Kontakten mit Rollstuhlfahrern gehe ich heute anders durchs Leben»
Thomas Gemperle, Preisträger aus Wil

«Ich hatte nicht unbedingt Berührungsängste im Umgang mit beeinträchtigten Mitmenschen. Aber eine gewisse Distanz begleitete mich schon. Das hat sich dann aber mit der Lancierung unseres Projektes schnell geändert. Wir führten zahlreiche Gespräche mit Rollstuhlfahrer und nahmen ihre Anliegen auf. Seit diesem Zeitpunkt gehe ich ganz anders durch das tägliche Leben, ich achte vielmehr auf Problemstellen wie sie etwa an Bahnhöfen vorkommen.» Im Sommer 2019 werden, Stand jetzt, die ersten treppensteigenden Rollstühle ausgeliefert. Bis dahin werden noch Änderungen und Feinheiten am Gerät vorgenommen. Preislich bewegen sich die „Scewos“ im Segment der heutigen elektrischen Rollstühle; also auch hier absolute Fairness gegenüber Rollstuhlfahrer.


Der Pionierpreis

Sie sind jung, innovativ und wagen mutig den Schritt ins Ungewisse – die Zürcher Start-ups. Mit grossartigen Ideen und meist kleinem Budget setzen sie sich unermüdlich ein, um ihren Traum zu verwirklichen und unsere Zukunft mitzugestalten.

Der Pionierpreis, welcher von der Zürcher Kantonalbank und dem Technopark Zürich vergeben wird, würdigt das Engagement und die Risikobereitschaft dieser Start-ups und prämiert jedes Jahr ein besonders spannendes und erfolgsversprechendes technisches Projekt, welches sich an der Schwelle zum Markteintritt befindet.

Der Preis ist mit 98’696.04 Franken dotiert – einer ungewöhnlichen Summe, aber einer Zahl mit Symbolkraft. Sie entspricht dem 10’000-fachen Wert der Zahl Pi Quadrat und steht damit für Stärke, Weitsicht und Faszination.

Als einer der wichtigsten Innovationspreise der Schweiz verhilft der Pionierpreis den jungen Unternehmen aber nicht nur zu zusätzlichem Kapital und dem begehrten Qualitätslabel, sondern bietet ihnen auch eine Bühne, auf der sie sich der Öffentlichkeit präsentieren können. An der Preisverleihung im Frühling nehmen jeweils namhafte Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft sowie verschiedene Medienvertreter teil.

Der ZKB Pionierpreis Technopark gilt als einer der wichtigsten Innovationspreise für
Jungunternehmen in der Schweiz. Er wird seit 2001 jedes Jahr von der Zürcher
Kantonalbank und der Stiftung Technopark Zürich verliehen.