Das „Generationen-Ticket“ – Mutter/Tochter, Tante/Nichte, Grossmutter/Enkelin – fand Anklang, entdeckte man doch viele junge Gesichter unter den Teilnehmerinnen. Verschiedene politisch tätige Frauen stellten sich dem Gespräch potenzieller Wählerinnen. Die Tagung war gut strukturiert und bot informative Referate. 

Die Wiler Bundesrätin Karin Keller-Sutter erzählte aus ihrem „neuen“ Leben als Bundesrätin. Gegen das Heimweh hange jetzt hinter ihrem Rücken ein grosses Bild des Säntis, der früher gar einmal einem Kanton seinen Namen geliehen habe, zu Napoleons Zeiten. Sie habe vor ihrer Wahl auch nicht gewusst, dass sie einmal für die Sommerzeit zuständig sein würde. Sie habe einen tollen Mitarbeiterstab, in welchem mehrere gute Leute aus der Ostschweiz mitarbeiten und mitdenken würden. Sie rief dazu auf, die anstehenden Probleme wie Lohnungleichheit, stimmige Betreuungsangebote für Kinder von arbeitenden Müttern, aber auch die leidige Sexismusdebatte partnerschaftlich mit den Männern anzugehen. Die Bundesrätin hat auch die Schirmherrschaft über ein Projekt übernommen, welches gute Rahmenbedingungen für Frauen schaffen soll, damit diese als Fachkräfte zum Einsatz kommen können. Die Magistratin wünsch sich auch, dass Frauen bei künftigen Wahlen und Sachabstimmungen noch vermehrt an die Urne gehen werden. 


Sexismus im Alltag

Franziska Schutzbach ist Geschlechterforscherin und Soziologin. In einem engagierten Referat legte sie dar, dass zu keiner Zeit die Privilegierten der Gesellschaft eine Veränderung der Rahmenbedingungen wollten. Früher hatten es Frauen schwer und kaum eine Lobby. Doch ist heute alles besser? Sicher, vieles hat sich geändert. Die Arbeitszeiten sind kürzer geworden, die Löhne höher. Aber die Frauen verdienen auch heute noch im Schnitt ein gutes Stück weniger als Männer. Viele vorgefasste Meinungen zu weiblichem und männlichem Verhalten hemmen den Fortschritt weiter. Ihr pointiertester Satz: „Im Parlament haben Kühe eine grössere Lobby als Frauen.“ Doch Frauen haben es mit ihrem Wahlverhalten in der Hand, Frauen mehr Macht zu geben. Aufgepasst muss darauf werden, dass nicht gewisse Kreise hart erkämpfte Frauenrechte wieder abzuschaffen versuchen. 

Die Politologin Manuela Honegger wurde schon früh politisiert. Ihre Mutter hatte in den Achtzigerjahren die "Frap" – „Frauen politisieren anders“ – gegründet. Die Politologin lebt und politisiert in Genf. Sie brachte ein paar Zahlen ins Spiel. Frauen haben pro Jahr 108 Milliarden Franken weniger Einkommen als Männer, machen aber pro Jahr für ungefähr 250 Milliarden Franken unbezahlte Arbeit. Die Wahl von zwei Frauen in den Bundesrat gibt Hoffnung, dass sich da etwas bessert. Viele Frauen wollen heute nicht mehr von einem Mann abhängig sein. Honeggers Fazit: „Gleichstellung ist dann erreicht, wenn Frauen etwas gleich schlecht machen dürfen wie gewisse Männer.“ 



Reisen für Frauen

Nachhaltiges Reisen muss nicht unbedingt ein Widerspruch sein. Sonja Müller Lang hat eine „Formel“ gefunden, wie Reisen und Mehrwert für die Bevölkerung im bereisten Land zusammenpassen können. Man spürte ihre Begeisterung für diese Art Reisen in jedem Satz. Hatte sie am Anfang mit sehr vielen Vorurteilen zu kämpfen, wurde etwa als „Lesbe“ oder „Emanze“ beschimpft, hat sie heute ein inspirierendes Netzwerk aufbauen können und damit auch als wirklich kleine Firma sich einen Namen in der Branche gemacht. Sie verkauft auch Handwerkliches aus den bereisten Ländern. 

Post inside
Mit dieser Glocke aus einem Grand Hotel - nur geliehen - zeigte Sonja Müller Lang auf, was sie alles "quer" mache in ihrem Reisebüro. 


Workshops am Nachmittag

„Frau“ hatte die Qual der Wahl unter neun verschiedenen Themen. Wer Genaueres wissen möchte, kann sich auf der Homepage der Veranstalterinnen informieren. Die Politik war an vielen Orten präsent. Es gab zudem Gelegenheit, sich auf eine gelungen Flip-Chart-Präsentation vorzubereiten, mit einfachen, eingängigen Symbolen. Auch Sylwina, eine „Influencerin“, war vor Ort und stellte die verschiedenen Möglichkeiten der Werbung auf den neuen Social-Media-Kanälen wie Instagram, Facebook oder auch WhatsApp vor. Allerdings plädierte sie dafür, bei wichtigen Angelegenheiten sich entweder per E-Mail auszutauschen oder noch besser bei einem Kaffee persönlich zu treffen. 


Tagesmoderation

Sandra Künzi, eine Slam-Poetin der ersten Stunde, führte durch den Tag. Den drei Referentinnen hatte sie vorgängig eine Frage gestellt. „Was würdest du tun, wenn Donald Trump dein Kind wäre?“ Die Antworten: „Schweig jetzt und geh zur Schule.“ „Wie bin ich froh, dass ich keine Kinder habe“ und „Valium im Birchermüesli kann helfen“. 

Das schöne Wetter verlockte die meisten in den Pausen, sich in den Innenhof der Kanti zu setzen und dort zu „netzwerken“. Grafisch dokumentiert wurden alle Referate auf schönste Weise durch Stefanie Gerteis. 

Auch der „Marktplatz“ mit vielen Angeboten für Frauen wurde rege besucht. Auf Nachfrage bestätigten die Veranstalterinnen, dass sie mit dem Aufmarsch und dem Tagesablauf hochzufrieden seien. Mit der Verlosung von sechs Preisen – Essen und Übernachten im Hof Weissbad sowie Bücherpreisen – endete die Tagung. Am 27. März 2021 wird die nächste Tagung "Woman Ost" am gleichen Ort stattfinden.