Kaum eine Figur ist so bekannt wie der Kaminfeger: Es braucht nur einen Schattenriss mit den Symbolen wie Zylinder und Leiter – und schon weiss man, wer gemeint ist. «Neben dem Samichlaus ist der Kaminfeger die einzige Figur, die die Menschen auch in echt sehen», sagt Kaminfegermeister Boris Hunziker von der Kaminfeger-Toggenburg GmbH in Mosnang. Ein alter, traditionsreicher Beruf sei es. Und ein wichtiger noch dazu. So hätten schon vor vielen Jahren Könige, Fürste und andere Oberhäupter aus Sicherheitsgründen Weisungen erlassen, welche die Menschen verpflichteten, die Schornsteine durch den Kaminfeger russen zu lassen.

Darüber hinaus ist der Kaminfeger das Glückssymbol schlechthin. Woher kommt dieser Ruf eigentlich? «Wir reinigen die Kamine von sogenanntem Glanzruss, einer Art Pech, der zu Kaminbränden führt. Diese Kaminbrände können heute noch gefährlich sein. Früher sind so ganze Stadtteile abgebrannt. So hat sich ‹Pech gehabt› im Volksmund etabliert. Wenn wir durch die Reinigung Brände verhindern, so haben die Hausbewohner entsprechend ‹Glück gehabt›» Diese Glücksbringer wurden früher so hoch geschätzt, dass der Kaminfeger entgegen der Kleidervorschriften das Recht bekam, während der täglichen Arbeiten einen Zylinder zu tragen. Trotz des überaus guten Rufs der Branche: Die Suche nach Nachwuchs gestaltet sich schwierig. «Wir kämpfen wie alle Handwerksberufe mit dem Mangel an Interesse», sagt Boris Hunziker. Dabei sind in der Kaminfeger-Toggenburg GmbH durchaus auch Quereinsteiger willkommen. Hunziker führt den Mangel darauf zurück, dass es ein Beruf sei, der auch körperlich ganz schön streng sein könne, «muesch halt schaffe». Er selbst hat diesem Motto stets Folge geleistet. So kann das Unternehmen 2020 sein 20-jähriges Bestehen feiern.

Im Video: Was die Kaminfeger alles leisten

 

Von Schmuck und Mundschutz

Boris Hunziker bildet jeweils ein bis zwei Lernende aus. Derzeit ist eine Lehrtochter im dritten Lehrjahr bei ihm in der Ausbildung. Nebst ihm als Kaminfegermeister arbeiten zwei Büroangestellte, neun Gesellinnen und Gesellen im Unternehmen. «Wir nennen sie scherzhaft ‹Schwarze› oder ‹Schwarzarbeiter›», erklärt er. Zum typischen schwarzen Tenue mit Zylinder gehört auch ein Halstuch, das in jedem Land eine andere Farbe habe. In der Schweiz trage man das «Glarner Tüechli», das quadratische Baumwollhalstuch mit orientalisch angehauchten Mustern. Das Halstuch diente in erster Linie der Sicherheit und nicht dem Schmuck. Es war beim Einsteigen in die Kamine ein Mund- und Atemschutz.

Die Erstausbildung zum Kaminfeger dauert drei Jahre, abgeschlossen wird sie mit dem «Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis Kaminfeger/in EFZ». Danach können höhere Fachprüfungen wie zum Beispiel zum Kaminfegermeister, Feuerungskontrolleur Feuerungs- oder Brandschutzfachmann abgelegt werden. Um als Quereinsteiger in den Beruf einzusteigen, sei der Abschluss ebenfalls zwingend. Allerdings kann die Ausbildung auch in nur zwei Jahren absolviert werden. Personen ab Mitte 20 brächten mehr Lebenserfahrung mit und verfügten zudem meist auch schon über einen eigenen Führerschein. Dieser ist als Kaminfeger wichtig, denn ohne Kundenbesuch geht es nicht. «Du bist nicht immer in der gleichen Gegend unterwegs, das macht es spannend», sagt Hunziker. Ein Kaminfeger schaut auch in Zeiten von Heizungsapps und Erdwärmesonden noch höchstpersönlich zu den Heizungsanlagen und Schornsteinen, reinigt diese wo nötig und ist dabei auch mal Lebensretter. «Im vergangenen Jahr haben wir eine Stockente lebendig aus einem Kamin befreit», erzählt Boris Hunziker. Das sei das schrägste gewesen, was ihm bisher begegnet sei. Die Ente versuchte wohl, auf dem Kamin zu landen und fiel dabei hinein.


Von Vielseitigkeit und Leidenschaft

Der Einsatz in und am Schornstein ist heute der kleinste Teil im Beruf des Kaminfegers: So wartet die Kaminfeger-Toggenburg GmbH moderne, computergesteuerte Holz-, Öl- und Gasfeuerungen sowie Lüftungsanlagen, übernimmt die Feuerungskontrolle, kümmert sich um den Brandschutz und berät Kunden in Bezug auf die Feuerung. Das Themengebiet ist vielfältig. Ebenso sei die Arbeit an sich abwechslungsreich und werde unterstützt durch Technik wie Mess- und Analysegeräte sowie moderne Reinigungswerkzeuge.

«Als Kaminfeger bist du meistens alleine unterwegs, arbeitest also selbstständig. Gleichzeitig hast du aber engen Kundenkontakt.» Neben dem handwerklichen Geschick seien auch organisatorisches Können sowie Einfühlungsvermögen und Feingefühl vonnöten. «Ob reich oder arm, exzentrisch oder zurückgezogen: Wir betreten alle möglichen Lebenswelten und haben Einblick in viele verschiedenen Haushalte», sagt Hunziker. Neben dem Ruf als Glücksbringer sei das ein ganz besonderes Privileg seines Berufsstandes.