Die Wirtschaft setzt seit Jahren auf Wachstum. Das ist ein verhängnisvoller Irrtum, sagt Referent Prof. Dr. Paech. Was steckt tatsächlich hinter den heute weit verbreiteten Stressfaktoren, Burn-Out oder sogar Depressionen? Das ist das Thema vom kommenden Montag 1. April um 09.00 Uhr im Cinewil.

In seinem Referat im Rahmen des Impuls-Forums zeigt Experte Prof. Dr. Niko Paech Alternativen auf und wie wir uns gegen negative Auswirkungen übermässigen Konsums schützen können. Fast überall gilt heute das Gebot, dass nur eine wachsende Wirtschaft das Glück der Menschen befördert. Referent Niko Paech, Dozent und Forscher an der Universität Oldenbourg, behauptet das Gegenteil. Stress, Orientierungslosigkeit und Burn-Out charakterisieren für ihn den Normalzustand moderner Gesellschaften. Davon sind immer mehr Menschen betroffen. Während des letzten Jahrzehnts hat sich die Menge an Antidepressions-Verschreibungen in fortgeschrittenen Industrieländern verdoppelt. Unser Leben ist vollgepfropft mit Produkten, Dienstleistungen, Mobilität, Kommunikationstechnologien und Ereignissen. Es fehlt die Zeit, dies alles so „abzuarbeiten“, dass ein spürbarer Nutzen daraus entsteht.

„Weniger ist mehr!“

Der Referent vertritt mit Nachdruck: Konsumaktivitäten allein können keine Glücksgefühle oder langfristige Zufriedenheit verursachen. Allem, was wir tun, muss ein Minimum an Aufmerksamkeit gewidmet werden. Und das geht nicht, ohne eigene Zeit zu investieren. Für viele ist heute die Frage: woher nehmen? Im Unterschied zu Produkten, Qualifikationen, Konsumentenzahlen und verfügbarer Energie ist Zeit nämlich eine ganz eigene Ressource: Sie lässt sich nicht vermehren. Der Tag hat 24 Stunden, und keine einzige mehr. Diese natürliche Gegebenheit durch menschliches „Multitasking“ überlisten zu wollen – also verschiedene Dinge gleichzeitig zu verrichten – ist eine Illusion. Prof. Dr. Niko Paech wirbt für die Einstellung, die man in letzter Zeit Entschleunigung nennt: mehr Zeit für uns alle.

Eine entschleunigte und damit maßvollere Ökonomie täte seiner Meinung nach der Umwelt und uns allen gut.

Nötig dazu ist für ihn nicht nur ein Umbau, sondern sogar der Rückbau unserer Überversorgung. Für Niko Paech ist das Sprichwort „Weniger ist mehr“ das Prinzip unseres zukünftigen Wirtschaftens. Und das meint er wörtlich. Das gemächlicher verlaufende Berufs- und Erwerbsleben brächte den Menschen mehr Lebensqualität. Sie hätte mehr Glückspotential in sich. Eine glückstiftende Ökonomie sollte wieder vermehrt dazu ermutigen, Dinge selbst zu machen und auf Überflüssiges zu verzichten. Was ein solches Umdenken bringt, entwickelt der Wirtschaftsforscher am nächsten Montag im Cinéwil. (pd.)

Nächster Vortrag im Frühlingsprogramm des Impuls-Forums Wil:

Niko Paech: „All you need is less“. Vom Glück ohne Kerosin. Montag, 1. 4. 2019, Cinéwil, Beginn 09.00. Auskünfte, Tickets und Platzreservationen unter www.impuls-forum.ch und auf Telefon 071 940 02 48.

„Weniger ist mehr“ – für Experte Niko Paech die Devise unseres zukünftigen Lebens