Antibiotikaresistenzen nehmen besorgniserregend zu. Damit wird die Behandlung bakterieller Krankheiten erschwert oder gar verunmöglicht. Weil dies für Mensch und Tier zutrifft, hat sich die Landwirtschaftliche Vereinigung der Region Wil an ihrer Hauptversammlung von einer Fachfrau, der Tierärztin Katja Reitt, Bereichsleiterin Veterinärdiagnostik im Zentrum für Labormedizin in St. Gallen, über die aktuelle Situation ins Bild setzen lassen. Auf einen einfachen Nenner gebracht gilt auch in der Tiermedizin, dass Vorbeugen besser als Heilen ist. Die Tierärztin riet den Bauern, die Massnahmen der Prävention voll auszuschöpfen und den Einsatz von Antibiotika auf ein Minimum zu beschränken.Antibiotikaresistenzen machen Angst. Bei Menschen gebe es Fälle, bei denen die Medizin am Ende ihres Lateins sei, stellte Katja Reitt fest, Erkrankungen, bei denen keine Antibiotika mehr ansprechen würden, die nicht mehr therapierbar seien. Deshalb sei eine Polemik um die Schuldfrage entstanden. Wobei oft versucht werde, der Landwirtschaft den Schwarzen Peter zuzuschieben.

Schweizer Nutztiere sind gesund
Die Schweizer Bauern aber hätten gute Argumente, um sich dagegen zu wehren. Die Landwirtschaft brauche eher die älteren Substanzen, welche bei den Menschen schon gar nicht mehr wirkten. Und sie setze diese wirklich nur dort ein, wo sie notwendig seien. Die eingesetzte Menge an Antibiotika sei in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Die auf diesem Gebiet unternommenen Anstrengungen hätten die Schweiz an die Weltspitze bezüglich der Tiergesundheit geführt.

Wie Antibiotika wirken
Ein Antibiotikum hat die Aufgabe, Bakterien abzutöten. Das ist auf drei Arten möglich. Entweder zerstört es die Zellwand der Bakterien, oder es behindert deren Stoffwechsel, oder es erschwert die Zellteilung. Das funktioniert aber nicht in jedem Fall. Einerseits bestimmt die natürliche Resistenz das Wirkungsspektrum eines Antibiotikums. Die Natur ist zudem in allen Bereichen «lernfähig». Durch Änderung des Erbgutes kann eine Unempfindlichkeit gegenüber einem Wirkstoff erworben werden. Letzterem entgegenzuwirken ist nur durch äusserst sparsamen Einsatz von Antibiotika möglich.

Vorbeugen ist besser als Heilen
Die Strategie gegen Antibiotikaresistenzen hat zum Ziel, die Wirksamkeit der Antibiotika zur Erhaltung der menschlichen und tierischen Gesundheit weiterhin zu gewährleisten. Dabei hat die Prävention Vorrang vor der Reparaturmedizin.

Für die Tierhaltung ergeben sich daraus ein paar zentrale Forderungen. An erster Stelle nannte die Tierärztin die Hygiene. Diese ist mit Aufwand verbunden und erfordert neben allgemeiner Sauberkeit oft gezielte Massnahmen in der Tierhaltung (Kälber-Iglus, Schleusen, Desinfektion). Eine wichtige Rolle spielen Haltungsbedingungen und leistungsgerechte Fütterung und Futterqualität. Unter Umständen müssen die Zuchtziele angepasst werden. Der Landwirt muss Tierkrankheiten kennen und erkennen. Auch der Einsatz von Impfprophylaxe oder der Gesundheitsdienste kann nötig sein.

Ganz wichtig sei es auch, dass im Krankheitsfall – meist schon im Verdachtsfall – Massnahmen rasch ergriffen würden, betonte Katja Reitt. Epidemische Ausbreitung einer Krankheit müsse unbedingt vermieden werden.

Christof Signer löst Martin Brunnschweiler als Präsident ab
Die Landwirtschaftliche Vereinigung der Region Wil ist eine von acht Sektionen des St. Galler Bauernverbandes. An der Hauptversammlung im Rössli in Henau ist der Vorstand für eine weitere Amtsdauer neu bestellt worden. Ihren Rücktritt aus dem Vorstand hatten der Präsident Martin Brunnschweiler nach acht Jahren und Urban Weber nach 17 Jahren erklärt. Für den Präsidenten gilt eine Amtszeitbeschränkung von acht Jahren. Der neue Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: Christof Signer, Niederbüren (Präsident), Daniel Wick, Zuzwil (Aktuar), Christof Eisenring, Wolfertswil (Kassier), Bruno Wagner, Niederbüren, und Thomas Hollenstein, Rossrüti.

Wichtiger Entscheid des Volkes
In seinem Jahresbericht streifte Präsident Martin Brunnschweiler wichtige Ereignisse aus seiner achtjährigen Amtszeit. Direktzahlungen beleuchtete er ebenso kritisch wie Landschaftsqualitätsbeiträge. Als nachhaltigstes Ereignis aus dem vergangenen Jahr erwähnte er den starken Frost, der bei einem Teil der Obstbäume einen Totalausfall der Ernte zur Folge gehabt habe. Dass die Abstimmung zur Ernährungssicherheit eine Zustimmung von 80 Prozent erreicht hat, vermerkte Brunnschweiler mit Genugtuung.

Gegen weitere Grenzöffnung
Peter Nüesch, Präsident des St. Galler Bauernverbandes, bezeichnete die überwältigende Zustimmung zur Ernährungssicherheit als Rückenstärkung für die Bauern bei den aktuellen Auseinandersetzungen. Die aus dem vorgesehenen Grenzabbau resultierende Senkung der Preise für landwirtschaftliche Produkte um 30 bis 50 Prozent kritisierte er als unannehmbar. Auch bezüglich des geplanten Freihandelsabkommens mit südamerikanischen Staaten werde die Landwirtschaft ihren Widerstand fortsetzen.

Riga 18 mit oder ohne Bauern?
Die Frage des Präsidenten, ob sich die Landwirtschaftliche Vereinigung der Region Wil an der Riga 18, der regionalen Industrie- und Gewerbeausstellung, welche vom 31. Mai bis 3. Juni in Uzwil stattfinden wird, beteiligen soll, blieb unbeantwortet. Der Kantonalpräsident aber ermunterte die regionale Sektion, sich die Chance einer Präsentation und des Kontaktes mit der nicht bäuerlichen Bevölkerung nicht entgehen zu lassen.

Ausserdem warnte Peter Nüesch seine Berufskollegen, sich bezüglich der Hornkuh-Initiative nicht auseinander dividieren zu lassen und sich vom Namen der Initiative für sauberes Trinkwasser nicht täuschen zu lassen. In der Konsequenz würde das Begehren der Landwirtschaft den Todesstoss versetzen.