Wo ist der Nachwuchs? Eine Frage, die sich viele Vereine aus der Region fragen. Aktuell kämpfen der Musikverein Harmonie Rickenbach und der Bündner-Chor Wil und Umgebung um den Fortbestand ihrer Jahrzehnte alten, tief verwurzelten, Institution. Wie toll etwas war, bemerkt man vielfach erst, wenn es nicht mehr da ist. Dorfvereine sind nicht nur für ihre Mitglieder interessant. Ebenso wichtig sind sie für den Erhalt von Kulturen und einer gelebten Gemeinschaft. Zudem bieten sie den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, sich in ihrer Freizeit sinnvoll zu beschäftigen. Vielfach beinhalten diese Vereine unendlich viele Frondienststunden ihrer Mitglieder. Nichtsdestotrotz werden traditionelle Vereine wie Chöre oder Musikensembles je länger je mehr unattraktiv.

Woran das liegt ist schwierig zu sagen, mit Bestimmtheit tragen aber die neuen Medien einen Teil dazu bei. Warum einmal in der Woche in eine Vereinsprobe, wenn man sich auf Facebook mit anderen Leuten unterhalten kann – tragisch aber wahr. Sportvereine kämpfen hingegen weniger mit Nachwuchsproblemen, diese sind nicht nur bei Kindern mit Migrationshintergrund auch enorm attraktiver, als etwa ein Gemischtenchor.

Das Aus bei den nächsten Austritten
Seit 1980 war der Bündner-Chor Wil als Gemischtenchor ein Bestandteil vom Bündnerverein Wil. «2003 haben wir uns vom Bündnerverein abgelöst um selbständig zu werden. Nur zwei Jahre später zählten wir einen Mitgliederbestand von 40 Sängerinnen und Sängern», erinnert sich Vereinspräsident Harry Battaglia. Traurig sagt er, dass es heute noch gerade mal 13 Mitglieder sind, die aktiv am Gesang teilnehmen. «Vielleicht ist der Chorgesang heutzutage nicht mehr in Mode. Doch wie entspannend, verbindend und multikulturell unser Dasein ist, wird wohl vielen gar nicht bewusst sein.» Harry Battaglia weist darauf hin, dass unbedingt Nachwuchs rekrutiert werden muss, ansonsten wird der Chor bei weiteren Austritten aufgelöst. «Es ist wirklich jeder willkommen, an einem Mittwochabend in der Aula Ägelsee in Wilen spontan vorbeizukommen und mal etwas Gesangsluft zu schnuppern.» Wer nicht mobil ist, kann auch abgeholt werden.

In der Harmonie-Besetzung nicht mehr spielbar
In der gleichen Zwickmühle steckt der Musikverein Harmonie Rickenbach, der zu Spitzenzeiten 55 Mitglieder zählte. Nach einigen Turbulenzen, verbunden mit etlichen Austritten, befindet sich der Verein wieder auf ruhigen Gewässern. Mit dem Projektdirigenten Stefan Imboden bereitet man sich aktuell auf den Unterhaltungsabend im April vor. Präsidentin Bettina Brauchli ist sich aber bewusst, dass es so nicht mehr weiter gehen kann. «Mit aktuell 21 Mitgliedern ist eine Harmonie-Besetzung eigentlich gar nicht mehr spielbar.» Eine kurzfristige Lösung konnte jedoch in der Zusammenarbeit mit dem Musikverein Abtwil – St. Josefen gefunden werden. «Wir helfen uns gegenseitig aus. Nach den Konzerten in Abtwil und an unserer Unterhaltung werden wir aber wieder auf Feld eins stehen und müssen schauen, wie es weitergeht», sagt Bettina Brauchli.

Die Hoffnung stirbt zu Letzt. Darum fordert auch sie alle auf, eine Vereinsprobe zu besuchen. Jeden Dienstagabend um 20 Uhr im Singsaal des Thurlinden Schulhauses.

Young Talents
In der Nachwuchsausbildung setzt die Harmonie auf die Zusammenarbeit mit der Brass Band Wilen. Seit drei Jahren bieten die beiden Vereine Musikunterricht an und zwei Mal pro Monat proben die Musikschüler im Ensemble. Unter dem Namen „Young-Talents Rickenbach-Wilen“ haben sie schon einige Auftritte absolviert.

Weitere Informationen unter:

www.buendnerchor.com oder unter 071 925 34 85 (Harry Battaglia)
und
www.mvr.ch und www.young-talents-rw.ch


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Zwei Präsidenten geben nicht auf. Bettina Brauchli und Harry Battaglia kämpfen für ihre Vereine, die unbedingt Nachwuchs brauchen.