Obwohl gemordet wird, geht es nicht um einen herkömmlichen Krimi, sondern um gefährlichen Zickenkrieg und Knatsch, die zum engen Zusammenleben im Frauenknast gehören, die aber auch ein Abbild unseres gewöhnlichen Lebens ausserhalb der Knastmauern bilden. Die dramatische Story lässt tief in die Abgründe der menschlichen Seele blicken, wirft Fragen von Recht und Unrecht auf und gipfelt in der Frage, wer eigentlich die ‘Lebenslänglichen’ sind, die Insassen oder die draussen. Premiere ist am 5. September.

Schwere Fälle sind sie alle, die vier Frauen, auch wenn sie unterschiedlicher kaum sein könnten, haben eines gemeinsam: sie sitzen wegen schweren Verbrechen im Knast und haben kaum etwas zu verlieren. Da ist die junge, zartbesaitete Tanja, die ihr neugeborenes Kind ermordet hat, um ihm ein Leben in unserer bösen Welt zu ersparen. Sie sehnt sich in ihrem beginnenden Wahnsinn in die Nähe ihres Kindes, sie drängt zum Suizid. Ausgerechnet mit der gemeinen, schroffen Heidi, die ihren Mann aus Eifersucht recht unzimperlich erschlagen hat, wird sie in eine Zweierzelle gesteckt. Den Gefängnishof beherrscht Sylvia, das skrupellose Alpha-Tier, nach ihren Regeln funktioniert der ganze Knast. Und schliesslich ist da noch die flippige Steffi, die Geschwätzige, Leichtsinnige, die nichts ernst nimmt, sich für jedes Spektakel begeistert und sich schnell an alles und alle ranmacht. Das Aufsichtspersonal hat alle Hände voll zu tun, muss Streitigkeiten schlichten, Überblick bewahren und Gefahren mildern. Dabei braut sich unter den Insassinnen ein dramatisches Gewitter zusammen, und am Ende trifft es – die Falsche.

Die TheaterZone steht kurz vor der Première

Aufs höchste gespannt sind auch die fast 20 Schauspielerinnen, die zu den grösseren Endproben der Theater Zone Wil zusammenkommen. Seit fast einem Jahr laufen die Proben des Ensembles, nun aber gilt’s ernst: «Am Fenster – Endstation Frauenknast» ist das erste Theaterstück des neuen Theatervereins Theater Zone, der sich die Ausbildung und Förderung von Laienschauspielern auf die Fahne geschrieben hat. Man darf also ein anspruchsvolles Theater auf hohem Niveau erwarten, keine leichte Kost. Das Spiel will nicht bloss unterhalten, sondern wirft Fragen nach Freiheit und Gerechtigkeit auf und provoziert zum Mitdenken und Mitfühlen.

Das Publikum im Frauenknast?

Niemand kann einfach durch das Knastfenster in die Zellen hinein gaffen, sondern wir alle erleben die Knastatmosphäre am eigenen Leib. Bereits schon das Theaterticket ist als Strafvollzugsanordnung gestaltet, beim Eintritt in die Haftanstalt Lokremise Wil werden die Besucher in Blöcke eingewiesen, erhalten einen Knastfrass vorgesetzt, dürfen sich dann zum Hofgang unter die anderen Häftlinge mischen und fühlen sich sofort mitten im Knast – ein eigenartiges Erlebnis. Dabei verwischen sich die anfänglich klaren Grenzen zwischen Drinnen und Draussen zusehends, Aufsichtspersonal und Insassen sind zunehmend verunsichert, was eigentlich Freiheit ist, und wer denn eigentlich die Gefangenen sind, die drinnen oder die draussen. Und schliesslich merkt man überrascht, dass im engen, vulgären Umfeld des Frauenknastes gar nicht andere Regeln gelten als im freien Leben draussen. Hier wie dort gibt es skrupellose Unmenschlichkeit, und an beiden Ort erahnt man auch menschliche Wärme und Mitgefühl. Trotzdem wird man aufatmen, wenn man nach 120 spannenden Minuten wieder in die ‘Freiheit’ entlassen wird, dies allerdings nur bei guter Führung!

Der Vorverkauf läuft

Die alte Lokremise hinter dem Bahnhof Wil gibt einen sehr stimmungsvollen Rahmen für den Frauenknast her. Im Vorverkauf sind für die drei Aufführungen am 5./6./7. September noch Plätze erhältlich. Tickets kann man mit oder ohne Knastfrass bestellen.