Zur Veranstaltung eingeladen hatten die vier Ortsparteien und das Bündnis Uzwil. Eine Hundertschaft interessierter Bürger fand sich im Gemeindesaal ein, wo das Einhalten des Covid-19-Schutzkonzeptes rigoros eingefordert wurde. Johannes Gunzenreiner, ein erfahrener Lehrer und Lehrerbildner, konfrontierte die Kandidaten als Moderator mit aktuellen Fragen aus dem Bildungsbereich.

Bei der Gegenüberstellung der Präsidiumsbewerber hatte Daniel Wyder den Vorteil, als Amtsinhaber seit acht Jahren die Aufgaben und Abläufe besser zu kennen. Er übt das Amt jetzt im 80-Prozentpensum aus. Auf die Frage, ob es auch im 50- oder 60-Prozentpensum möglich wäre, antwortete er, dies würde strategische Anpassungen erfordern. Beispielsweise müssten mehr Aufgaben durch die Verwaltung übernommen werden. Marion Harzenmoser möchte keine zusätzlichen Aufgaben der Verwaltung überbürden: «Sonst müsste die Verwaltung auch vom Volk gewählt werden.» Zum Präsidiumspensum würde sie sich erst nach einer Einarbeitungszeit äussern können und wenn sie die Belastung durch das Gemeinderatsmandat kennen würde. Daniel Wyder bewirbt sich um die Wiederwahl, weil er die Arbeit und die laufenden Projekte gerne weiterführen und die Schule weiterentwickeln möchte. Er ist überzeugt, dass Uzwil eine gute Schule hat, was auch eine Zufriedenheitsumfrage bei den Lehrpersonen ergeben habe. Marion Harzenmoser spürt den Unmut und das Missbehagen in nicht konkret benannten Lehrer- und Elternkreisen. Für sie sind zufriedene Lehrer und zufriedene Schüler das A und O und die Voraussetzung für den Lernerfolg. Verbesserungsfähig ist nach ihrer Meinung die Kommunikation. Sie würde sich mit allen Beteiligten an einen Tisch setzen. Verbessert werden müsste auch die frühe Förderung. Beim Kindergarteneintritt mit vier Jahren müssten alle Kinder über Deutschkenntnisse verfügen.


SVP möchte auch mitreden

Bei der Wahl in den vierköpfigen Schulrat präsentiert sich folgende Ausgangslage: Die drei Parteien CVP, FDP und SP, deren Schulratsmitglieder alle demissioniert haben, wollen ihre Sitze verteidigen. Die CVP mit Giancarlo Tiberi und Reto Wild, die FDP mit Michaela Uhler und die SP mit Ramona Zahner. Die SVP möchte mit Heidina Jordi im Schulrat Einsitz nehmen. Für Heidina Jordi ist eine gute Schule jene, über welche Schüler im Nachhinein feststellen, dass sie etwas gelernt hätten. Sie vertrat mit Vehemenz den Standpunkt, die Mitglieder des Schulrates müssten sich vermehrt im Unterricht zeigen. Den Kontakt zwischen Schulbehörde, Eltern und Schülern gelte es zu verbessern. Noten findet sie eine gute Sache. Schüler wollten sich messen. Der Verzicht auf Noten töne gut, meinte Marion Harzenmoser. Um eine Bewertung komme man trotzdem nicht herum.

Digitalisierung gewinnt an Bedeutung

Während Heidina Jordi ihre Jugendlichkeit und mit 20 Jahren ihre Nähe zur eigenen Schulzeit ins Feld führte, waren für die übrigen zwei Frauen und zwei Männer die eigenen Kinder ausschlaggebende Gründe, sich im Schulbereich zu engagieren. Michaela Uhler und Giancarlo Tiberi würden sich beide für die Förderung der Digitalisierung einsetzen. Sie sei in der Schule noch etwas fremd und müsse integriert werden. Ramona Zahner stellte fest, dass zwar in der Informatik Grundbegriffe gelernt würden. Die anschliessende ständige Benutzung aber fehle noch. Weil elektronische Geräte immer billiger würden, könne ins Auge gefasst werden, solche ab der 5. Klasse an die Schüler abzugeben, führte Daniel Wyder aus. Allerdings betonte er, Lernen geschehe über Beziehungen, die Digitalisierung sei lediglich ein Hilfsmittel. Marion Harzenmoser sieht die Notwendigkeit, auch die Lehrer für die Digitalisierung fit zu machen. Für Reto Wild bieten die vielen zusätzlichen Hilfsmittel ein grosses Potential. Dafür müsse aber ein intelligentes Kommunikationskonzept geschaffen werden.


Sind Schulräte Verwaltungsräte?

Stellung und Aufgaben des Schulrates sind schon verschiedentlich in Frage gestellt worden. Oberuzwil beispielsweise hat ihn in eine vom Gemeinderat gewählte Schulkommission umgewandelt. Uzwil hat sich zur Beibehaltung entschlossen. Trotzdem stimmen nicht alle Kandidierenden bezüglich seiner Funktion überein. Für Reto Wild ist der Schulrat in der Position eines Verwaltungsrates. Er müsse Bindeglied sein, das den Schulleitern (Profis) Ziele vorgebe und Fortschritte einfordere. Daniel Wyder präzisierte, dem Schulrat obliege die strategische Führung. Die Zusammenarbeit mit den Schulleitern am Puls des Geschehens sei wichtig. In der Umsetzung besässen die Schulleitungen auch individuelle Freiheiten. Wiederholt wurde die Bedeutung des direkten Kontaktes und der Übermittlung der Wertschätzung hervorgehoben.


Verkürzte Argumente

Abschliessend sei von jedem Kandidierenden willkürlich ein Argument angeführt, welches diese für ihre Wahl in die Waagschale geworfen haben. Ramona Zahner hat Erfahrung als Personalleiterin. Reto Wild verfügt über ein gesundes Kostenbewusstsein. Michaela Uhler bringt die Mutter- und Gewerbeperspektive mit. Giancarlo Tiberi würde das Amt als lebenserfahrener Vater antreten. Heidina Jordi versteht sich als Stimme der Jungen. Daniel Wyder möchte die Schule weiterentwickeln. Marion Harzenmoser will eine Schule, in der Schüler begleitet, geführt und gefördert werden.

In der Diskussion wurden zwei Beispiele angeführt, bei welchen Lehrpersonen ein unbezahlter Urlaub nicht gewährt wurde. Darin kam der Unmut gegenüber der Schulbehörde zum Ausdruck. Auch wurde verallgemeinert, unter der Lehrerschaft herrsche eine schlechte Stimmung. Dem widersprachen aber zwei anwesende Lehrpersonen.