Eingeladen hatten die vier Ortsparteien. Auf dem Podium stellten sich Nadja Bösiger (SP), Jacques Breitenmoser (SVP), Stefan Diener (SP), Silvan Holenstein (FDP), Reto Hollenstein (CVP), Josef Meier (CVP) und Yvonne Tinner (parteilos) den Fragen von Ruben Schönenberger, Redaktionsleiter des Toggenburger Tagblatt. Als Bisherige kandidieren ausserdem Linus Calzaferri (FDP), Denise Huber (CVP) und Michael Sutter (FDP). Für das Gemeinde- und das Schulpräsidium gibt es nur die Kandidaturen der bisherigen Amtsinhaber Roman Habrik und Orlando Simeon.

Die sieben Kandidierenden kamen in zwei Gruppen zu Wort. Dabei kreuzten sie nicht eigentlich die Klingen, sondern umrissen ihre eigene Position zu diversen Themen, die vom Moderator angesprochen oder von einigen der recht zahlreichen Besucher zur Debatte gestellt wurden. Ruben Schönenberger lancierte das Gespräch mit der Aufforderung an die Kandidaten, zu beschreiben, wo Kirchberg nach ihrer Auffassung und Zielsetzung in 15 Jahren stehen werde.

Wohnen und Arbeiten am Ort

Weil Kirchberg heute schon gut dastehe, gelte es aufmerksam zu sein. Silvan Holenstein ist es wichtig, dass die Gemeinde ein Wohn- und Arbeitsort bleibt. Er ist in Bazenheid aufgewachsen und Bürger von Kirchberg. An die Lehre als Mechaniker schloss er die Ausbildung als Landwirt an. Im elterlichen Betrieb arbeitet er auch als Buschauffeur mit. Auf die Schulsituation angesprochen, ist er der Meinung, es müssten alle Interessengruppen an einen Tisch gebracht werden. Er bezeichnete sich als Freund einfacher Strukturen. Im Bereich alternativer Energien sind die Anstrengungen der Gemeinde nach Ansicht von Silvan Holenstein ungenügend. Kirchberg sei zu leicht zum Label Energiestadt gekommen. Mit der Abfallverwertung Bazenheid und dem Kleinkraftwerk Mühlau habe man das Glück, über zwei einschlägige Betriebe zu verfügen. Das Fernwärmeprojekt sei auf guten Wegen.


Unabhängigkeit in Sachen Energie

Energieautark und CO2-neutral sollte Kirchberg im Jahr 2035 nach den Vorstellungen von Josef Meier sein. Er ist Meisterlandwirt, 1964 geboren, verheiratet und Vater von vier Kindern. In Bazenheid wohnt er seit zehn Jahren. Er ist von Niederhelfenschwil zugezogen, wo er in der GPK der politischen Gemeinde mitwirkte und Präsident der Käsereigenossenschaft war. An der Einheitsgemeinde möchte er nicht rütteln, die Dörfer und Weiler müssten aber von der Gemeinde besser unterstützt werden. Wachsende Pendlerströme führten zu überfüllten Strassen und öffentlichen Transportmitteln. Wichtig sei es deshalb, dass Kirchberg in noch stärkeren Masse Wohn- und Arbeitsort werde.

Für bessere Tagesstrukturen

Junge Familien müssten nach Ansicht von Nadja Bösiger besser unterstützt werden. Der 35 Jahre alten Mutter von zwei kleinen Kindern fehlen Tagesstrukturen und Kitas. Sie ist in Kirchberg aufgewachsen. Nach einem Tourismusstudium hat sie die Welt bereist. Nach Kirchberg zurückgekehrt, hat sie sich in Kirchberg selbständig gemacht und ein Handelsunternehmen gegründet. Aus diesem Grund setze sie sich auch für die Wirtschaft ein. Im Energiebereich würde sie sich für die Schaffung eines Energiefonds einsetzen. Kirchberg sollte innovativer sein und zu einem eigentlichen Leuchtturm werden. Im Zusammenleben der Dörfer und Weile ist für sie die Kommunikation das A und O.

Anreize für das Gewerbe

Jacques Breitenmoser ist 41 Jahre alt. Der gelernte Maler hat im elterlichen Betrieb mitgearbeitet und führt diesen seit 20 Jahren selber. Er ist OK-Präsident der Gewerbeausstellung und bezeichnet sich als passionierten Fasnächtler. Auch wenn eine Senkung des Steuerfusses momentan eher nicht zur Debatte stehe, wäre sie nach Einschätzung von Jacques Breitenmoser für auswärtige Gewerbebetriebe ein Anreiz, sich in Kirchberg anzusiedeln. Kirchberg brauche Gewerbebetriebe, unter anderem um jungen Menschen Ausbildungsplätze anzubieten. Im Bereich alternativer Energien regte er den Bau einer Wasserstofftankstelle an.


Massvolles Wachstum

Die intakte überschaubare Gemeinde gab für Reto Hollenstein und seine Frau den Ausschlag, Kirchberg als Wohngemeinde zu wählen und hier ein Haus zu bauen. Er ist 51 Jahre alt und arbeitet als Bankfachmann. In seiner früheren Wohngemeinde Jonschwil hat er sich in der GPK der Gemeinde sowie in der GPK der Schulgemeinde engagiert. Einem sinnvollen Wachstum verschliesse er sich nicht. Kirchberg verfüge über einen guten Mix. Der Dorfcharakter aber müsse beibehalten werden. Das Dorfzentrum, das Herz der Gemeinde, müsse als Begegnungsort gestaltet werden. Den Beitrag der Gemeinde an das Fernwärmeprojekt findet er in Ordnung. Zu bemängeln sei lediglich die Information der Gemeinde in dieser Sache.

Mehr Leben im Dorf

«Wir müssen wieder Leben ins Dorf bringen», forderte der 49-jährige verheiratete Stefan Diener. Er ist gelernter Elektroniker. Nach der Zweitwegmatura hat er an der ETH Biologie studiert und arbeitet in einer international tätigen Stiftung. Er präsidiert die SP Alttoggenburg. Stefan Diener schmälerte die Bedeutung des Gewerbes nicht, betonte aber, dass es besonders wichtig sei, dass man im Dorf noch einkaufen könne. Beispielsweise müsse versucht werden, in die Zentrumsüberbauung einen Laden zu integrieren. Um beim Problem der Eingliederung von Flüchtlingen weiterzukommen, fände Stefan Diener ein Integrationskonzept hilfreich.

Für mehr Offenheit

Das Kleingewerbe liegt Yvonne Tinner am Herzen. Die medizinische Praxisassistentin arbeitet zusätzlich in einem Teilpensum als selbständige Naturheilpraktikerin. Der Wohnungsbau habe in Kirchberg einen hohen Stellenwert, im Gewerbebaubereich aber hapere es. Ganz allgemein wünscht sie sich ein offeneres Kirchberg, mehr Miteinander statt Gegeneinander. Wenig Verständnis bringt sie dem Umbaukonzept des Dorfzentrums entgegen. Ihre Forderung mit den Gemeindefinanzen angesichts der ungewissen aktuellen Situation sorgsam umzugehen, wurde von allen Kandidaten geteilt.